Die Beliebtheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist im Zuge der Ukraine-Krise in Russland stark - auf derzeit "86 Prozent" - gestiegen. Nun habe Putin "den Wahlkampf begonnen, um Präsident der ganzen Welt zu werden", meinte der russische Analytiker Alexander Morozov bei einem Vortrag in Wien.
Die Beliebtheit ist im Zuge der Ukraine-Krise in Russland stark - auf derzeit "86 Prozent" - gestiegen. Nun habe Putin "den Wahlkampf begonnen, um Präsident der ganzen Welt zu werden", meinte der russische Analytiker Alexander Morozov bei einem Vortrag in Wien.
Putin rechne dabei unterstützend nicht nur mit radikalen Kräften, sondern mit rationalen, wohlhabenden Wählern. Die Toleranz in Europa gegenüber Putin wachse, meinte der Politikwissenschafter. Der russische Präsident habe mit seiner politischen Strategie, dass europäische Länder ihre Macht an die USA abgegeben hätten, bei europäischen Wählern "gewisse Erfolge".
Er würde von ihnen als "europäischer Politiker" und nicht als Diktator gesehen. "Ich sehe keine Energie, die sich dem (Werben Putins, Anm.) energisch entgegenstellen könnte", spricht Morozov eine "Gefahr auch für Europa" an. "Putin spielt erfolgreich ein Spiel der Spaltung Europas, er hat gute Chancen das politische Spiel der Spaltung der Europäer fortzusetzen."
Putins Kampagne zeigt Wirkung
Auch die russische Mittelklasse, der es an Stolz gemangelt habe, unterstütze "überraschenderweise" die anti-westliche Rhetorik des Kremls. Russland betreibe eine "massive Informationskampagne gegen die eigene Bevölkerung". Auf die russische Bevölkerung sei "eine Armee von Medienprofis" losgelassen worden. Diese etwa 20.000 professionellen Journalisten seien "tatsächlich überzeugt, dass Nazis kämpfen".
Im Jahr 2014 unterstütze nicht mehr nur, so wie früher, marginalisierte Gruppen, sondern die breite Mittelklasse den neuen Patriotismus und die Annexion der Halbinsel Krim, ortet der Blogger und Chefredakteur des "Russischen Journals" einen "aggressiven militärischen Putinismus" in der Gesellschaft. Es entstehe ein neues staatliches Gefüge, das "sehr gefährlich" sei. Putin wolle den Platz Russlands in der globalen Struktur revidieren.
Soldaten und Waffen populär
Aufgrund monatelanger militärischer Übungen, sei es aktuell in Russland "populär" geworden, Vertragssoldat zu sein. Der "soziale und symbolische Status" der in der Ukraine in Kämpfen involvierten Soldaten sei "stark angestiegen". Auch militärische Sportklubs sind Morozov zufolge bei der russischen Jugend "sehr populär". Der Zugang zu Schusswaffen für die Zivilbevölkerung erfahre ebenfalls neue Zustimmung.
Durch die Verhängung der westlichen Sanktionen habe sich in Russland eine "noch besser geeinte Brüderschaft der russischen Sanktionierten" gebildet, die eine "kompromisslose Einstellung" und "noch härtere Loyalität gegenüber Putin" zeigten. Der Sicherheitsrat sei als "neues Machtzentrum" entstanden und habe nun "gleiches Gewicht" wie die Präsidialverwaltung. Neben militärischen und außenpolitischen Entscheidungen, beschäftige sich der Sicherheitsrat auch mit innenpolitischen Themen, wie etwa der Internetregulierung - die früher Präsidentenaufgabe gewesen seien, der Sicherheitsrat, dem auch viele Pensionisten angehörten, werde aber von diesen Themen nicht mehr ablassen, so der Journalist.
"Keine gemäßigten Politiker mehr"
Seit der dritten Amtszeit Putins als Präsident seien "keine gemäßigten Politiker mehr vorhanden" und "früher marginale Figuren stehen im Zentrum der Macht" - die etwa die Idee eines "Goldrubels" oder die "Entwicklung des metaphysischen russischen Imperiums" verfolgen. Die politische Umsetzung der "Russischen Welt" werde aber nicht weiter entwickelt, weil sie "sehr gefährlich" wäre, da sie auch Partisanenkriege anderer Völker anregen könnte, meinte Morozov bei dem Vortrag, organisiert vom ICEUR (The International Center for Advanced and Comparative EU-Russia/NIS Research).