Linzer Wut-Wirtin spricht: "Ich habe nix mehr"

Die 51-Jährige sah sich aufgrund ihrer finanziellen Situation gezwungen, ihr Café aufzumachen.
Die 51-Jährige sah sich aufgrund ihrer finanziellen Situation gezwungen, ihr Café aufzumachen.FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR
Nach ihrer Bar-Öffnung am Montag kennt sie jeder: Die Linzerin Alexandra Pervulesko (51). "Heute" sprach ausführlich mit ihr.

"Heute": Sie haben am Montag ihre Bar aufgemacht, mussten nach vier Stunden aber wieder schließen. Hat sich das Aufmachen ausgezahlt? Wie hoch waren denn die Einnahmen?
Alexandra Pervulesko: Ich hab' ehrlich gesagt noch gar nicht in der Kasse nachgeschaut. Es waren gar nicht so viele Gäste da, wie es den Anschein gemacht hat. Da waren viel mehr Medienleute darunter. Es wurde gespendet, wieviel da zusammen gekommen ist, kann ich aber aktuell nicht sagen. 

Bürgermeister Klaus Luger hat ein Betretungsverbot für Ihre Bar in der Badgasse veranlasst. Werden Sie sich daran halten?
Ich werde mich daran halten und nicht aufmachen. Aufzumachen käme einer Verhaftung gleich. Dann würde man mir vermutlich meinen Sohn wegnehmen, das möchte ich nicht riskieren. Wie Bürgermeister Luger in einem Interview erwähnt hat, soll das Betretungsverbot auch nur zehn Tage lang gültig sein. Aufmachen werde ich aber trotzdem nicht können, die Corona-Auflagen der Regierung haben sich ja nicht geändert.

Alexandra Pervulesko (51) führt seit einem Jahr das "Badcafe" in der Linzer Badgasse. In "Heute" hatte die 51-Jährige am Montag angekündigt, ihre Bar aufmachen zu wollen. Sie müsse ihren Sohn ernähren, sei finanziell am Ende. "Ich muss die Bar aufmachen, sonst bin ich obdachlos", erklärte sie in unserem Interview. Am Montag um 16 Uhr sperrte Pervulesko ihre Bar auf. Ein großer Polizeieinsatz, 96 Anzeigen und die Schließung des Lokals waren die Folge. 

Sie hat's sogar aufs Titelblatt geschafft! "Heute" hat als erstes Medium vom Vorhaben der Gastronomin berichtet. Jetzt bereitet sie sich auf einen Auftritt bei Servus TV vor.
Sie hat's sogar aufs Titelblatt geschafft! "Heute" hat als erstes Medium vom Vorhaben der Gastronomin berichtet. Jetzt bereitet sie sich auf einen Auftritt bei Servus TV vor.FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR

Ihnen steht auch eine Geldstrafe bevor. Wie hoch die sein wird, wird in einem Bescheid festgelegt. 30.500 Euro stehen im Raum. Werden Sie die bezahlen? 
Was sollen sie mir denn noch nehmen? Ich hab ja nix mehr. Gegen die Strafe werde ich Einspruch erheben und bis zum Verfassungsgerichtshof gehen. Ich erhoffe mir, dass das aktuelle Vorgehen als rechtswidrig erkannt wird. Zum Glück gibt es da aber auch viele Leute, die spenden wollen und sich bereiterklärt haben, mir dabei zu helfen, die Strafe zu tragen. 

"Ich kann kaum noch schlafen, so viel geht mir im Kopf herum"

Der Rummel um Ihre Person ist gerade groß. Wie geht's Ihnen denn?
Das ist grade echt Wahnsinn, was da aktuell passiert. 7.000 Leute haben mich in den letzten Tagen angerufen, weit über 200 SMS hab' ich bekommen. Darunter haben sich Leute aus Frankreich, der Schweiz, Italien und Deutschland bei mir gemeldet, mir erzählt, dass es ihnen als Kleinunternehmer auch finanziell schlecht geht. Dass die Aktion solche Züge annimmt, damit hätte ich nicht gerechnet. Nach den letzten Tagen muss ich schauen, dass ich wieder etwas runterkomme. Ich kann kaum noch schlafen, so viel geht mir aktuell im Kopf herum. Ich bereite mich gerade noch auf einen Fernseh-Talk vor, das ist mir noch wichtig. Termine, die die letzten Tage angestanden sind, habe ich aber sonst so gut es ging abgesagt.

Wie sieht es jetzt eigentlich mit einem Rechtsbeistand aus? Haben Sie da schon eine Entscheidung getroffen? Da gab es ja offenbar viele, die Interesse hatten, Ihren Fall zu übernehmen?
Ich habe mich mittlerweile mit einem Anwalt, der in die engere Wahl fiel, getroffen. Dass er übernehmen wird, hat er mir aber noch nicht fix zugesagt, es wurde noch nichts unterschrieben. Wer mich vertreten wird, möchte ich deshalb aktuell noch nicht sagen. Nicht, solange noch nichts fix ist und er sich mit meinem Fall vertraut gemacht hat.

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