Wien

"Widerwärtig, Wirrköpfe" – Hacker platzt der Kragen

Ein Haus, in dem ukrainische Kriegsflüchtlinge untergekommen sind, wurde am Sonntag von Rechtsextremen attackiert.

Leo Stempfl
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Wiens Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker geht auf die rechtsextremen "Aktivisten" los.
Wiens Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker geht auf die rechtsextremen "Aktivisten" los.
"Heute"-Montage: Leserreporter, Helmut Graf

Zu einer beispiellosen Tat kam es Sonntagmorgen in Wien-Favoriten. Wie eine "Heute"-Leserreporterin aus Wien-Favoriten berichtete, erklommen maskierte Männer das Dach eines Hauses gegenüber ihrer Wohnung. Dabei handelte es sich ausgerechnet um das Ute-Bock-Haus, in dem Geflohene untergebracht und betreut werden.

Und wie an Kleidung und Transparenten der Unbekannten ersichtlich wurde, handelte es sich bei ihnen um eine einschlägig bekannte rechtsextreme Gruppierung. Rund 20 von ihnen skandierten rassistische Parolen, warfen hunderte Flyer mit verschwörungstheoretischen Inhalten vom Dach, entzündeten Pyrotechnik und bettelten anschließend via Telegram um Spendengelder.

Verfassungsschutz ermittelt

Das Flüchtlingsprojekt selbst teilte Bilder von dem Vorfall per Aussendung, der Schock sitzt tief. Wohl über das Nachbarhaus verschafften sie sich Zugang, der Eingang zum Haus soll versperrt worden sein. Der Verfassungsschutz ermittelt.

"Wir verurteilen diesen rassistischen Angriff aufs Schärfste! Im Ute Bock Haus leben über 90 Menschen, Kinder, Frauen und Männer, die in Österreich Schutz suchen. Viele von ihnen haben traumatische Dinge erlebt. Darunter auch Bewohner aus der Ukraine, die gerade erst den Krieg hinter sich gelassen haben. Das ist eine Schande!“, so Gerd Trimmal, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Flüchtlingsprojekts Ute Bock.

"Nicht tolerierbar" und als klar rechtsextrem benannte Innenminister Gerhard Karner den Vorfall. "Jede Form von Extremismus ist eine Gefahr für das demokratische Prinzip in unserer Gesellschaft", betonte Karner.

"Widerwärtig, "Wirrköpfe"

Deutlichere Worte fand Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker. Europa erlebe derzeit einen blutigen Angriffskrieg mit tausenden Opfern und Millionen Vertriebenen. "Und bei uns haben rechtsextreme Wirrköpfe nichts Besseres zu tun, als traumatisierte Vertriebene aus der Ukraine zusätzlich zu verängstigen und zu bedrohen. Das ist unmenschlich, geschmacklos, widerwärtig und völlig inakzeptabel", wettert Hacker.

Das Ute-Bock-Haus, und jede Organisation, die sich für den Schutz von Vertriebenen stark macht, könnten auf die Unterstützung der Stadt Wien und der Wiener zählen. Jetzt müsse ganz Europa zusammenstehen, und Vertriebenen aus der Ukraine helfen, appelliert der Stadtrat.

"Solche Störaktionen haben in Wien nichts verloren und werden niemals toleriert werden. Ich hoffe, dass die Polizei diese Randalierer bald ausforscht. Ausdrücklich danke ich auch dem Innenminister, der diesen feigen Angriff ebenso klar verurteilt.“

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