Experte verrät, wie schlimm Lockdown Unternehmen trifft

Martin Kocher ist der Leiter des Institut für Höhere Studien in Wien
Martin Kocher ist der Leiter des Institut für Höhere Studien in Wienpicturedesk.com/Alex Halada
Ein neuer Lockdown bedroht die Existenz der heimischen Unternehmen. Im ORF erklärt IHS-Leiter Martin Kocher, was die Politik jetzt tun muss.

Am Vorabend der im gesamten Land mit Spannung erwarteten Pressekonferenz der Bundesregierung samt Ankündigung eines neuen Lockdowns für Österreich, bat ORF-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher den Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher, zu sich ins "ZiB2"-Studio. Der Experte analysierte mit kritischem Blick die bereits im Vorfeld durchgesickerte Lockdown-Verordnung – das Dokument liegt "Heute" vor – und dessen möglichen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft.

"Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten" – dieser klagende Satz hatte sich über den Sommer vielen Unternehmern und Österreichern eingebrannt. Doch ist das wirklich so? "Es wird schwierig für die Wirtschaft, weil wir den Schwung, den wir erwartet hatten, nicht ins nächste Jahr mitnehmen können", so Kocher. Die Unternehmen werden durch den zweiten Lockdown also neuerlich ausgebremst.

"Viel Neues brauchen wir nicht"

Aber, so argumentiert der Experte: "Auch unter hohen Infektionszahlen leidet die Wirtschaft. Es ist eine Lose-Lose-Situation. Wir müssen etwas tun." Entscheidend seien die sich ins nächste Jahr verschleppenden Auswirkungen der aktuellen Lage.

"Besonders für die Branchen, die bereits beim ersten Lockdown stärker betroffen waren, ist das wirklich schwierig", erklärt der IHS-Leiter weiter. Es sei wichtig, dass die bereits geschaffenen Maßnahmen wie Fixkostenzuschuss und Kurzarbeit nun wieder schnell und unbürokratisch den Betriebe zur Verfügung stehen. Das würde ausreichen. "Viel Neues brauchen wir nicht, auch nicht an zusätzlichen Mitteln", so Kocher. Nachsatz: Allerdings nur, wenn der Lockdown nicht länger dauert als vorausgesagt.

Bald 100.000 Arbeitslose mehr

Derzeit sind 400.000 Österreicher arbeitslos. Bald könnte es eine halbe Million sein. Saisonal bedingt, rechnen Forscher mit etwa 500.000 Arbeitslosen. "Das ist schlimm für die Betroffenen", konstatiert Kocher. "Wirklich schlimm ist aber erst, wenn sich das verfestigt." Hier müsse die Politik unterstützend eingreifen. 

"Jetzt Betriebe in den Konkurs und Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken wäre schlimmer, als jetzt Schulden zu machen", so der Experte hinsichtlich staatlicher Unterstützung. "Es gibt aus meiner Sicht keine gute Alternative."

Wird sich Wirtschaft auch dieses Mal relativ schnell wieder erholen? Positiv sei, dass Österreich nun besser auf die Folgen vorbereit sei. Während des Lockdowns werde zudem mehr angespart, danach steige wieder die Konsumfreudigkeit der Bevölkerung. Das helfe der Wirtschaft womöglich wieder auf die Beine. 

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