"Wegen meiner Vergesslichkeit habe ich Job verloren"

Gemäß einer neuen Studie kann eine Covid-Erkrankung das Gehirn beeinträchtigen. Betroffene Personen erzählen, wie sie die Erkrankung beeinflusst hat.

Vergesslichkeit, Gehirnnebel und Konzentrationsschwierigkeiten: Immer mehr Menschen klagen über Kognitionsstörungen nach Corona-Erkrankungen. Eine neue Studie aus Großbritannien besagt nun sogar, dass Corona die Intelligenz beeinträchtigen und einen IQ-Verlust von bis zu sieben Punkten verursachen kann. Mehrere Leser berichten, nach der Corona-Erkrankung an Gedächtnisstörungen zu leiden.

"Ich habe zu viele Fehler gemacht – und meinen Job verloren"

Beatrice O. (33) aus Lenzburg AG hat seit ihrer Corona-Erkrankung ein schlechteres Gedächtnis – was fatale Folgen für ihr Berufsleben hatte: "Ich bin im September an Covid erkrankt. Mein Krankheitsverlauf war eher mild, aber seither bin ich extrem vergesslich. Ich vergesse beispielsweise sehr oft, was ich einen Augenblick vorher holen wollte. Oder wenn mir jemand etwas sagt, muss ich es aufschreiben. Es ist sehr mühsam. Wegen meiner Vergesslichkeit habe ich auf meiner Arbeit als Arztsekretärin in einem Röntgen-Institut zu viele Fehler gemacht – worauf mir der Job gekündigt wurde. Die Arbeit war relativ stressig und verlangte Multitasking – Telefone abnehmen, Kunden bedienen, E-Mails beantworten – früher war das alles kein Problem für mich. Man wollte mich in die Reha schicken und bei der IV anmelden, doch damit fühlte ich mich überrumpelt. Ich möchte nun einfach eine ruhigere Arbeit finden und mich selber Schritt für Schritt wieder aufbauen."

"Ich vergaß sogar, dass ich mir Listen geschrieben hatte"

Simon J. (40) aus Bern wäre bei seiner Arbeit im Service auf ein gutes Gedächtnis angewiesen. Doch seit seiner Covid-Erkrankung funktioniert dies nicht mehr richtig: "Nichts kann ich mir merken. Es ist eine Katastrophe. Nachdem ich im Februar 2021 Corona hatte – mit Lungenentzündung und drei Wochen 39 Grad Fieber – stellte ich fest, dass sich mein Kurzzeitgedächtnis verschlechtert hatte. Also begann ich, für alles Listen zu schreiben. Leider kam es dann oft vor, dass ich sogar vergaß, dass ich mir Listen erstellt hatte. Heute kann ich mir gerade mal vier Dinge merken, ohne sie aufzuschreiben – etwas, worauf ich mittlerweile stolz bin.

Meinen Kopf bräuchte ich eigentlich bei meiner Arbeit in der Gastronomie: Ohne Notizblock könnte ich die vielen Bestellungen, die ich täglich erhalte, heute nicht mehr aufnehmen. Zum Glück kann ich peinliche Situationen oft mit meinem Charme überspielen. Meine Vorgesetzten, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen haben viel Verständnis für meine Situation, worüber ich sehr froh bin. Meine Frau dagegen findet die Tatsache, dass ich so vergesslich wurde, zeitweise etwas anstrengend. Ich weiß nicht, ob ich je wieder die gleiche Gedächtnisleistung erbringen werden kann, wie vor meiner Covid-Erkrankung."

"Ich bin nicht mehr die Gleiche"

Jacqueline J. (33), aus Dietikon ZH hatte einen schlimmen Covid-Verlauf. Neben ihrer Vergesslichkeit leidet sie an Hörstörungen – zwei Langzeitfolgen, die sie in ihrem Alltag stark beeinträchtigen. "Meine Corona-Erkrankung hatte ich gleich zu Beginn der Pandemie. Es ging mir echt schlecht: Ich hatte starkes Fieber, Schüttelfrost, Atembeschwerden – das ganze Programm. Seitdem bin ich nicht mehr die Gleiche. Ich vergesse die banalsten Dinge, wie beispielsweise, was für ein Wochentag gerade ist oder was ich im Supermarkt einkaufen wollte. Meine Schlüssel verlege ich ständig. Vor der Infektion habe ich eine Weiterbildung zur Kindergruppenleiterin gemacht: Das Lernen fiel mir damals noch leicht und ich bin froh, dass ich sie abschliessen konnte. Da ich tiefprozentig arbeite, kann ich meiner Arbeit weiterhin nachgehen. Meine Familie – ich habe drei Kinder – findet es manchmal lästig, dass ich so vergesslich bin, aber vielmehr stört es sie, dass mein Gehör so schlecht wurde: Ich muss meine Gesprächspartner ständig bitten, lauter zu sprechen, da ich sie nicht mehr gut hören kann."

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