Wölfe – der Tod für die heimische Almwirtschaft?

Den österreichischen Almwiesen geht es nicht gut. Schuld daran ist und war allerdings nicht der Wolf, so Kurt Kotrschal. Ganz im Gegenteil.

(Wöchentliche Kolumne von Kurt Kotrschal– Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

Der Wolf bricht nicht in eine heile Bergwelt ein und nicht alle Almbauern sind ökologische Landschaftspfleger.

Sind Wölfe der Tod der Almwirtschaft?

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Bereits von der frühen Steinzeit an, vor 6300 Jahren bis ins Mittelalter, wurden Wälder in den Alpen an der Baumgrenze gerodet, um damit mehr Weidefläche zu bekommen. Wölfe gab es bis 1850 überall in den Alpen. Die Almwirtschaft entwickelte sich also über Jahrtausende in Anwesenheit von Wölfen. Jetzt kommen sie wieder in ihren ureigenen Lebensraum zurück.

Den Almwiesen geht es nicht gut – auch ohne Wolf

Heute gibt es viel Widerstand gegen die Wölfe. Man droht mit Aufgeben der Almwirtschaft und dass damit auch der ökologische Nutzen einer hohen Artenvielfalt auf den Almen wegfällt. Zu Recht?



Ökologisch wertvoll sind etwa die bunten Borstgrasrasen der Almen. Ihr Erhaltungszustand ist aber nur in Frankreich günstig, in Österreich, Deutschland und Slowenien unzureichend und in Italien sogar schlecht. Daran ist aber nicht der Wolf schuld. Oft werden zu viele Tiere aufgetrieben, was zu Überweidung führt.

Immer mehr an verspritzter Gülle tötet die wertvolle Fauna und Flora der Almwiesen.

Sie verarmen genetisch und werden durch Über- bzw. Unternutzung geschädigt. Um das Verbuschen der Almwiesen zu verhindern, werden sie „geschwendet, die Alpenrosen, Wacholdersträucher, etc. mit schweren Maschinen gehäckselt. Das vernichtet nicht nur die Zwergsträucher, sondern vernichtet auch empfindlichen Böden, die in diesen Höhenlagen tausende Jahre brauchen, um zu entstehen.

Almen auch ohne Beweidung?

Tatsächlich sind keine der als bedroht gelisteten Pflanzen- und Tierarten der Almen an Weidewirtschaft gebunden. Die Befürchtung ist also unbegründet, diese Arten gingen durch die Aufgabe der Beweidung verloren. Alpine Matten können gar nicht bewalden, da sie oberhalb der Baumgrenze liegen. Verschwinden werden nur die Almen unter der Baumgrenze, wo Beweidung ökologisch sogar schädlich ist.

Darüber bildet alpines Grasland die charakteristische Vegetation. Gerade sie wird aber durch eine ungeregelte Beweidung geschädigt. Dagegen hilft nur eine gezielte Weideführung durch Hirten. Es geht also nicht nur um den Herdenschutz, der durch anwesende Wölfe nötig wird, Behirtung ist zum Schutz der Almen vor allem eine ökologische Notwendigkeit.

Rückkehr des Wolfes als Chance

Der Wolf bricht also nicht in eine heile Bergwelt ein und nicht alle Almbauern sind ökologische Landschaftspfleger. Die Rückkehr des Wolfes bietet die Chance, die Praxis der Almbeweidung ökologisch neu zu gestalten. So bedeutet eine gezielte Weideführung durch Hirten und Hunde zwar auch Schutz der Herden vor Wölfen, vor allem aber bedeutet sie den Schutz des Lebensraumes Alm.

Hinweis:

Der Text wurde überarbeitet nach „Salto" vom 24.3

+++ Der Wolfsblog von Kurt Kotrschal. Jede Woche neu, nur hier bei "HeuteTierisch" +++

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