Warum Sie Fettwaagen nicht trauen sollten

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Sie stehen in fast jedem Gym, haben aber wenig Sinn: Ernährungswissenschaftler Jürg Hösli erklärt, wieso Sie auf keiner Körperfettwaage stehen sollten.

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr analysiert und strukturiert wird und machen dabei natürlich auch nicht vor unserem Körper halt. Wir wollen wissen, mit welchem Puls wir trainieren, wie lange unsere Trainings sind, und wir zeichnen sogar unsere Laufstrecker mit GPS-Daten auf. Dann ist es nur klar, dass wir auch messen wollen, ob sich all die Schinderei gelohnt hat. Und hier hält die Körperindustrie ein tolles Gerät bereit: Die Körperfettwaage, die uns nebst dem Gewicht mit spannenden Informationen darüber versorgt, wie viel Muskulatur wir haben und wie viel Körperfett. Sie steht nicht nur bei einigen von Ihnen zu Hause, sondern auch bei Ernährungsberaterinnen, Kliniken und heute in fast jedem Fitnesscenter. Doch was taugen diese Geräte? Zuerst muss man wissen, wie solche Geräte überhaupt funktionieren: Jedes Gewebe im Menschen hat einen Stromwiderstand. Bei unserem Körperfett ist dieser jedoch kaum messbar tief, im Gegensatz zu Muskulatur, Organen, Bändern, Faszien usw. So wird nun mittels Strom der Widerstand des Körperfetts gemessen, und je höher dieser ist, desto größer ist die fettfreie Maße im Körper.

Weiter können wir unsere aktiven Zellen bestimmen, bei denen die Muskulatur einen Hauptteil ausmacht. Da der Körper sich wie eine Batterie selber auflädt (Spannung auf der Zellmembran), können wir über eine Bestimmung dieser Größee den Muskelanteil berechnen. Was auf den ersten Blick so einfach tönt, hat aber in der Realität ein paar Haken: Wir messen seit Jahren ebenfalls mit einem sogenannten Bioimpedanzgerät ("hochwertige Körperfettwaage") die Werte unserer Kunden. Parallel dazu überprüfen wir diese Messung mit einem anderen Messverfahren. Nun haben wir Folgendes bemerkt. Bei einigen Kunden zeigt die Körperfettwaage plötzlich deutlich mehr Fett an, obwohl der Spiegel und das andere Verfahren etwas völlig anderes sagen und sich die Kunden besser fühlen.

Die Antwort nach der Ursache hat uns die Spiroergometrie geliefert. Hier wird der Stoffwechsel des Menschen noch genauer betrachtet und auch die Leistungsfähigkeit gemessen. Bei den erwähnten Beispielen haben sich Leistung und Stoffwechsel deutlich verbessert. Die Personen konnten den Körper im Gegensatz zu vorher endlich wieder stärker belasten, darum wurden auch die Spannung im Körper kleiner, die aktive Maße kleiner und Fett größer ausgewiesen. Dieser Zusammenhang erklärte uns noch weitere Abweichungen: Vor allem Frauen mit einem besonders großen Herz-Kreislauf-System, also einer großen Energiepumpe, hatten immer deutlich weniger Muskelmasse in der Körperfettwage ausgewiesen, als dies tatsächlich der Fall war. So wurde einigen Kundinnen im Fitnesscenter gesagt, dass sie unbedingt mehr Krafttraining machen sollten, weil sie nicht genügend Muskulatur hätten. Da diese von einer falschen Annahme ausgegangen waren, führte das Krafttraining dann dazu, dass die Kundinnen einfach immer breiter statt fitter und schlanker wurden.

Auf Körperfettwaagen ist leider kein Verlass. Sie zeigen kaum je die Realität und bergen oft mehr Frust als eine Belohnung für die harte Mühe im Fitnesscenter oder beim Sport. (Red)

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