Wien

"Wohnung verflucht" – Rätsel um getötete Wienerin (20)

In Floridsdorf kam am Sonntag eine Frau gewaltsam zu Tode. Nachbarn berichten von Partys und Dauerlärm, zwei Verdächtige belasten sich gegenseitig.  
20.06.2022, 17:43

Mit Hochdruck arbeiten Kripo, Spurensicherung und Gerichtsmedizin am mysteriösen Kriminalfall rund um eine junge Wienerin, die am Wochenende gewaltsam in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf zu Tode gekommen war.

"Wohnung ist verflucht"

Mehrere Nachbarn hörten in der Nacht auf Sonntag Schreie, was aber aufgrund der Vormieter nichts Besonderes war. "Ein Nachbar sagte, die Wohnung sei verflucht. Davor lebte ein Drogenpaar aus dem Raum Neunkirchen darin, zuvor wiederum eine kiffende Dame. Somit waren Lärm und Schreie in dieser Wohnung einfach normal, viele Bewohner dachten wohl eher an eine wilde, ausufernde Party“, erklärt Mieterbeiratsobmann Rudolf Giefing, der mit seiner Ehefrau seit dem Jahr 1985 im Bau in der Kantnergasse lebt.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Der eingefleischte Floridsdorfer selbst habe den 25-jährigen Mieter der Wohnung – er steht nun im Verdacht der Kripo – vor einem Jahr kennengelernt. "Er arbeitete in einem Baumarkt, stellte sich recht höflich bei mir vor und fragte, ob er einen Sessel vom Sperrmüll-Abholplatz haben dürfe. Ich erlaubte ihm, das Möbelteil zu nehmen", erinnert sich Giefing an die allererste Begegnung mit dem 25-Jährigen. Giefings Gattin verbessert ihren Ehemann jedoch: "Das ist länger als ein Jahr her", meinte die Ehefrau am Telefon, woraufhin Rudolf Giefing gesteht: "Sie schreibt alles auf, sie protokolliert, also wird die Angabe meiner Frau stimmen."

"Mir fielen seine stark erweiterten Pupillen auf" - Nachbar und Mieterbeiratsobmann Rudolf Giefing

Im Stiegenhaus oder im Umfeld der Wohnung habe Rudolf Giefing den jungen Mann ein paar Mal getroffen: "Was mir zuletzt markant auffiel, waren die stark erweiterten Pupillen des Mannes. Jeder, der halbwegs Ahnung hat, weiß, wie das zu deuten ist", berichtet der Mieterbeiratsobmann gegenüber "Heute". Die junge Frau sei einige Male beim 25-Jährigen gewesen. "Ob sie jetzt eine oder seine Freundin war, das getraue ich mir nicht zu sagen", so Giefing weiter.

Mit Wodka in der Sackgasse

Am Samstagabend jedenfalls wurden die 20-Jährige, der Mieter und der zweite Verdächtige, ein 30-Jähriger (für beide Männer gilt die Unschuldsvermutung) Mann, von mehreren Bewohnern feiernd mit einer Wodka-Flasche in der Nähe der Wohnung gesehen. "Da kugelte das Trio in einer Sackgasse herum", erzählt Rudolf Giefing. 

Nach einer durchzechten Nacht und vermutlich Drogenkonsum rührte sich die junge Wienerin Sonntagvormittag jedoch nicht mehr, der 25-Jährige rief panisch die Rettung, rannte barfuß ins Stiegenhaus und trat wahllos Scheiben ein. "Darum auch das ganze Blut im Treppenhaus", erklärt Giefing.

Sanis verarzteten Füße des 25-Jährigen

Die Sanitäter fanden den 25-Jährigen mit versehrten Füßen im blutverschmierten Stiegenhaus vor und verarzteten ihn, der 30-Jährige wurde von der Polizei im Keller geschnappt. Für die 20-Jährige kam indes jede Hilfe zu spät, sie starb laut Obduktion an stumpfer Gewalteinwirkung am Rücken, Bauch und Intimbereich.

Der 30-Jährige dürfte ohne feste Arbeit und Wohnsitz sein, dürfte ein Trinkkumpane des 25-Jährigen sein. "Es geht eher in Richtung verwahrlost und ein wenig minder bemittelt", erklärt ein Ermittler und ergänzt: "Das macht natürlich die Befragungen nicht einfacher, eher im Gegenteil." Denn die beiden beschuldigten Männer würden sich jetzt die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben. 

Es dürfte sich beim Floridsdorfer Fall um die 16. Bluttat an Frauen in diesem Jahr handeln. Hilfe gegen Gewaltunter der Telefonnummer: 0800 222 555.

Psycho-Hilfe für ganzen Bau

Das Blut der Toten würde jetzt genau auf Drogen und etwaige andere Substanzen untersucht werden. "Das dauert aber eine Zeit", erklärt ein Polizist weiter. Für die Bewohner der Kantnergasse ist das mutmaßliche Verbrechen ein Schock. "Ich werde im Rathaus vorschlagen, dass alle Mieter, die es benötigen, psychologische Hilfe bekommen", erklärt Mieterbeiratsobmann Giefing abschließend.

Weitere Storys