Warum Migranten häufiger Corona bekommen

Ein Corona-Patient auf einer Intensivstation.
Ein Corona-Patient auf einer Intensivstation.picturedesk.com/CTK/Dalibor Gluck
Ein großer Teil der Corona-Infizierten hat laut Medizinern einen Migrationshintergrund. Eine Expertin erklärt die Hintergründe.

Burkhard Gustorff, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin der Klinik Ottakring, ist sich sicher: Rund 60 Prozent der Corona-Intensivpatienten haben Migrationshintergrund, sagt er der "Presse". Das hat laut dem Mediziner zwei Gründe: Eine Welle der Reiserückkehrer aus stark betroffenen Risikogebieten wie dem Balkan und der Türkei und zum anderen "möglicherweise beengte Wohnverhältnisse, die eine rasche Verbreitung des Virus begünstigen".

"Unsere Patienten stammen hauptsächlich aus den Balkanstaaten, Südpolen und der Türkei. Bei Personen aus diesen Ländern haben wir die größten sprachlichen Barrieren", so Gustorff.

Das kann getan werden

Migrationsforscherin Judith Kohlenberger vom Institut für Sozialpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien sieht einen weiteren Grund für dieses Phänomen: Kommunikationsprobleme. Daran dürfe man aber nicht einfach Sprachbarrieren festmachen, sagt Kohlenberger zur "Presse". Auch soziale und kulturelle Barrieren würden es erschweren, gewisse Gesellschaftsgruppen mit sensible Themen wie Gesundheit und Bewegungsfreiheit zu erreichen.

Und, so die Expertin: "In einem Einwanderungsland wie Österreich müsste es eigentlich Standard sein, dass wichtige behördliche Informationen zeitgleich zu ihrer offiziellen Verkündung in alle wichtigen Sprachen der hier lebenden Menschen übersetzt und veröffentlicht werden." Das hänge nicht nur mit der Diversität zusammen, sondern habe praktische Grüne. Nur wer die Maßnahmen versteht, kann sie befolgen und somit das Gesundheitssystem schonen.

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