Zwei von drei Frauen erleiden negative Reaktionen, wenn sie in der Öffentlichkeit ihr Baby stillen; jeder Dritten ist das Stillen im öffentlichen Raum unangenehm, wie eine aktuelle Studie zeigt.
"Wenn mein Baby Hunger hat, dann stille ich es. Es versteht nicht, warum es warten soll – und ich auch nicht", stellt die Wienerin Lisa (32) klar. "Es ist das Natürlichste auf der Welt", so die Mutter eines mittlerweile zweijährigen Buben.
Diese Einstellung brachte die Ottakringerin mehrfach in unangenehme Situationen. Einmal sogar beim Restaurant-Besuch im Anschluss an eine Taufe: "Wir waren in einem noblen Lokal in der Josefstadt. Als ich Moritz gestillt habe, wurde ich vom Kellner sehr bestimmt darauf hingewiesen, dass es eine Still-Ecke gebe. Als ich ablehnte aufzustehen, drehte er sich grantig um und ging", erinnert sich die Wienerin. "Freunde, Familie – alle saßen und aßen bei Tisch. Warum nicht auch mein Moritz?".
Das zweite Erlebnis, das Lisa in Erinnerung blieb: "Ich war auf einer Messe, setzte mich auf eine Stufe und gab Moritz die Brust. Eine ältere Dame hat sich furchtbar aufgeregt und meinte, ich soll das auf der Toilette machen."
Als junge Mutter sei man ohnehinin einer völlig neuen Situation, fühle sich unsicher und sehr verletzlich, so die Wienerin. "Man will das Beste fürs Baby, aber trotzdem am sozialen Leben teilhaben. Mütter sollen sich nicht verstecken müssen", sagt sie.
Das fordert auch die Aktion, die nun von der Hebamme Christina Ruthhofer und dem Ottakringer Unternehmen MAM ins Leben gerufen wurde. Beim "Still-In" am Montag um 15 Uhr will man sich am Wiener Heldenplatz die Kritiker zur Brust nehmen.