Waldhäusl will Jugendliche "sonderbehandeln"

Eine "Sonderbehandlung" für Asylwerber – FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl legt nach. Das Wort verwendeten Nazis.

Der niederösterreichische FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl, der wegen der Zustände im mittlerweile geschlossenen Asylheim in Drasenhofen schwer in Kritik geraten war, hat sein Vorgehen am Mittwochabend verteidigt.

Bei jenen Asylwerbern, die nicht integrationswillig sind, müsse man eine "Sonderbehandlung" anstreben, legte Waldhäusl im "krone.tv-talk" am Mittwoch nach. Prompt erntete er dafür scharfe Kritik in den sozialen Netzwerken. Für Reinhard Hundsmüller, Klubobmann der SPÖ Niederösterreich, ist "spätestens jetzt der Zeitpunkt erreicht", an dem der FPÖ-Landesrat zurücktreten müsse.

"Notwendigkeit Drasenhofen"

Drasenhofen sei eine "Notwendigkeit" gewesen - "für jene jugendlichen Asylwerber, die notorisch auffallen, die mit dem Gesetz ständig Probleme haben", erklärte der NÖ-Landesrat. Diese müsse man "von jenen 90, 95 Prozent trennen, die sich tatsächlich integrieren wollen", sagte er. Vorwürfe, die FPÖ würde das Thema für ihre eigenen politischen Zwecke missbrauchen, wies er zurück. Grundsätzlich wolle er an seiner Politik festhalten.

Bei jenen "fünf Prozent oder mehr, die sich nicht integrieren möchten" wolle auch er keine Integration: "Dort Integrationsmaßnahmen zu setzen, ist falsch. Dort muss man eine andere Behandlung, eine Sonderbehandlung, anstreben, um die Bevölkerung zu schützen. Und das ist in Drasenhofen passiert."

Ein Nazi-Code

In der Sprache der Nationalsozialisten galt "Sonderbehandlung" (SB) als Codewort für die Ermordung von Menschen. Die Bezeichnung sollte wie „Endlösung der Judenfrage", „Deportation", „Umsiedlung" oder „Evakuierung" die tatsächlichen Handlungen verschleiern helfen, liest man dazu in Wikipedia. Die historische Belastung des Begriffs wird auch vom Duden erklärt: ("[nationalsozialistisch verhüllend] [zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft] Ermordung, Tötung von Gegnern des nationalsozialistischen Regimes sowie von Angehörigen der als minderwertig erachteten Völker und anderer nicht erwünschter Personengruppen").

SPÖ fordert Rücktritt

"Auch wenn es nicht für möglich zu halten war, die neuerliche Entgleisung mit der Verwendung von NS-Bezeichnungen zeigt eine neue Qualität des widerwärtigen Drehens der Sprachspirale nach unten", ärgerte sich SP-Politiker Hundsmüller. Waldhäusl sei "untragbar" und "in jeder politischen Funktion fehl am Platz".

(red)

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Maria Theresia von ÖsterreichGood NewsPolitik

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