Wolfenstein: Youngblood – Frisches Blut für Nazijäger

Anders, moderner, weniger allein: "Wolfenstein" überrascht mit seinem neuen Teil "Youngblood" und liefert gleichzeitig einen fulminanten Shooter ab.
Rund 20 Jahre nach "The New Colossus" ist in den 1980ern Nazijäger-Legende B.J. Blazkowicz verschwunden, Nazis haben weiter die Weltherrschaft für sich beansprucht und die Maschinen-Waffen des Regimes terrorisieren die Welt. "Youngblood" für PC, PlayStation 4, Nintendo Switch und Xbox One ist damit angerichtet und macht vieles anders als die bisherigen Wolfenstein-Games.

Eingeführt werden im Spin-off unter anderem neue Protagonisten, oder besser Protagonistinnen. Die Zwillinge Jessica und Sophia Blazkowicz müssen sich nicht nur in Paris auf die Suche nach ihrem vermissten Vater machen, sondern stolpern auch mitten in den Französischen Widerstand, der die Nazis aus dem Land jagen will. Man kann es schon erraten: Hier wird wieder geballert, bis die Munition alle ist.

"Wolfenstein: Youngblood" ist aber nicht nur der erste Serientitel mit weiblichen Hauptdarstellerinnen, sondern auch der erste, der zu zweit im Koop absolviert werden kann. Alternativ kann man aber auch klassisch als Singleplayer ballern. Und: "Youngblood" darf erstmals auch in Deutschland (in Österreich ist es schon länger erlaubt) mit Nazi-Symbolen erscheinen. Verbreiteter wird es hierzulande aber die Version mit adaptierten Hakenkreuzen und "Herr Heiler" statt "Herr Hitler" sein.

Shooter passt sich der Erfahrung an

Bevor ihr euch das Spiel zulegt ein Hinweis: Habt ihr vor, "Youngblood" online mit einem Freund zu spielen, bietet die Deluxe Edition des Spiels einen so genannten "Buddy Pass". Dieser ermöglicht es dem Freund, im Koop-Modus ins Spiel einzusteigen, ohne sich selbst das Game kaufen zu müssen. Zuckerl: Der Pass kann beliebig oft mit beliebig vielen Freunden geteilt, aber nur von einem gleichzeitig genutzt werden. Koop kann man online aber einfach auch mit vollkommen Fremden spielen.

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CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Den Koop von "Youngblood" macht besonders, dass sich das Spiel dem jeweiligen Level der Spieler anpasst. Hat man als Zocker seine Heldin bereits auf Level 10 hochgelevelt und steigt mit einem Neueinsteiger ohne Erfahrung in eine neue Koop-Session ein, pendelt sich der Schwierigkeitsgrad beim Durchschnitt von Level 5 ein. So soll der Shooter für Kenner und Neueinsteiger jeweils trotzdem eine Herausforderung bieten.

Gut durchdachte Koop-Mechaniken

Auch an anderen Stellen gefällt die Koop-Mechanik gut. So bleiben alle Errungenschaften und jeglicher Fortschritt nicht nur beim Gastgeber des Spiels, sondern auch beim Gastspieler erhalten. Das erspart Frust über möglicherweise verlorene Waffen und Items. Einziges verständliches Manko für den Gast: Der jeweilige Forschritt in einer Mission wird für ihn nicht gespeichert. Dass in "Youngblood" Koop auch wirklich Koop ist und nicht zwei Spieler jeweils Alleingänge hinlegen, ermöglicht die Lebensleisten-Mechanik.

Die beiden Shooter-Schwestern verfügen nämlich nur über ein gemeinsames Gesundheitssystem. Bedeutet: Leert sich eine Lebensleiste einer Spielfigur, geht sie zu Boden und muss von der anderen Spielfigur behandelt werden. Stirbt sie, hat man zwei Respawn-Versuche übrig. Sind alle "Leben" verbraucht, startet die Mission neu. Ohne Zusammenarbeit kommt man hier also nicht allzu weit. Im Test hat die Mechanik extrem gut gefallen, da sie wirklich zur Kooperation zwingt und das Spiel dynamischer gestaltet.

Im Einzelspieler hakt es noch

Wer in seinem Singleplayer-Element bleiben will, bekommt eine von der Künstlichen Intelligenz gesteuerte Blazkowicz-Schwester zur Seite gestellt. Die zeigt sich in den meisten Fällen auch tatsächlich intelligent, in wenigen Fällen ist aber noch etwas Feinschliff nötig. Zwar zeigt sie mit Gesten gut an, mit welchen Items wie Heilung wie sie gerade versorgen können, manchmal lässt sie uns aber auch einfach verletzt liegen, während sie das Paris der Spielwelt betrachtet. Spaß macht der KI-Koop trotzdem, kommt aber nicht an jenen mit einem menschlichen Mitspieler heran.

Wolfenstein: Youngblood
Wolfenstein: Youngblood


Im Charakter-Levelsystem von "Youngblood" gibt es wenig Überraschungen. Durch das Töten von Gegnern generiert man Erfahrungspunkte, die man in den drei Kategorien "Kraft", "Macht" und "Verstand" ausgeben und damit den eigenen Kampfanzug aufrüsten kann. Diese Upgrades sorgen dafür, dass wir unter anderem besser schleichen, zwei Waffen tragen, starke Feinde lautlos ausschalten oder mehr Munition mit sich schleppen kann. Je nach Level-Stufe steigen aber auch die Feinde auf, was die Herausforderung von Beginn bis Ende hoch hält. Erst spät im Spiel gibt es derart starke Skills, dass man gedankenlos durch die Nazimeute mähen kann. Fünf jederzeit wechselbare Schwierigkeitsgrade stehen zur Auswahl, der sagenumwobene "Mein Leben"-Grad mit Permadeath ist derzeit allerdings noch nicht zu finden.

Ein wirklicher Story-Tiefgang fehlt

So hoch der Spielspaß ist, so flach bleibt die Handlung. "Youngblood" legt anders als seine jüngsten Vorgänger wenig Wert auf die Story und so bleiben sowohl Charaktere als auch Handlung etwas auf der Strecke. Videosequenzen sind zwar vorhanden, die Stärke liegt aber eindeutig auf der überdrehten Action. Auch mit dem Leveldesign der Vorgänger kann "Youngblood" nicht ganz mithalten. Statt vieler abwechslungsreicher Gegenden kämpft man sich hier durch die Viertel von Paris und landet des öfteren in ähnlichen Militär- und Fabriks-Gebäuden. Dafür sind die begehbaren Viertel sehr offen gestaltet, was "Youngblood" zeitweise wie einen Open-World-Shooter wirken lässt. Und das bei grandioser Grafik.

Nie hat ein Wolfenstein-Titel dermaßen gut ausgesehen, wenn Körperteile über den Bildschirm fliegen und Explosionen den Himmel über Paris erleuchten. In den rund 30 Spielstunden kann man sich kaum satt sehen, bekommt dazu eine außergewöhnlich gute Vertonung und fette Soundeffekte sowie eine Steuerung, die präzise auf den Punkt gebracht wurde. An ein Einzelspieler-Erlebnis wie es zuletzt "The New Colossus" bot, reicht das neue "Wolfenstein" letztlich nicht heran. Dafür macht die Jagd auf Nazis zu zweit einfach noch mehr Spaß und lässt schnell die Story-Abzüge vergessen. Besonders, weil "Youngblood" bei den Gegnern auf Augenhöhe mit den Vorgängern ist. Von gepanzerten Mechs bis hin zu futuristischen Fußsoldaten lässt sich hier alles zerschießen, zersprengen und zersäbeln, was einem vor die Füße läuft. (rfi)

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