Coronavirus

"Wir brauchen 16 Milliarden Dosen Impfstoff"

Der heimische Virologe Florian Krammer lebt und arbeitet in New York. Er schilderte am Dienstagabend die fatale Coronavirus-Situation in den USA.

Rene Findenig
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Virologe Florian Klammer lebt und arbeitet in New York. In der ZiB 2 nahm er Stellung.
Virologe Florian Klammer lebt und arbeitet in New York. In der ZiB 2 nahm er Stellung.
Screenshot ORF

135.000 Personen sind in den USA an den Folgen oder am Coronavirus gestorben, über 3,4 Millionen Menschen sind oder waren infiziert. Die Coronazahlen brechen derzeit einen Negativrekord nach dem anderen. Präsident Donald Trump forciert ungeachtet dessen aber die weitere Öffnung des Landes und das Zurückfahren der Corona-Maßnahmen. In New York arbeitet seit rund zehn Jahren der Virologe Florian Krammer. Was er über die Situation zu sagen hat, ist erschreckend.

"Die Situation ist leider sehr bedenklich, es kommt zu einer dramatischen Zunahme an Fällen", so Krammer in der ORF-"ZiB2" bei Armin Wolf. Jetzt kome es auch zu einer starken Zunahme der Todeszahlen. "Die Situation ist natürlich nicht unter Kontrolle", so der Virologe. Einer der Gründe, warum man die Situation in den Vereinigten Staaten nicht in den Griff bekomme sei, dass man die Lösung sehr dezentral angehe.

"Die Situation ist natürlich nicht unter Kontrolle"

Die US-Bundesstaaten würden im Kampf gegen das Virus seht unterschiedlich reagieren. Einige hätten schnell reagiert und Lockdowns verhängt, andere seien nachgehinkt. Ein "zentralisierter Ansatz" von Präsident Donald Trump wäre wünschenswert gewesen, so Krammer, denn nun würden etwa Personen aus anderen Staaten das Virus in jene Städte wie New York einschleppen, wo die Situation eigentlich besser geworden sei.

Die Anzahl der positiven Tests, der Personen in Spitälern und auch der Todesfälle würden steigen, weswegen der Virologe andeutet, dass er Trumps Argument, dass es nur mehr Fälle geben würde, weil mehr gestetet würde, nicht nachvollziehen könne. Die einzige Maßnahme, die man treffen könne, seien weiter regionale Lockdowns. Er hätte sich gewünscht, dass die Bundesstaaten ein einheitliches Programm bekommen hätten, wie zu reagieren sei.

"Wir brauchen 16 Milliarden Dosen Impfstoff"

Bei den Coronavirus-Impfstoffen ist der Virologe optimistisch, viele Stoffe seien bereits in Testphase 2 übergegangen und es gebe vielversprechende Daten über die Wirkung am Menschen. Ein Problem sei aber die Herstellung großer Mengen – und die Verteilung. "Wir brauchen 16 Milliarden Dosen Impfstoff", sagte der Virologe Klammer, denn eine Impfdosis pro Person werde nicht ausreichen.

Die Frage sei zudem, wer den Impfstoff ín welchen Ländern zuerst bekommen würde und wie er dort verteilt würde – etwa zuerst an die Gefährdeten wie kranke und alte Menschen. Vergleiche man den Kampf gegen das Coronavirus mit einem Marathon, sei man noch nicht einmal bei der Hälfte der Strecke. Es dauere, bis man einen Impfstoff habe und bis dieser dann auch verteilt werde.