"Wolf of Sofia" – Bande zockt über 100 Mio. Euro ab

Cyberkriminelle sollen Anleger um Millionen Euro erleichtert haben. Die Schadenssumme könnte gar in Milliardenhöhe gehen.

Pro Markets Group, Alpha Financial Group, Geneva Capital oder Zurich Financial Group – mit solch dubiosen Plattformen sollen Cyberkriminelle ihren Opfern Millionen abgenommen haben. Die Scheinfirmen waren Teil der Masche eines ausgeklügelten Anlagebetrugs.

Nun muss sich ein 44-jähriger Mann dafür in München vor dem Gericht verantworten. Der Angeklagte war in Athen am Flughafen verhaftet und Ende 2020 nach Deutschland ausgeliefert worden. Der 44-Jährige soll im Konstrukt einer der Scheinfirmen die Rolle des Vice President Sales eingenommen haben. Dabei geht es laut Gericht in dem Fall um einen Schaden von mindestens 8,7 Millionen Euro.

Bis zu zehn Jahre Haft

Der 44-jährige Mann wird in München wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in mehr als 300 Fällen angeklagt. Für seinen Einsatz soll er 760.000 Euro erhalten haben. Der Prozess startet am 23. November. Am Landgericht München sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Das Urteil wird Mitte Januar erwartet.

Damit wäre er ein direkter Komplize zum sogenannten "Wolf of Sofia", dem bereits verurteilten Drahtzieher Gal B.*, der Betrugsmasche. Den Spitznamen erhielt er als Anlehnung an den Hollywood-Film "Wolf of Wall Street" und auch weil die Gruppe in der bulgarischen Hauptstadt Sofia Callcenter betrieb. Er soll Anlegerinnen und Anleger in ganz Europa um 100 Millionen Euro gebracht haben.

Schaden in Milliardenhöhe?

Die Cyberkriminellen versprachen Anlegern und Anlegerinnen extrem lukrative Investments, unter anderem mit Kryptowährungen, schreibt die Zentralstelle Cybercrime Bayern in einer Mitteilung. Nachdem ein Konto über die undurchsichtigen Plattformen eröffnet wurde, verlangten die Mitarbeitenden der Scheinfirmen die Einzahlung von immer mehr Geld. Dazu kamen Callcenter mit Hunderten Mitarbeitern zum Einsatz, die über entsprechende Fremdsprachenkenntnisse verfügten. Bosnien und Herzegowina, Serbien und Georgien sollen weitere Standorte für den Betrug gewesen sein. Das Geld floss über ein europaweites Geldwäschenetzwerk.

Wie genau die kriminellen Machenschaften funktionierten, zeigten jüngst die Veröffentlichungen rund um die sogenannten Pandora Papers. Nun laufen gleichzeitig Ermittlungen gegen über ein Dutzend ähnlicher Betrugsnetzwerke. Die Behörden gehen von Hunderttausenden Geschädigten aus. "Wenn man das addiert, kommen Beträge im Milliardenbereich zustande", sagt der Staatsanwalt Nino Goldbek von der Zentralstelle Cybercrime Bayern gegenüber Tagesschau.de.

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