Warum die E-Tschick-Marke Juul so viel wert ist

Juul ist nach drei Jahren bereits eines der teuersten Start-ups in den USA. Investoren haben etwas gefunden, das noch süchtiger macht als Social Media.
Der Marlboro-Hersteller Altria steigt bei Juul ein und bezahlt 12,8 Milliarden Dollar für eine Beteiligung von 35 Prozent. Der Tabakkonzern bewertet den neuen Partner mit umgerechnet rund 33,6 Milliarden Euro. Damit ist Juul eines der teuersten Start-ups der USA – nach lediglich drei Jahren auf dem Markt.

Der E-Zigaretten-Hersteller legte bereits einen fulminanten Start hin: Schon im ersten Jahr knackte das Start-up die 10-Milliarden-Dollar-Grenze. Zum Vergleich: Facebook brauchte laut dem Digital-Newsportal Quartz mehr als drei Jahre, um 10 Milliarden Dollar zu beschaffen, und Twitter sogar mehr als fünf Jahre.

Produkt mischt den Markt auf

Weshalb schafft es ein Start-up für E-Zigaretten, so schnell so viel Geld zu beschaffen? Und weshalb steigt nun sogar einer der größten Konkurrenten ins Boot ein? "Juul verändert mit seinen E-Zigaretten einen Markt, der seit Jahrzehnten stillsteht", sagt Michele Blasucci, CEO und Gründer von Startups.ch, zum Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten". Und es gebe etwas Entscheidendes, das Juul mit Tech-Start-ups wie Facebook und Twitter gemeinsam hat: Das Produkt steht im täglichen Gebrauch. "Die Investoren haben etwas gefunden, das noch süchtiger macht als Social Media", bringt es Blasucci auf den Punkt.

Denn auch E-Zigaretten enthalten Nikotin – auch wenn Juul stets betont, dass beim sogenannten Vaping viel weniger Schadstoffe entstehen als bei der Tabakverbrennung. Laut Michael Siegel von der Boston University ist das Suchtpotenzial von Juul-Zigaretten jedoch größer als das der herkömmlichen E-Zigaretten, wie die "New York Times" schreibt.

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Ob die E-Zigarette nun gesünder ist oder nicht: Rauchern bringt sie laut Blasucci mehrere Vorteile: "Vermutlich fast der wichtigste Pluspunkt: Man stinkt nicht, nachdem man sie geraucht hat." Er wisse sogar von Büros, in denen Juul-Zigaretten bereits erlaubt seien – die Raucher müssen also nicht mehr nach draußen gehen, um zu paffen. Schließlich riecht der Rauch fein – die Geschmacksrichtungen reichen von Mango und Mint bis zu Crème brulée.

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Die Hersteller der herkömmlichen Zigarette haben deshalb laut Blasucci eigentlich nur zwei Optionen: Entweder sie beteiligen sich am Erfolg der neuen Erfindung oder sie investieren selbst Millionen in die Forschung, um eine ähnliche Alternative auf den Markt zu bringen. "Philip Morris beispielsweise hat in Lausanne derzeit über 400 Wissenschaftler darauf angesetzt, ein Produkt zu erfinden, das noch gesünder als die bisherigen E-Zigaretten sein soll."

Schrumpfender Mark

Eines ist schließlich sicher: Die Zigaretten-Hersteller stehen vor einem schrumpfenden Markt: Die Anzahl Raucher nimmt seit Jahren ab. In den Vereinigten Staaten lag der Anteil der Raucher unter der erwachsenen Bevölkerung laut Angaben der Regierung letztes Jahr bei 14 Prozent. Im Jahr 1965 waren es noch 42 Prozent. In der Schweiz ist die aktuelle Raucherquote laut einer WHO-Studie noch deutlich höher: Jeder Vierte aller über 15-Jährigen raucht hierzulande täglich. Damit liegt Österreich merkbar über dem OECD-Schnitt von 18,4 Prozent. In nur fünf Ländern – Indonesien, Griechenland, Ungarn, China und Türkei – wird mehr gequalmt. Trotzdem ist Blasucci überzeugt: "Zigaretten-Hersteller brauchen neue Geschäftsideen, um künftig überleben zu können." (red)

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