Heizen wird teurer: Diese Erfahrung mussten schon viele Wiener machen. Bestätigt wird das von der Austrian Energy Agency (Stand November 2021). Die Preise für Treibstoffe und Heizöl zogen weiter an, aber auch die Preise für Gas und Holzpellets sind gestiegen. In Summe führte das zu einem Anstieg des Energiepreisindex im Monatsvergleich um 2,7 Prozent. Lediglich die Haushaltspreise für Fernwärme blieben im November gegenüber dem Vormonat noch unverändert.
In der Wohnung von Herrn Martin ist von diesen unveränderten Fernwärme-Preisen heute nichts mehr zu spüren. Die neue Vorschreibung für seine Genossenschaftswohnung im 22. Bezirk, am Wiener Stadtrand, schockierte den 42-jährigen. Anstatt wie bisher 26,40 Euro monatlich soll er im neuen Jahr 39,80 Euro für seine 56 Quadratmeter große Wohnung zahlen. "Ich bin wirklich sparsam", erzählt, der 42-jährige im Gespräch mit "Heute". "Ich heize 365 Tage im Jahr gar nicht. Alles, was ich bezahle, ist die Grundgebühr. Das ist ein Wahnsinn." Ein Messtechniker, der ihm einen Besuch abstattete, soll vom Preis ebenso schockiert gewesen sein. "Er meinte, er habe so etwas noch nie gesehen".
Auch seine Schwester sei von der Erhöhung betroffen, erzählt Herr Martin weiter. "Bei ihr sind es 20 Euro mehr im Monat." Er ist sich sicher: "In Zukunft wird es jeden treffen, es wird eine große Welle kommen und dazu harte Winter. Ich höre das schon von allen Seiten. Auf Dauer wird das nicht gut gehen." Die jetzigen Kosten betreffen nur die monatliche Vorschreibung, eine Jahresabrechnung ist bisher noch nicht eingetroffen. Auch auf den Strompreis ist Herr Martin schon "gespannt".
Weiters berichtet der 42-jährige von einer Bekannten, der über Weihnachten die Fernwärme abgedreht wurde. "Früher wäre das nicht möglich gewesen. Da gab's Weihnachts-Amnestie", so Herr Martin. Wien Energie dementiert: "Die Abschaltungen sind auch dieses Mal zu Weihnachten ausgesetzt worden – darüber hinaus hat sich die gesamte Branche entschieden, aufgrund der aktuell angespannten Lage generell bis Ende Jänner keine Abschaltungen durchzuführen", heißt es von dort.
"Fakt ist, dass die Energiepreise in allen Segmenten und weltweit massiv steigen. Je nach Vertrag sind bei der nächsten Jahresabrechnung deshalb leider auch bei der Wärme Mehrkosten zu erwarten", erklärt eine Sprecherin. "Damit Nachzahlungen als hohe Einmalbeträge möglichst vermieden werden, haben wir bei betroffenen KundInnen bereits die Vorauszahlungen vorsorglich angehoben. So können Mehrkosten besser auf das Jahr verteilt werden." Die Höhe der Anpassung liege im Schnitt bei 40 Prozent.
Prinzipiell versuche man bei Wien Energie, die Kunden in schwierigen Situationen zu unterstützen, heißt es weiter. Bei Zahlungsschwierigkeiten seien jederzeit kulante Zahlungsvereinbarungen wie Ratenzahlungen oder Stundungen über das Wien Energie-Kundenservice möglich. Auch Beratungen zu Einsparungsmöglichkeiten werden angeboten.
Für soziale Härtefälle hat Wien Energie seit zehn Jahren eine eigene Ombudsstelle. Diese unterstützt Menschen, die von Energiearmut betroffen sind.
Mehr Information dazu erhalten Sie auf der Website von Wien Energie.
Auch die Stadt Wien reagierte bereits auf die drohende Steigerung. Mit einem Hilfspaket will man Haushaushalten unter die Arme greifen. Dieses soll bereits in den kommenden Wochen umgesetzt werden.