Whatsapp war letztes Jahr 6.236 Stunden gesperrt

Messenger-Apps sind bei der Organisation von Protesten nicht mehr wegzudenken. Dagegen gehen die Regierungen vieler Staaten immer stärker vor.
Whatsapp war im vergangenen Jahr die Messenger-App, die von Regierungen weltweit am häufigsten vorsätzlich stillgelegt wurde. Einer Studie von Top10VPN zufolge wurde die App im Jahr 2019 insgesamt 6236 Stunden lang unterdrückt. Am häufigsten war dies in Ländern wie Sri Lanka oder dem Sudan der Fall.

Whatsapp ist vielen Regierungen ein Dorn im Auge, da seine End-to-End-Verschlüsselung es Nutzern einfach macht, ohne die Überwachung zu kommunizieren und Protestaktionen oder Aufstände zu planen. Außerdem ist es eine der weltweit beliebtesten Kommunikations-Apps mit einer dementsprechend großen Nutzerzahl.

235 Prozent mehr Shutdowns



CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Für Regierungen ist es erschreckend einfach, Plattformen wie Whatsapp zu schließen, da sie von regionalen Lizenzen abhängig sind", sagt Samuel Woodhams, ein Autor der Studie, dem "Independent". Betroffen von solchen Shutdowns ist aber nicht nur Whatsapp, sie wirken sich auch aus auf andere Kommunikations-Apps wie beispielsweise Facebook, Twitter oder Youtube.

Generell fanden im Jahr 2019 mehr Internet-Shutdowns statt als jemals zuvor. Zusammengerechnet sollen diese rund 18.000 Stunden angedauert haben und gegenüber den Jahren 2015 und 2016 um 235 Prozent angestiegen sein, berichtet die Studie.

Hintertür für die Regierung



Das Thema der staatlichen Überwachung ist aber nicht nur in jenen Ländern, die die Sperrungen durchgeführt haben, ein Thema. Auch in den USA und in Großbritannien wird seit Jahren darüber diskutiert, ob staatlich verfügte Hintertüren in Apps wie Whatsapp oder Facebook Messenger eingeführt werden sollen.

Solche Hintertüren sollen es den Behörden erlauben, verschlüsselte Nachrichten dennoch mitzulesen. Dies soll helfen, kriminelle Aktivitäten wie Kinderpornografie oder Drogenhandel aufzudecken oder Terror zu verhindern.

Tech-Firmen und Datenschützer warnen allerdings davor, solche Hintertüren einzubauen. Sie argumentieren, dass es unmöglich sei, eine Hintertüre für Regierungen offen zu lassen, ohne dass diese einen potenziellen Angriffspunkt für Hacker darstellten. Dies würde also eine Schwächung für die Verschlüsselung insgesamt bedeuten.

Selbst programmierte Apps



Vielerorts sind die Aufständischen den Behörden technologisch gesehen aber bereits einige Schritte voraus und haben eigene Apps geschaffen. So wurden etwa viele der Unabhängigkeitsdemonstrationen in Katalonien über eine selbst programmierte Chat-App organisiert. Daraufhin veranlasste der spanische Staat, dass das Entwicklungsprojekt von der Codesharing-Website Github gelöscht wurde.

Auch bei den Protesten in Hongkong kommen selbst programmierte Apps zum Einsatz. Eine der bekanntesten ist HKmap, die ihre Nutzer live über die Aufenthaltsorte von Polizeifahrzeugen informiert und anzeigt, wo gerade Tränengas zum Einsatz kommt. Im Oktober verschwand die App plötzlich aus Apples App Store. Sie verstoße gegen dessen Richtlinien, ließ der kalifornische Konzern mitteilen.



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