Vor genau 21 Jahren stand Clemens Unterreiner (49) am Fuße der gewaltigen Iguazú-Wasserfälle, umgeben von tosenden Wassermassen und dichter Natur. Eigentlich ist es ein privater Urlaub, fernab von Bühne und Verpflichtungen. Doch dann klingelt sein Klapphandy – trotz schlechter Verbindung erreicht ihn eine Nachricht, die sein Leben für immer verändern sollte.
Am anderen Ende der Leitung war nämlich die Wiener Staatsoper. Was dann passierte, änderte alles! Unterreiner wurde eine Rolle in der "Werther"-Produktion angeboten. Ohne zu zögern, beendete er seine Reise und kehrte nach Wien zurück. Die Aufgabe wirkte zunächst unscheinbar: Brühlmann, eine Rolle mit nur einem einzigen Wort Text: "Klopstock!"
Doch genau dieses eine Wort sollte alles verändern. An jenem Abend, der auch den internationalen Durchbruch von Elīna Garanča markierte, gelang Unterreiner etwas Besonderes. Mit nur diesem einen Moment auf der Bühne zeigte er eine Präsenz, die Eindruck hinterließ und ihm schließlich seinen ersten Solistenvertrag einbrachte.
Heute, mehr als zwei Jahrzehnte später, kehrt Unterreiner an diesen besonderen Ort zurück. Wieder steht er vor den Iguazú-Wasserfällen, doch diesmal als gefeierter Künstler, als österreichischer Kammersänger und Intendant der Oper Burg Gars.
Der Moment ist emotional. Die Erinnerung an den Anfang, an den Zufall, an die Chance, die alles ins Rollen brachte, ist allgegenwärtig. Beim Blick auf die Naturgewalt wird er nachdenklich und dankbar. "Wenn das Wasser der Iguazú-Fälle kein Glück bedeutet – was dann?", so Unterreiner zu "Heute".