Warum der Abschied von der Lieblingsserie schwer fällt

Sex and the City, Game of Thrones und Bridgerton
Sex and the City, Game of Thrones und Bridgertonpicturedesk.com
Wenn die Lieblingsserie zu Ende geht, ist das für viele Fans ein trauriger Moment. Deshalb solltest du danach auf jeden Fall eine Pause einlegen.

Wir haben mitgefiebert, gelacht und mitgelitten: Seit der Corona-Pandemie sind Serien zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung geworden. Netflix und andere Streamingdienste haben das so genannte "Binge Watching" salonfähig gemacht.

"Urbedürfnis nach Wiederholung"

Warum Serien süchtig machen, wurde von vielen Medienpsychologen bereits mehrfach untersucht. "Sie befriedigen das Urbedürfnis nach Wiederholung", erklärt der Kulturwissenschaftler Johannes Binotto von der Universität Zürich gegenüber dem "SRF".

Zudem bieten sie Eskapismus und erfüllen das zutiefst menschliche Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit. Der entscheidende Suchtfaktor stellt laut Experten die Identifikation oder Sympathie, die man als Zuschauer für einen bestimmten Charakter entwickelt, dar.

"Serie sind nicht darauf ausgelegt, überhaupt je zu enden"

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich nach einem Serienende bei Fans eine gewisse Traurigkeit einstellt. Das Phänomen tritt vor allem bei Krimi-, Drama,- und Thrillerserien auf. Laut einer Netflix-Analyse nehmen 59 Prozent der Abonnenten nach dem Ende einer Serie eine etwa dreitägige Auszeit. Diese sei laut Sozialpsychologen auch notwendig.

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"Im Gegensatz zum Film ist eine Serie nicht darauf ausgelegt, überhaupt je zu enden, das liegt in der Natur der Sache", betont Dominik Maeder, Medienwissenschaftler an der Uni Bonn, in einem "Spiegel"-Artikel. Selbst ein geschlossenes Ende sei daher auch nicht befriedigend.

Ähnlich wie Liebeskummer

Oft fühlt es sich sogar wie Liebeskummer an. Laut Maeder würden Serien eine Stabilität im Alltag schaffen und sich über den Bildschirm hinaus mit eigenen Lebensphasen verbinden – ähnlich wie bei einer Trennung könne es da schlimm sein, wenn das plötzlich wegfalle.

"Wenn eine Serie fertig ist, dann findet ein Verabschieden statt, wie ein Mini-Trauerprozess. Man könnte fast sagen, wie nach einer Beziehung", sagt auch die Psychologin Denise Ginzburg im "Deutschlandfunk". Die Charaktere sind einem ans Herz gewachsen, man identifiziert sich mit ihnen, sie werden zur "Ersatzfamilie". Vor allem während der Corona-Pandemie mit den Kontaktbeschränkungen kann dieser Effekt noch stärker auftreten.

Comedyserien nehmen uns weniger mit

Während dem Schauen fließen zudem viele Emotionen mit. Die Pause nach einer abgeschlossenen Serie diene der Neuorientierung, so Ginzburg. Es fühle sich einfach nicht richtig an, direkt in eine neue einzusteigen, so wie wir uns auch nicht von einer Beziehung in die nächste stürzen.  

Einen Unterschied gibt es jedoch bei Comedyserien. "Friends" oder "Simpsons" könne man immer nebenbei schauen. "Die nehmen uns weniger emotional mit und beinhalten nicht so viel Nervenkitzel. Diese Formate schauen wir oft nur mit einem Auge und erledigen andere Sachen nebenbei", so die Psychologin.

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