Wie viele Leute steckst du beim Corona-Game an?

Bei "Dichtestress" spielt man eine infizierte Person.
Bei "Dichtestress" spielt man eine infizierte Person.Screenshot Dichtestress / 20min
Schweizer Forscher haben ein Corona-Spiel entwickelt. Darin muss man versuchen, so wenig Passanten wie möglich mit dem Virus anzustecken.

Im Spiel "Dichtestress" zieht man als infizierte Person durch mehrere verschiedene Städte und Epochen der Geschichte. Ziel ist es, so wenig andere Personen wie möglich anzustecken. Dabei gehen die Macher von den in der Corona-Pandemie vorgeschriebenen 1,5 Metern aus. Die Idee dazu hatte der 46-jährige Andri Gerber. Er ist Dozent am Institut für Urban Landscapes an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Dabei thematisiert das Spiel nicht nur das Social Distancing, sondern zeigt auch die Zusammenhänge zwischen Städtebau, Seuchen und Pandemien.

"Das ist großartig"

Es gibt sechs verschiedene Levels aus über 500 Jahren Architekturgeschichte. Dabei ist das Niederdorfquartier in Zürich, das Modell der Idealstadt des Architekten Francesco Di Giorgio Martini von 1490, aber auch die im Jahr 1995 abgerissene Walled City in Kowloon in Hongkong. 1987 lebten dort 33.000 Einwohner auf 27.000 Quadratmetern. Das ist ungefähr die Hälfte der Fläche des Zürcher Letzigrundstadion-Areals. Im Spiel wird dieses Level von den meisten Spielern als öffentlicher Raum mit der höchsten Dichte wahrgenommen.

Realisiert wurde das Spiel von fünf Architekturstudenten und einem Gamedesigner der ZHDK. Man habe sich sehr bewusst für dieses Medium entschieden, sagt Gerber. "Ich habe bisher 13 oder 14 Bücher verfasst, die nur meine Kollegen gelesen haben – wenn überhaupt." Mit dem Game könne man plötzlich auch Menschen ausserhalb der Disziplin erreichen und zeigen, wie wichtig gute Stadträume sind. Gerber: "Das ist großartig."

Zusammenhänge zwischen Städtebau und Pandemien

Die Macher haben eine klare Botschaft. "Wir wollen zeigen dass die wahrgenommene Dichte nicht nur eine Frage von Zahlen und von Menschen ist", sagt der Experte. Vielmehr hänge die Dichte auch von der Qualität der Stadträume ab. "Nachdem wir uns jetzt Jahrzehnte in Richtung verdichtete Stadt entwickelt haben, was aus der Nachhaltigkeitsperspektive absolut sinnvoll ist, dürfen wir wegen Corona nicht wieder alles über Bord werfen und uns wieder ins Einfamilienhaus zurückziehen. Es geht darum, uns anzupassen", sagt Gerber.

Das Game "Dichtestress" (funktioniert nicht auf Smartphones) kann man hierkostenlos spielen. Andri Gerber wird an den Schweizer Digitaltagen am 2. November ab 19 Uhr das Spiel präsentieren. Am Event kann man via Livestream teilnehmen.

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