Es war einer der emotionalsten Momente des WM-Spieltags. Schweden-Star Yasin Ayari brachte sein Team beim 5:1 gegen Tunesien früh in Führung, doch die Freude über den Treffer hielt sich sichtbar in Grenzen. Der Grund dafür liegt in der besonderen Geschichte des 22-Jährigen. Denn Ayari wäre beinahe selbst für Tunesien aufgelaufen.
Der tunesische Verband bemühte sich 2021 intensiv um den Mittelfeldspieler und wollte ihn sogar für die Weltmeisterschaft 2022 gewinnen. Ayari stand damals vor einer schwierigen Entscheidung – Schweden oder Tunesien. Obwohl seine familiären Wurzeln in Tunesien liegen, entschied sich der Brighton-Profi letztlich für sein Geburtsland Schweden. Eine wichtige Rolle spielte dabei sein Vater Azzouz.
"Mein Sohn wollte für Tunesien spielen, aber ich bat ihn stattdessen, für Schweden anzutreten, da es das Land ist, das ihn aufgenommen und gefördert hat. Es war seine Pflicht, etwas zurückzugeben", erklärte dieser zuletzt in einem Interview mit Aftonbladet.
Auch Ayari selbst machte seine Haltung klar: "Ich bin in Schweden geboren und fühle mich schwedisch, und Schweden ist das Land, das ich repräsentieren möchte." Umso spezieller war nun die WM-Partie gegen Tunesien. Ausgerechnet gegen jenes Land, für das er einst spielen wollte, erzielte Ayari bereits in der siebenten Minute das 1:0.
Nach seinem Traumtor unter die Latte feierten die schwedischen Teamkollegen ausgelassen. Ayari hingegen hob nur kurz die Hände und blieb auffallend zurückhaltend. Statt großer Emotionen zeigte er Respekt gegenüber dem Herkunftsland seiner Familie. Später kniete sich der Mittelfeldspieler auf den Rasen, küsste den Boden und sprach einige Worte – offenbar ein Gebet.