Das antike Griechenland ist in Sachen Kunst und Kultur immer noch einer der großen Einflüsse des Abendlandes. Aber gilt für uns nach 2.300 Jahren immer noch dasselbe als sexy? Heute.at hat nachgeforscht.
Das antike Griechenland ist in Sachen Kunst und Kultur immer noch einer der großen Einflüsse des Abendlandes. Aber gilt für uns nach 2.300 Jahren immer noch dasselbe als sexy? Heute.at hat nachgeforscht.
Wendungen wie "wie ein griechischer Gott" oder "Adonis-Körper" zeigen, wie sehr unsere Vorstellungen von attraktiven Körpern von antiken Statuen beeinflusst sind. Doch einige Details was Attraktivität und Sexualität angeht, haben sich seit damals durchaus geändert.
Die Griechen dachten bei Schönheit weniger an bestimmte Maße, sondern - ganz die Mathematiker - vor allem an Proportionen. Wie füllig oder groß jemand ist, war nicht so ausschlaggebend, solange der Rest des Körpers proportional dazu war. Das Gesicht unterteilten sie in drei Abschnitte: die Stirn bis zu den Augenbrauen, die Augenpartie bis unter die Nase, von der Unterseite der Nase bis zum Kinn. Als ultimative Schönheit galt, wenn diese drei Abschnitt genau gleich groß waren.
Es ist nicht Größe, die zählt...
Dem ein oder anderen ist wahrscheinlich schon beim Schulausflug ins Museum aufgefallen, dass griechische Statuen "untenrum" eher weniger gut bestückt sind. In der christlichen Interpretation wurde dies oft als vornehme Zurückhaltung oder Keuschheit aufgefasst. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
Der antike griechische Dramatiker Aristophanes fasste das Maximum an Attraktivität so zusammen: "eine glänzende Brust, helle Haut, breite Schultern, kleine Zunge, kräftige Arschbacken und ein kleiner Penis". Ein großer Penis galt den Griechen als geradezu grotesk und lächerlich und deshalb barbarisch. Ebenfalls als barbarisch wurde jegliche Körperbehaarung unterhalb des Kopfes angesehen.
Am weiblichen Körper bevorzugten die Griechen eher kleinere Brüste, ein "gebärfreudiges" Becken und ebenfalls einen wohlgeformten Hintern. Es gibt sogar Statuen der Liebesgöttin Aphrodite (sozusagen die Pin-Ups der Antike), die ausschließlich ihren Hintern entblößt.
Die ursprüngliche platonische Liebe
Die sexuelle Lust und Befriedigung der Frau stand für die - ziemlich frauenfeindlichen - Griechen eher an letzter Stelle. Für den antiken Philosophen Platon war die höchste Form der Liebe - seine vielzitierte "platonische Liebe" - diejenige zwischen Lehrer und Schüler.
Diese ursprüngliche platonische Liebe war für Platon im Gegensatz zur heutigen Bedeutung des Begriffs auch eine sexuelle Liebe. Unser heutiges Verständnis von "platonischer Liebe" als rein geistige, nicht sexuelle Liebe stammt nicht von Platon selbst sondern vom Renaissance-Philosophen Marsilio Ficino, der Platon christlich interpretierte.
Sex und Status
Das bedeutet aber nicht, dass die Griechen im engen Sinn homosexuell waren. In der Antike wurde die Sexualität eines Menschen nicht danach beurteilt, welchen Geschlechts seine Partner waren. Dementsprechend gab es keine strikte Trennung zwischen Homo-, Bi- oder Heterosexualität. Die Griechen beurteilten (und diskriminierten) jemanden danach, welche Position er beim Sex hatte.
Damals war Sex gleichbedeutend mit Penetration. Gesellschaftlicher Status drückte sich im Bett dadurch aus, dass Mann penetrierte. Wer in jemand anderen eindrang, stand über diesem und blickte (sprichwörtlich wie wortwörtlich) auf diesen herab. Die entscheidende Frage war also nicht "Mit wem hattest du Sex?", sondern "Hast du oder wurdest du penetriert?"