"Wegen Internet-Pornos kriege ich ihn nicht mehr hoch"

Die nachhaltigste Möglichkeit für Männer, eine durch Pornokonsum hervorgerufene Erektionsstörung zu beheben, liegt darin, sich vorübergehend von der Reizüberflutung durch Pornos abzuwenden.
Die nachhaltigste Möglichkeit für Männer, eine durch Pornokonsum hervorgerufene Erektionsstörung zu beheben, liegt darin, sich vorübergehend von der Reizüberflutung durch Pornos abzuwenden.
(Bild: iStock)
Der Konsum von Internetpornos ist wegen Corona gestiegen – wie auch Erektionsstörungen. Betroffene erzählen, wie Filme ihr Sexualleben beeinflussen. 

Tote Hose im Bett – das kennt Single Lukas* (28) seit Corona nur zu gut: "Noch vor einem Jahr war mein Pornokonsum recht überschaubar. Da habe ich vielleicht zwei Filme die Woche geschaut. Seit Corona ziehe ich mir nun jeden Tag welche rein. Oft weiß ich nicht, was ich mit der ganzen freien Zeit anfangen soll und denke dann, dass ein Porno ein guter Zeitvertreib wäre."

Mit seinem hohen Pornokonsumist Lukas nicht alleine. Beim ersten Shutdown vor einem Jahr gab Pornhub seine Premiuminhalte für eine bestimmte Zeit für alle Nutzer frei. Das Unternehmen wolle den Usern damit eine Möglichkeit zum Zeitvertreib bieten, hieß es von Pornhub-Vizepräsident Corey Price. Ein Marketingcoup, der aufging: Die Zugriffe auf die Site des weltweit größten Anbieters für Internetpornos stiegen um über 20 Prozent.

Erektionsstörungen haben zugenommen

Für die User hat der häufige Konsum auch Schattenseiten: Gemäß einer Studie aus der "Zeitschrift für Sexualforschung" gibt jeder dritte Mann an, dass er seinen eigenen Pornokonsum als "zu hoch" einstuft. Gleichzeitig haben Erektionsstörungen zugenommen. In den letzten Jahren sei generell ein Anstieg zu beobachten gewesen – vor allem bei jungen Männern, heißt es weiter.

Dass die vielen Pornos zum Problem werden können, war Lukas nicht von Anfang an klar. "Erst, als ich mit einer Frau intim geworden bin, habe ich gespürt, dass etwas anders ist. Es ist nichts passiert, nichts regte sich, mein Körper wollte einfach nicht. Das ist mir noch nie passiert. Seitdem ich aber vermehrt Pornos schaue, ist das bereits drei Mal vorgekommen."

Seitdem Lukas* (28) vermehrt Pornos schaut, kriegt er beim Sex keinen mehr hoch.
Seitdem Lukas* (28) vermehrt Pornos schaut, kriegt er beim Sex keinen mehr hoch.privat

"Solange Corona nicht vorbei ist, werde ich es nicht schaffen, aufzuhören"

Die Pornos beeinflussten seine Bilder, die er vom Sex habe, erzählt der Single. "Ich stelle mir vor, dass der Sex wie im Porno sein muss. Ich will es genauso erleben und habe hohe Erwartungen, die natürlich so nicht erfüllt werden können." Es sei wie ein Teufelskreis: Er schaue Filme und wolle Sex. Komme es tatsächlich dazu, klappe es wegen der Filme und seiner hohen Erwartungen nicht. Dann schaue er wieder Filme, weil es eben nicht geklappt habe. Und so gehe es immer weiter, denn die Nervosität steige bei jedem neuen Sex-Versuch.

"Wenn du von einer Frau berührt wirst und einfach keine Reaktion zeigst, ist das schon peinlich. Das kratzt am eigenen Ego. Ich fühle mich jedes Mal als Versager, wenn ich keinen hochkriege", so der Disponent. Sein Wunsch nach normalem Sex sei groß. "Doch dafür muss ich mit den Pornos aufhören. Solange Corona nicht vorbei ist, werde ich das nicht schaffen – es ist einfach zu schwer."

Neben Lukas erzählen zwei weitere Leser, wie oft sie sich die Onlinefilme anschauen und inwiefern dieses Verhalten ihr Sexualleben beeinträchtigt.

"Pornos sind Fiktion und Sex ist die reale Welt – ich kann das trennen"

Buchhalter Marcel* (27) schätzt seinen Pornokonsum als ziemlich hoch ein: "Früher habe ich höchstens drei Mal die Woche Pornos geschaut und mich dabei befriedigt. Seit der Pandemie tue ich es fast täglich, aber nicht, weil ich es brauche, sondern ganz einfach aus Langeweile. Es gibt nichts zu tun, ich kann nicht raus. Also tue ich das, was auf der Hand liegt: Einen Film anmachen und herunterkommen."

"Ich weiß, dass das nicht der richtige Weg ist und dass man dadurch Probleme im realen Leben haben kann, aber ich hatte bis jetzt noch keine Erektionsstörungen oder Ähnliches. Das sind für mich zwei verschiedene Welten. Pornos sind Fiktion und Sex ist die reale Welt. Diese Trennung klappt ziemlich gut und ich hatte nie Probleme beim Geschlechtsverkehr."

Auch Marcel* ist der Meinung, dass er zu viele Pornos schaut, aber er weiß, dass die Filme nur Fiktion sind.
Auch Marcel* ist der Meinung, dass er zu viele Pornos schaut, aber er weiß, dass die Filme nur Fiktion sind.privat

"Die Pornos nehmen mir das Selbstvertrauen im realen Leben"

Für den 19-jährigen Studenten Paul* ist es zur Gewohnheit geworden, während des Masturbierens einen Porno zu schauen: "Meistens befriedige ich mich um die drei Mal am Tag und schaue dabei immer ein oder zwei Pornos. Durch das Homeoffice bin ich immer ungestört und habe viel Zeit. Ehe ich mich versehe, habe ich Pornhub schon geöffnet. Sobald mir langweilig ist oder ich nichts zu tun habe, mache ich das automatisch. Manchmal kriege ich auch Lust, weil ich auf den sozialen Netzwerken freizügige Bilder gesehen habe. Dann öffne ich einen Film und hole mir einen runter. Danach bin ich immer glücklicher."

"Trotzdem weiß ich, dass mein Konsum zu hoch ist und dass das viele Masturbieren nicht optimal ist. Es fällt mir aber schwer, davon wegzukommen – es ist aber viel leichter gesagt als getan. Mir ist bewusst, dass vor allem extreme Pornos und die oft dazugehörigen, unrealistischen Körper zu einem falschen Selbstbild führen können. Auch mir ist das bereits passiert. Als ich mit einer Frau im Bett war, wusste ich auf einmal nicht mehr, was ich genau tun sollte. Die vielen Pornos hatten mir das Selbstvertrauen genommen, so dass ich gefangen war. Das Mädchen ging dann natürlich wieder und mir blieben nur die Onlinefilme."

Paul* fällt es schwer, von den Pornos wegzukommen, obwohl er weiß, dass sein Konsum zu hoch ist.
Paul* fällt es schwer, von den Pornos wegzukommen, obwohl er weiß, dass sein Konsum zu hoch ist.privat

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