Wrabetz-Gegenkandidatin Totzauer im Interview

Lisa Totzauer, 50, verheiratet, zwei Kinder (14, 17). Magistra der Vergleichenden Literaturwissenschaft
Lisa Totzauer, 50, verheiratet, zwei Kinder (14, 17). Magistra der Vergleichenden LiteraturwissenschaftPrivat
Das erste Interview nach der Bewerbung als neue ORF-Chefin: was Lisa Totzauer (50) im Programm plant und wo sie politisch steht.

Am 10. August wählt der Stiftungsrat den neuen ORF-Boss. Gut möglich, dass es ein Lady-Boss wird. Neben Amtsinhaber Alexander Wrabetz (61) hat sich Lisa Totzauer beworben, am Dienstag, per Video auf einer eigenen Webseite. Im Stiftungsrat hat die ÖVP das Sagen, kann den Job allein vergeben. Als politische Kandidatin sieht sich die momentane Channelmanagerin für ORF 1 aber trotzdem nicht.

"Heute": Sie haben ja einen guten Job, warum wollen Sie Generaldirektorin werden?

Lisa Totzauer:Wir stehen mit der Digitalisierung mitten im größten Umbruch des Medienmarktes. In dieser Situation will ich den ORF in eine sichere, innovative, spannende Zukunft führen. Ich bin überzeugt, dass eine Refokussierung auf Österreich nötig ist.

Was heißt das?

Mehr österreichischer Inhalt in öffentlich-rechtlicher Qualität, auch im Digitalbereich, um die Jungen zu erreichen. 

Reden wir da von mehr "Bergdoktor" oder was?

Wir reden von allen Genres. Österreichische Filme, österreichische Serien, aber auch die Information. Das betrifft unsere Lebenswelt, unsere Sprache. Bei "Starmania" hatten wir riesigen Zuspruch von jungen Menschen. Die hätten sich ja auch "Germany's Next Topmodel" anschauen können.

Warum haben sie das nicht gemacht?

Unser Publikum hat sich ganz bewusst entschieden: Das ist unsere Sprache, das sind unsere Stars, die kommen aus meinem Bundesland. Mit solchen Angeboten kann sich der ORF aus der Masse an Inhalten herausheben.

Auch mit mehr regionaler Information?

Absolut.

Sie haben sich per Video für den Job beworben – ungewöhnlich. Warum?

Ich wollte mich bewusst direkt an die Menschen wenden, die mit ihren Beiträgen dafür sorgen, dass es den ORF überhaupt gibt.

Wie ist das Video entstanden?

Privat, von mir bezahlt, von einer kleinen österreichischen Firma produziert.

Wann?

In der Nacht vor der Veröffentlichung.

Wie waren denn die Reaktionen?

Überwältigend! Das Video haben schon über 100.000 gesehen, die meisten haben die Transparenz, die Offenheit gelobt. Ich habe Hunderte SMS bekommen, unzählige Mails.

Ist Ihr Konzept für die Präsentation vor dem Stiftungsrat schon fertig?

Es ist in der finalen Phase, 80 Seiten stehen.

80 von wie vielen?

So viele es braucht.

"Ich trete für die Leitung des ORF an, nicht für eine Partei."

Stehen da konkrete Sendungen drin?

Nein,es geht um die grundsätzliche Linie, die Ideen, Pläne. Das ist die Aufgabe der Generaldirektorin, die tollen MitarbeiterInnen im Haus entwickeln die dazu passenden Formate.

Am Ende entscheidet die ÖVP-Mehrheit im Stiftungsrat über Ihre Bestellung. Sind Sie eine ÖVP-Kandidatin?

Ich trete als unabhängige Kandidatin für die Leitung des ORF an und nicht für eine Partei.

Aber die Politik entscheidet über Ihre Bestellung. Rechnen Sie sich Chancen auf den Job aus?

Der ORF ist ein unabhängiges Unternehmen. Diese Unabhängigkeit ist unser höchstes Gut, die muss ich jederzeit sicherstellen. Der Stiftungsrat urteilt auf Basis der Konzepte.

Aber wenn Sie chancenlos wären, hätten Sie sich wohl nicht beworben, oder?

Nein (lacht).

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