335 ÖVP-Kandidaten rittern um den Einzug ins niederösterreichische Landesparlament. Eine beachtliche Zahl, dementsprechend umkämpft sind die Vorzugsstimmen in den einzelnen Wahlkreisen.
Und während die einen ganz seriös ihre Folder, in denen sie ihre Themen vorstellen, per Post versenden und mit prominenten Unterstützern oder Kipferln im Morgenverkehr aufwarten, tanzen die anderen etwas mehr aus der Reihe.
Einer davon ist Bernhard Heinreichsberger (33) aus Michelhausen im Bezirk Tulln. Seit 2016 ist er Landesobmann der Jungen ÖVP, seit 2018 (sprich seit der letzten Landtagswahl) sitzt er auch als Abgeordneter im Landtag. Zudem ist er Gemeinderat für EU und Jugend.
Mit einem außergewöhnlichen Wahlkampf-Goodie – außergewöhnlich auch, weil er für die konservative ÖVP kandidiert – macht er jetzt auf sich aufmerksam: Nämlich mit Kondomen!
Und das gleich im Zweierpack: Eines in blau, eines in gelb – ganz im Sinne des Wahlkampf-Slogans "I love NÖ". "Wir geben Gummi", heißt es auf der Verpackung.
Eine, die den wohl lustig gemeinten Gag gar nicht leiwand fand, ist Bezirks-Polizeichefin Sonja Fiegl, die sich seit Jahren für Frauenrechte, vor allem im männerdominierten Berufsfeld der Exekutive, stark macht. Denn auch ihre Tochter und deren Freundinnen erhielten das kontroverse "Wahlgeschenk", wie sie schildert.
Auf Facebook schreibt sie in einem öffentlichen Posting, das sie (wie zuvor angekündigt) bereits wieder gelöscht hat (ein Screenshot des Beitrags liegt "Heute" vor, Anm.): "Als Mutter empfinde ich diese Aktion einfach nur geschmacklos und by the way meine Mädchen sehen das auch so. In blau und gelb I love NÖ. Aktion "Wir geben Gummi" – Wir antworten euch und sagen Danke, das inspiriert die Weiblichkeit sehr, wenn ihr mit den Mädchen Gummi geben wollt. Auch ein Weg junge Menschen einzuladen. Lass es uns offen sagen: Es fehlt an Witz, good Vibes und Spürsinn."
Wie "Heute" erfuhr, soll es nicht nur bei dieser einen (öffentlichen) Beschwerde geblieben sein. Zahlreiche Menschen sollen ihren Unmut auch schon gegenüber der Partei kundgetan haben.