Wie gefährlich sind Beauty-OPs?

Erneut ist in Deutschland eine Frau während einer Schönheitsoperation verstorben. Wir haben bei drei renommierten Chirurgen in Wien nachgefragt.
In Zeiten des Internets und Social Media boomt das Geschäft mit der Schönheit - vermutlich - mehr, denn je. Zu Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und Brustkorrekturen sind Gesäßoperationen, Faceliftings und Hyaluronsäure gegen Falten hinzugekommen. Auch immer unkomplizierter und schneller werden die Eingriffe. Nach sogenannten nicht-invasiven Schönheitskorrekturen, Behandlungen ohne Verletzung der Körperoberfläche, geht es oftmals sogar direkt im Anschluss wieder nach Hause - oder ins Büro.

Schönheitsoperationen und - behandlungen sind alltäglich geworden. Obwohl jeder Eingriff Gefahren und Risiken birgt, es kann immer zu Nebenwirkungen, wenn nicht gar zu Komplikationen kommen, wie im jüngsten Fall: Anfang Juli verstarb eine Frau an noch ungeklärter Ursache nach einer Po-Vergrößerung in einer Düsseldorfer Schönheitsklinik.

Nicht der erste Fall in dieser Klinik und auch nicht der einzige auf der Welt. Stellt sich nun die Frage: Wie gefährlich sind Beauty-OPs tatsächlich? Wir haben die drei renommierten Schönheitschirurgen Arthur Worseg, Ali Saalabian und Thomas Aigner dazu befragt:

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Wie kann es passieren, dass eine Frau bei einer Po-Vergrößerung stirbt?

Gesäßoperationen erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit, insbesondere die Aufpolsterung des Gesäßes mit Eigenfett. Dabei handelt es sich um einen Eingriff, bei dem es weltweit schon einige Todesfälle gegeben hat, da Fettgewebe in große Blutgefäße gelangt ist und es in Folge zu einer Embolie gekommen ist. Da dieses Thema bekannt ist, wird es seit einigen Jahren auf beinahe jedem internationalen Kongress thematisiert und es gibt ganz klare Regeln, wie derartige Komplikationen zu vermeiden sind. Ich denke daher im speziellen Fall, dass dieses Komplikationsgeschehen nicht hätte passieren dürfen. Es gibt für derartige Operationen klare Regeln, insbesondere klar definierte Areale, in denen Eigenfett eingebracht werden kann, ohne Gefahr zu laufen derartige Komplikationen zu erleben.

Wie hoch ist das Risiko, während einer Beauty-Op zu sterben?

Das Risiko während einer Schönheitsoperation zu sterben ist äußerst gering, da die allermeisten Schönheitsoperationen kein erhöhtes Risiko in sich bergen. Allerdings gibt es einige Eingriffe und hier insbesondere Unterspritzungen verschiedenster Materialien an verschiedenen Körperstellen, welche bei unsachgemäßer Handhabung oder aber auch bei abweichenden anatomischen Verhältnissen zu ernsten Problemen, wie etwa auch Erblindungen, führen können. Wir als plastische Chirurgen sind uns dieser Risiken bewusst und sollten uns im Rahmen regelmäßiger Fortbildungen diesbezüglich wirklich up to date halten.

Kann ein solcher Zwischenfall jedem Arzt passieren?

Grundsätzlich ist es so, dass jedem Arzt natürlich ein ernster Zwischenfall passieren kann, wobei unterschieden wird, ob es sich dabei um ein spezifisches Operationsrisiko handelt oder ob der Patient etwa bereits in einem schlechten Allgemeinzustand ist und es daher zu Komplikationen, wie etwa Herzinfarkt etc. kommt. Die österreichische Gesetzeslage sieht diesbezüglich ganz klar vor, dass Patienten rechtzeitig vor der Operation auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden müssen und dass medizinisch nicht notwendige Eingriffe, wie Schönheitsoperationen, beim geringsten Anlass nicht erfolgen dürfen.

Welche Risiken, Nebenwirkungen bergen Eingriffe, wie Brustvergrößerung, -verkleinerung, Operationen am Po, Fettabsaugung und dergleichen? Was kann am Operationstisch schiefgehen?

Wir unterscheiden zwischen allgemeinen Risiken,wie etwa Wundheilungsstörungen oder Infektionen, die bei jedem Eingriff auftreten können und meist auch nicht zu verhindern sind, sowie für jeden Eingriff spezifische Risiken, wie etwa die Brustimplantate, welche unter Umständen nicht vertragen werden, oder auch sonst zu Problemen führen könnten. Darüber müssen Patienten natürlich aufgeklärt werden und nicht zuletzt auch bereit sein, dieses Risiko unvorhergesehener und unabwendbarer Komplikationen auf sich zu nehmen.

Wie kann ein Vorfall, wie zuletzt in Deutschland, verhindert werden?

Kosmetische Operationen sollten nur im Ausnahmefall in einer Ordination stattfinden. Grundsätzlich gehören sie schlicht und einfach in ein dafür eingerichtetes Spital, wo im Zweifelsfall auch alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden können und die Patienten nicht, wie in Deutschland unter Anführungszeichen, vorsichtshalber mit der Rettung ins Spital gebracht werden müssen. Auch den Trend, größere Eingriffe ambulant durchzuführen und die Patienten anschließend nach Hause zu schicken, finde ich persönlich zum Teil fahrlässig. Ich denke, es muss sowohl dem Arzt als auch den Patienten wert sein, zumindest eine Nacht nach einem Eingriff in einer Klinik zu verbringen.

Ist es schon einmal vorgekommen, dass Sie eine Operation ablehnen mussten?

Ja, einerseits etwa aus bereits erwähnten medizinischen Gründen oder ganz häufig auch aus Gründen, wie etwa falsche Erwartungshaltungen oder überzogene Vorstellungen. Das habe ich in meinem neuen Buch "Deine Nase kann nichts dafür" ja auch thematisiert.



Anfang Juli ist in Deutschland eine Frau während einer Po-Operation verstorben. Wie gefährlich sind Beauty-OPs?

Ja, leider, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen aber auch dem behandelnden Arzt. Leider sind solche tragischen Vorfälle bei jeglichen Operationen möglich, hierzu zählen auch schönheitschirurgische Eingriffe.

Wie kann es passieren, dass ein gesunder Patient auf dem OP-Tisch stirbt?

Dass ein gesunder Patient, der auch korrekt überwacht wird, am OP-Tisch verstirbt, ist zum Glück eine absolute Seltenheit. Wenn dies der Fall ist wäre das als extrem schicksalshaft zu bewerten. Ein höheres Risiko haben leider schwerkranke Patienten.

Was kann am Operationstisch schiefgehen?

Jede Operationen hat allgemeine und spezielle Risiken. Es kann zum Beispiel zu Entzündungen, Blutungen, bis hin zu der Bildung von Blutgerinnseln, sogenannten Thrombosen, kommen. Diese Risiken treten jedoch erst meist nach dem operativen Eingriff auf. Deshalb ist eine gute Nachsorge der Patienten auch so enorm wichtig. Am Tisch kann es zu Verletzungen wichtiger Organe oder Blutgefäßen kommen oder durch unkontrollierte Gabe von Schmerzmedikamenten zu einem Atemstillstand.

Gibt es Risikopatienten?

Ja, auf jeden Fall. Patienten mit gesundheitsbeeinträchtigenden Vorerkrankungen, schwere Raucher, stark übergewichtige Patienten, gewisse Stoffwechselerkrankungen. Patienten sollten darüber gewissenhaft aufgeklärt werden und bei einem zu hohem Risiko sollte der Arzt einem Patienten den Wunsch einer Schönheits-OP ausreden.

Ist es schon einmal vorgekommen, dass Sie Patienten ablehnen mussten?

Mehrmals im Monat. Wir haben in unserem Zentrum sehr strenge Richtlinien und Voruntersuchungen sowie eine Reihe von Nachkontrollen.



Wie hoch ist das Risiko, während einer Beauty-Op zu sterben?

Die meisten ästhetischen Eingriffe sind Operationen an der Körperoberfläche im Gegensatz zu einer Herz-OP, wo beispielsweise der Brustraum geöffnet wird. Wenn alle Sicherheitsvoraussetzungen und Hygienevorschriften bei einer ästhetischen Operation eingehalten werden, sind Komplikationen selten, jedoch nie ganz ausgeschlossen. Um diese zu verhindern, ist auch die Überwachung nach der Operation wichtig, und für den Ausnahmefall muss es einen Notfallplan geben, wie es in Kliniken in Wien Vorschrift ist.

Kann das jedem Arzt passieren?

Um Plastischer Chirurg zu werden, bedarf es einer intensiven Ausbildung nach dem Medizinstudium, zudem herrschen in Österreich sehr strenge Gesetze, was die Patientensicherheit angeht. Daher sind die Rahmenbedingungen bei uns schon gut abgesteckt.

Welche Risiken, Nebenwirkungen bergen Eingriffe, wie Brustvergrößerung, -verkleinerung, Operationen am Po, Fettabsaugung und dergleichen?

Am Beispiel von einer Brustoperation, die zu meiner täglichen Routine gehört, handelt es sich um einen Oberflächeneingriff. Wenn die Operation in einem sterilen OP, unter optimalen Operationsbedingungen, von einem erfahrenen Operateur durchgeführt wird, ist die Komplikationsrate bei dieser Operation sehr gering. Mögliche Komplikationen nach der Operation wie beispielsweise Blutergüsse, Schmerzen oder in seltenen Fällen Infektionen können dabei vorkommen, wie bei jedem operativen Eingriff. Vor einer OP müssen Patientinnen eingehend im Gespräch über die möglichen Risiken aufgeklärt werden. Und vor der Operation direkt, muss es einen positiven Befund zur OP-Freigabe geben. Als besonderes Sicherheits-Service biete ich meinen Patientinnen nach der OP eine 24-stündige Erreichbarkeit an.

Gibt es Risikopatienten?

Vor einer Schönheitsoperation wird jeder Patient genau untersucht und es sind entsprechende Befunde nötig. Vor der Operation untersucht noch einmal der behandelnde Narkosearzt für eine OP-Freigabe, sodass Zwischenfälle extrem selten sind.

Ist es schon einmal vorgekommen, dass Sie bei einer Operation ablehnen mussten?

Ja, wobei die Gründe eher nicht gesundheitlicher Natur sind, bedingt durch etwaige Vorerkrankungen, sondern weil eine Operation nicht oder nur sehr gering zum Erfolg führen würde. Mein Ziel ist es nicht, so viele Patienten zu operieren wie möglich, sondern ehrlich und realistisch zu sein, um immer die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

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(Christine Scharfetter)

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