Eine neue Studie zeigt, dass Smartphones ihre Nutzer nicht aktiv abhören. Dafür aber stehen sie im Verdacht, das Verhalten ihrer Besitzer heimlich zu filmen.
Es ist die Verschwörungstheorie schlechthin: Smartphones hören die Gespräche ihrer Nutzer ab, um sie dann mit entsprechender Werbung zu bombardieren. Erst kürzlich wurde diese Paranoia mit einem Artikel von Vice.com geschürt. Der Autor hatte während fünf Tagen von einer Rückkehr an die Universität gesprochen, prompt sah er auf Facebook Werbebanner für Uni-Kurse.
Das ist alles Quatsch, behauptet jetzt eine Studie der Northeastern University aus Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Während eines Jahres haben Wissenschaftler mehr als 17.000 Apps – unter anderem auch Facebook und Instagram – getestet und untersucht, ob sie heimlich die Telefon-Mikrofone aktivieren, um ihre Nutzer abzuhören.
Keine Audio-Aufnahmen, sondern Videos
Entgegen der allgemeinen Vermutung haben die Forscher bei keiner der untersuchten Apps Beweise für heimliche Audio-Aufnahmen gefunden. Weder aktivierten sich die Handy-Mikrophone unerwartet, noch würden die Apps ohne Aufforderung Tonaufnahmen an Drittparteien weitersenden. Ganz ausschließen wollen sie die Möglichkeit einer möglichen Bespitzelung aber nicht.
Stattdessen machten die Wissenschaftler eine ganz andere Entdeckung. Verschiedene Apps filmen die Bildschirmaktivitäten ihrer Nutzer und senden diese Informationen an Dritte weiter. Das Heikle daran: Ein Bildschirmfoto oder gar ein Video kann private Nachrichten, persönliche Informationen oder sogar Passworteingaben beinhalten.
Unbemerkt ausspioniert
Wie aber merkt man, wenn der eigene Handy-Bildschirm von einer App heimlich gefilmt wird? Vorerst gar nicht. Bis Smartphone-Hersteller die Nutzer nicht informieren, wenn deren Bildschirme missbräuchlich aufgenommen werden oder die Nutzer nicht selbst über eine Möglichkeit verfügen, dies zu unterbinden, bleibt das Risiko vorhanden.
Trotzdem kann aber auch ein wenig Entwarnung gegeben werden: Die Werbung, die einem auf Facebook und anderen Apps gezeigt wird, ist höchstwahrscheinlich nicht das Resultat von Audio- oder Video-Aufnahmen. Vielmehr sind es äußerst genau arbeitende Algorithmen, die das jeweilige Nutzerverhalten gründlich analysieren und auf dessen Basis gezielt Werbung schalten. (vhu)