Was macht uns anfällig?

Wieso manche häufig krank sind und andere nie

Viren haben aktuell Hochzeit. Corona, Influenza und RSV-Viren grassieren und raffen uns darnieder. Manche öfter als andere – warum?

Heute Life
Wieso manche häufig krank sind und andere nie
Wer warum oft oder selten krank wird, lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, sondern ist eine komplexe Angelegenheit.
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Österreich wird derzeit von einer extremen Corona-Welle überrollt und die Infektionszahlen gehen nach wie vor steil nach oben. Wie die Virologin Monika Redlberger-Fritz gegenüber "Heute" erklärt, befindet sich Österreich derzeit in einer "massiven Corona-Welle". Grippeviren und das RSV-Virus vervollständigen den Reigen. Diese Mischung führt aktuell zu einer hohen Zahl an Krankenständen. Mehr als 100.000 sind wegen Erkältungen im Krankenstand. Du auch? 

Es gibt Menschen, die jedes Jahr mindestens eine Batzen Grippe oder einen grippalen Infekt ausfassen und jene, die höchstens ein bisschen Husten und Schnupfen bekommen. Woran liegt das? Zur falschen Zeit am falschen Ort? Sind's die Gene, eine falsche Ernährung oder gibt es andere Gründe, die man (nicht) aktiv beeinflussen kann? 

Alexandra Nieters vom Centrum für Chronische Immundefizienz des deutschen Uniklinikums Freiburg untersucht Ursachen für Infektanfälligkeit in der Bevölkerung. Sie verwaltet dabei eine Datenbank, die regelmäßig mit Daten zu Atemwegs- und andere Infekten angereichert wird. Die Studie läuft seit 2011 und verfolgt etwa 700 Probanden. Auf Basis dieser Daten versuchen Forscher zu ermitteln, wie Genetik und Lebensstil das Risiko für Infekte beeinflussen. Im Interview mit der "Zeit" erklärt sie, dass es keine genaue Zahl an Erkältungen pro Jahr gibt, die als "normales" Maß gelten. "Auch das Alter spielt eine Rolle. Bei Kindern unter zehn Jahren gelten bis zu acht Infekte pro Jahr als normal, bei Kleinkindern sogar bis zu elf. Jugendliche und Erwachsene sind im Durchschnitt weniger oft krank. Bei ihnen wären sechs oder sieben Infekte pro Jahr ein Hinweis für eine mögliche Infektanfälligkeit."

Schlaf, Ernährung, Stress

Nieters erläutert: "Menschen, die dauerhaft weniger als fünf bis sechs Stunden schlafen, berichten von mehr Infekten. Inzwischen unterstützen viele weitere Studien, darunter große genetische Untersuchungen, den Zusammenhang zwischen chronisch schlechtem Schlaf und vermehrten Infekten." Auch die Quantität spielt eine Rolle, sondern auch die Qualität des Schlafes. Negativer Stress ist ein Faktor, der bei fast allen Erkrankungen eine Rolle spielt. Je höher das Stresslevel, desto gefährdeter ist man, einen Infekt aufzuschnappen. "Die Nahrung hat einen großen Einfluss auf unser Immunsystem", so Nieters. Je variantenreicher man sich ernährt, desto diverser ist unser Mikrobiom im Darm – eine wichtige Säule des Immunsystems. Wer sich allerdings schlecht bzw. einseitig ernährt, hat in der Regel ein höheres Gewicht und damit einhergehend ein höheres Infektrisiko. Besonders Adipositas spielt eine Rolle, also krankhaftes Übergewicht. 
Zu wenig Schlaf bzw. schlechte Schlafqualität, Stress und Übergewicht versetzen den Körper in ein Ungleichgewicht und fördern die Produktion von Entzündungsprozessen, ohne dass wir es merken. Das erhöht die Infektanfälligkeit.

Das starke Geschlecht

Anscheinend gibt es auch einen Geschlechterunterschied, was die Immunkräfte anbelangt. So scheinen Frauen, laut Nieters, ein stärkeres Immunsystem zu haben. "Es gibt starke Hinweise darauf, dass das weibliche Immunsystem Krankheitserreger schneller erkennt und bekämpft. Eine Rolle dabei spielen die Geschlechtshormone. Der höhere Östrogenspiegel bei Frauen trägt wahrscheinlich dazu bei, die Immunantwort zu verstärken, während Testosteron eher eine unterdrückende Wirkung hat."

Die Rolle der Gene

Auch das Erbgut spielt eine Rolle. Einige Gene, die mit der Immunreaktion in Verbindung stehen, werden bei Frauen anders reguliert. Zu welchem Anteil die Gene eine Rolle bei der Erkrankungswahrscheinlichkeit spielen, ist noch nicht bekannt. Jedoch kommen Zwillingsstudien zu dem Ergebnis, dass Unterschiede im Immunsystem vor allem durch Umweltfaktoren zustande kommen. "Das würde bedeuten, dass verhältnismäßig wenig vererbt wird. Letztendlich bestimmt aber das lebenslange Zusammenspiel von Genen und Umweltfaktoren das persönliche Risiko", resümiert die Wissenschaftlerin. 

Lässt sich die Infektanfälligkeit im Labor feststellen?

Neigt man zu Infekten, gibt es trotzdem gewisse Möglichkeiten, einer Erkrankung vorzubeugen. Nieters rät zum Beispiel dazu, sich möglichst wenig Keimen auszusetzen. Also bestimmte Orte zu meiden, wo mit einer vermehrten Viren- bzw. Keimbelastung zu rechnen ist (Spitäler, Altersheime, Kindergärten,...). Einen bestimmten Wert, der die Infektanfälligkeit verrät, gibt es leider nicht. Wer sich jedoch Sorgen macht, weil er sehr oft Infekte hat, kann im Zweifel ein großes Blutbild bei seiner Hausärztin machen lassen. "So kann man zumindest prüfen, ob die Werte für die verschiedenen Immunzellen im Rahmen sind."

red
Akt.