"Mein Freund Danzer würde im Grab rotieren"

Mit seinem "Braune Haufen"-Sager sorgte Austropop-Legende Wolfgang Ambros im ganzen Land für Aufregung. Jetzt spricht er über seine Beweggründe und die Reaktionen.
Mit seinem Interview in der "Süddeutschen Zeitung" Anfang August hat Austropop-Legende Wolfgang Ambros im ganzen Land für Furore gesorgt. Mit scharfen Worten attackierte er die türkis-blaue Bundesregierung, schimpfte die Freiheitlichen "braune Haufen" und bezeichnete ÖVP-Chef Sebastian Kurz als Schweigekanzler – "heute.at" berichtete.

Die FPÖ ließ sich das nicht lange gefallen, die Retourkutsche folgte prompt. Generalsekretär Christian Hafenecker bezog bei seinem Rundumschlag auch gleich noch Rainhard Fendrich mit ein. Die "abgehalfterten Musiker" würden sich in "Schimpftiraden" ergehen, so Hafenecker.

"Frenetischer Jubel"

Jetzt rechnet Ambros mit seinen Kritikern in einem Interview gegenüber "meinbezirk.at" ab und spricht über die Hintergründe seines Aufreger-Talks.

Sein deutsches Management hätte ihm wegen der geplanten der Herbst-Tour in Bayern nahegelegt, das Interview zu geben. Zwischen Soundcheck und Konzert habe er aber nur 45 Minuten Zeit gehabt, um die Fragen des "SZ"-Journalisten am Chiemsee zu beantworten. Widerwillig habe er sich aber darauf eingelassen, erzählt Ambros und scherzt: "Die Werbung für die Tour ist jetzt wohl da, aber anders als es sich das Management dachte und geplant hatte". Jedenfalls sei er schon bei zwei Konzerten nach dem Erscheinen des Interviews mit "frenetischen Jubel und Top-Kritiken" begegnet worden.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Fragestellung zielte auf Regierung ab

Wirklich glücklich darüber, dass sein Interview aber solche Wellen in der Politik geschlagen hat, scheint der Liedermacher aber nicht zu sein. Er verweist auf die Fragestellung des deutschen Journalisten. "Hätten die mich z. B. auch zum Zustand der SPÖ gefragt, hätte ich auch meine Meinung gesagt, und die wäre auch nicht positiv ausgefallen", so Ambros und fragt: "Wie kann man so eine bedeutende Bewegung so herunter wirtschaften, sie spalten und aus ihr einen verwahrlosten Haufen machen?" Wer daran Schuld habe, das wisse er nicht.

Auf seine Wahlheimat angesprochen, zeigt sich der gebürtige Wiener mit Hauptwohnsitz in Kitzbühel ebenso spitzzüngig: "Ich bin glücklich hier zu leben, und nicht in Wien in diesen Zeiten. Alle grüßen freundlich, ich habe nicht den Eindruck, dass jemand böse auf mich ist. Ich werde aber noch mit Leuten reden, die FPÖ wählen, und fragen, ob ich noch deren Freund bin."

"Danzer würde im Grab rotieren"

Der auf das Interview folgende Shitstorm tangiert den Künstler offenbar wenig: "Das war kein Shitstorm, für mich nur ein Shit-Lüfterl". Trotzdem erreichte der Hass den nach eigener Aussage "wenig Internet-affinen" nicht nur per e-Mail, sondern auch per Postkarte. "Verrecken sollst du elendig!", hieß es in einer der Hassbotschaften. Diese ist Ambros offenbar doch in Erinnerung geblieben: "Wenn die [Postkarte] mein Freund Schurli Danzer sehen könnte, würde er im Grab rotieren."

"Welche Meldungen dann noch von diesem FPÖ-Menschen [Generalsekretär Christian Hafenecker, Anm./siehe oben] kamen, spricht ja Bände", schießt Ambros retour: "Ich hab' von dem noch nie etwas gehört und auch sonst kannte den bisher niemand."

Doch es geht auch anders: Fans des Austropopers haben seinen größten Hit "Skifoan" aus dem Jahr 1976 durch eine Social-Media-Aktion wieder in die Charts katapultiert. "Den Menschen, der das gestartet hat, würde ich gerne kennenlernen", freut sich der mittlerweile 66-Jährige und spricht abschließend seinen Dank all jenen aus, "die mir Zuspruch gaben und sich solidarisch mit meinen Aussagen erklärten." (red)

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