Erst Jubel, dann Spott

Warum die ganze Welt (wieder mal) über uns lacht

Ein Vergleich von einem Wiener Brunnen aus dem Jahr 1902 und einem modernen Vertreter sorgt derzeit im Netz für großen Spott.

Leo Stempfl
Warum die ganze Welt (wieder mal) über uns lacht
Der frisch eröffnete Brunnen sorgt für großes Aufsehen – leider nicht im positiven Sinne.
Montage: Helmut Graf, X

Wien hält global oft als Positiv-Beispiel her. Das gipfelt in den Rankings zur allgemeinen Lebensqualität, bei denen Wien seit jeher den Spitzenplatz verteidigt. Teil davon ist auch das exzellente Trinkwasser, das seit nunmehr 150 Jahren seinen Weg aus dem Rax-Schneeberg-Gebiet in die Hauptstadt findet und die Versorgung mit kristallklarem Quellwasser langfristig sicherstellt.

Dieses Jubiläum wurde vor wenigen Tagen feierlich begangen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bürgermeister Michael Ludwig und viele weitere eröffneten am Dienstag vergangener Woche im Favoritner Sonnwendviertel den von einer Künstlergruppe gestalteten Jubiläumsbrunnen. Das Wasserspiel besteht aus 33 Figuren, hat einen Durchmesser von 7,5 Metern – und kostet satte 1,8 Millionen Euro.

    Acht Monate lang wurde an dem umstrittenen Jubiläumsbrunnen in Wien-Favoriten gebaut. 
    Acht Monate lang wurde an dem umstrittenen Jubiläumsbrunnen in Wien-Favoriten gebaut. 
    Helmut Graf

    1902 vs 2023

    Was nun weltweit für Aufsehen sorgt sind aber nicht die Kosten (diese fallen sogar geringer aus als die erwarteten 2,1 Millionen Euro), sondern die Optik. "Der Titel 'WirWasser' bedeutet, dass wir alle hier im Kreis sitzen und das Wasser gemeinsam halten und schützen", erklärte die Künstlergruppe das Brunnenbild. Doch in Sozialen Netzwerken gibt es dafür nur Spott und Häme.

    Den Brunnen wieder ins Gespräch brachte der Account "Culture Critic", der sich zumeist mit Meisterwerken der Architektur und Baukunst beschäftigt. Auf X (vormals Twitter) folgen ihm über 830.000 Personen. Sein letztes Posting zeigt zwei Bilder, beide sind aus Wien.

    Anschaulich dargestellt wird so der Unterschied zwischen Brunnen aus dem Jahr 1902 und 2023. Links der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament, mit seinen von Bildhauer mühsam erschaffenen Figuren, rechts der "WirWasser"-Brunnen mit seinen Skulpturen, die eher an missratene Pappmaschee-Projekte von Kindergartenkindern erinnern. Die beiden Posts erreichten innerhalb weniger Stunden zusammen rund vier Millionen User und wurden über 35.000-mal geliked.

    Das Urteil der User unter dem Posting über den neueren Brunnen fällt entsprechend niederschmetternd aus. Aber über Kunst lässt  sich bekanntermaßen trefflich streiten.

    leo
    Akt.
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