"Wir waren völlig verloren!" ÖFB-Team fehlt der Plan

Stefan Ilsanker, Martin Hinteregger, David Alaba und Marko Arnautovic.
Stefan Ilsanker, Martin Hinteregger, David Alaba und Marko Arnautovic.ORF TVThek
Ratlosigkeit nach der zweiten Quali-Pleite in Folge. Die ÖFB-Stars vermissten die Lösungen auf dem Platz, kritisierten das Flankenspiel. 

0:1! Drei Tage nach der 2:5-Blamage gegen Israel verlor Österreich am Dienstagabend auch gegen biedere Schotten. Die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft ist nicht mehr möglich. Im Ernst-Happel-Stadion gab es Pfiffe von den rund 18.000 Fans, auch erste "Foda raus"-Rufe gegen den Teamchef.

Arnautovic: "Keine Lösungen"

Stürmer-Star Marko Arnautovic sprach nach dem Abpfiff Klartext: "Wir waren einfach verloren, hatten keine Lösungen, keinen Ausweg, dann geht auch nichts." Selten zuvor hat man den 32-Jährigen derart niedergeschlagen und ratlos gesehen. Im ORF-Interview suchte der Bologna-Legionär nach Erklärungen für die zweite Niederlage in Folge.

Arnautovic weiter: "Es ist schon hart, wenn man am Platz steht und man ist verloren, man kann nicht mehr, man findet keinen Weg, ein Tor zu machen. Schade!" Lösungen zu finden, den Spielern einen Plan mit auf den Rasen zu geben, wäre eigentlich die Aufgabe eines Teamchefs. Franco Foda wollte Arnautovic aber nicht kritisieren, zumindest nicht direkt: "Wer am Platz steht, muss schauen, das Spiel zu gewinnen. Als ganze Mannschaft. Da gibt es keine Bank oder die erste Elf, oder... nein! Ich werde auch keinen kritisieren. Ich habe natürlich auch nicht meine Leistung gebracht, das ist klar."

 Arnautovic diskutiert nach 0:1-Pleite mit ÖFB-Fans

Wie der Leistungsabfall nach der ansprechenden EM-Endrunde zu erklären sei? "Ich weiß nicht, mit was das alles zu tun hat. Es kann wegen der Reisen sein, es kann das Drumherum sein, es können die drei Spiele in zehn Tagen sein. Aber das können wir alles nicht sagen, darüber können wir uns nicht beschweren, weil die andere Mannschaft das gleiche wie wir gemacht hat und die haben auch alles geben können."

Arnautovic zeigte Verständnis für die unzufriedenen Fans, mit denen er direkt nach dem Spiel diskutierte: "Darum tut es auch umso mehr weh, darum tut es den Leuten, die herkommen genauso weh. Die haben eine Mannschaft auf höchstem Niveau bei der EURO gesehen, die das Level in den letzten drei Spielen nicht erreicht hat."

Hinteregger kritisiert Matchplan

Auffallend: Mit seiner Ratlosigkeit war Arnautovic nicht allein. Auch Martin Hinteregger, Stefan Ilsanker und Kapitän David Alaba schlugen in dieselbe Kerbe.

Hinteregger kritisierte den Matchplan des ÖFB-Teams, damit auch Foda indirekt: "Wir haben ihnen in die Karten gespielt, sind viel über außen gekommen. Aber da stehen drei Büffel hinten drinnen. Nur mit Flanken, das war nicht richtig. Wir hätten es mehr durch die Mitte ausspielen müssen. Der Marko will den Ball am Fuß haben, lebt nicht von den Flanken", so Hinteregger vielsagend. "Wir haben es wieder nicht geschafft, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Wir hätten im zweiten Durchgang andere Ansätze finden müssen", schloss der Frankfurt-Legionär.

Hinteregger hatte schon nach dem 2:0-Sieg gegen Moldawien aufhorchen lassen, als er, angesprochen auf den Matchplan, antwortete: "Welcher Plan?"

Ilsanker versteht Wechsel nicht

Ilsanker war im Duell gegen die Schotten als robuster Mittelfeldspieler im ersten Durchgang solide gewesen, hatte in der 56. Minute allerdings wieder das Feld verlassen müssen. Mit Michael Gregoritsch kam eine zweite Sturmspitze. Das hatte der Frankfurt-Legionär allerdings nicht nachvollziehen können.

Schon bei der Auswechslung stand dem Abräumer der Frust ins Gesicht geschrieben. Im "ORF"-Interview nach dem Spiel war es nicht anders. "Ich habe mich gut gefühlt, wollte der Mannschaft helfen. Die Frage nach der Auswechslung ist eine unangenehme Frage. Ich sage lieber nichts dazu", konnte sich Ilsanker einen Seitenhieb Richtung Foda nicht verkneifen.

Ilsanker über die Pfiffe der Fans: "Ich möchte mich einfach bei den Fans entschuldigen, die weiter zu uns halten, uns den Rücken stärken. Wir wollten unbedingt gewinnen, leider ist uns das nicht gelungen."

Alaba: "Verstehe Unruhe"

Bedenklich war auch die Analyse des Kapitäns. Auch Real-Madrid-Star Alaba sprach von fehlenden Lösungen und zu vielen Flanken: "Uns aber Lustlosigkeit oder Arbeitsverweigerung vorzuwerfen, verstehe ich nicht so. Wir haben gut begonnen, aber nicht die richtige Lösung gefunden. Der letzte Pass hat einfach nur gefehlt. Wir hatten sehr viele Flanken, sind aber nicht richtig zum Abschluss gekommen. Bei zwei Niederlagen in drei Spielen verstehe ich die Unruhe."

Die Spieler-Interviews vermittelten das Bild einer zutiefst verunsicherten Mannschaft. Ein Team ohne Plan. Und das gegen Nationen wie Israel und Schottland, die man eigentlich gut kennen sollte. Das warf kein gutes Licht auf Teamchef Foda. Der wiederum verteidigte sich, klammert sich an seinen Job.

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