Der Secondhand-Markt boomt weltweit, doch ein Großteil der Ware erreicht nie den Online-Handel. Laut aktuellen Zahlen schaffen es rund 93 Prozent der gebrauchten Einzelstücke nicht ins Netz – ein Problem, das vor allem an aufwendigen Prozessen wie Fotografieren, Beschreiben und Bepreisen liegt.
Genau hier setzt das Wiener Technologie-Startup "Minimist" an: Das Unternehmen hat sich ein Investment in Höhe von einer Million Euro gesichert, um seine KI-gestützten Lösungen weiter auszubauen. Ziel ist es, Secondhand-Händlern den digitalen Verkauf zu erleichtern.
Kernstück ist eine sogenannte "Listing-Engine". Sie ermöglicht es, aus einem einfachen Produktfoto in weniger als 30 Sekunden ein fertiges Online-Inserat zu erstellen – inklusive Veröffentlichung auf Plattformen wie eBay, Facebook Marketplace oder Shopify.
Der Bedarf ist groß: Allein in Deutschland und Österreich existieren tausende Secondhand-Shops und Sozialkaufhäuser, deren Reichweite oft lokal begrenzt bleibt. Der Aufwand für den Online-Verkauf ist zu hoch – viele Produkte bleiben deshalb in Lagern liegen.
"Wir geben Secondhand-Händlern die gleichen digitalen Werkzeuge an die Hand, über die Fast-Fashion-Riesen bereits seit Jahrzehnten verfügen", so "Minimist"-CEO Stephan Hofmann. "Unser Ziel ist es, diesen Läden dabei zu helfen, zehntausende neue Kunden zu erreichen. So stellen wir sicher, dass jeder Artikel den maximalen Erlös für den guten Zweck oder das Unternehmen erzielt."
Neben der Automatisierung von Verkaufsprozessen arbeitet das Unternehmen auch an weiteren Lösungen. Ein großes Problem im Online-Secondhand-Handel sind Retouren – oft wegen unklarer Größenangaben. Hier soll KI künftig Maße automatisch erkennen und so für mehr Genauigkeit sorgen.
Zusätzlich setzt "Minimist" auf "Virtual Try-on"-Technologie: Kleidung kann digital an Models dargestellt werden, um die Präsentation zu verbessern und das Image von Secondhand aufzuwerten.
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom Impact-Fonds Tilia Impact Ventures, unterstützt unter anderem von InvestEU sowie der Wirtschaftsagentur Wien. "Wir haben investiert, weil Minimist einen echten Engpass im Wiederverkauf adressiert: die Umwandlung großer Mengen an gebrauchten Einzelstücken in verkaufsfähiges Online-Inventar", sagt Andrew Gray, General Partner bei Tilia VC.
"Indem Minimist diese Reibungsverluste durch KI beseitigt, trägt das Unternehmen dazu bei, die Lebensdauer von Kleidung zu verlängern und den Abfall in einem Sektor zu reduzieren, der jährlich über 100 Milliarden Artikel produziert."