Als beim Baby von Fanny B. noch im Mutterleib gleich sieben Herzfehler diagnostiziert wurden, hatte sie eine schwierige Entscheidung zu treffen. Die Ärzte konnten ihr nicht helfen, waren sich nicht sicher, ob der Bub überhaupt eine Überlebenschance hat.
Am 27. Oktober 2017 kam er mit nur einem halben Herzen zur Welt.
Heute ist der kleine Faustus neun Monate alt. "Es war ein Schock", erinnert sich Mama Fanny an die Diagnose. "Es war ein sehr komplexes Problem, das noch nie jemand zuvor gesehen hatte, eine Kombination aus sieben Herzfehlern."
Mutige Therapie
Gemeinsam mit den Eltern beschritten die Ärzte einen mutigen Weg, der zurecht als medizinisches Wunder bezeichnet werden kann. "Wir haben einfach etwas versucht, was noch nie jemand zuvor gewagt hatte", sagt Professor Peter Ewert, Chef der Kinderkardiologie im Deutschen Herzzentrum München.
Zwei hauchdünne Herzkatheter und winzige Drahtröhrchen stellten eine Verbindung vom halben Herzen zu den wichtigen Blutgefäßen dar. Diese lebensnotwendige Verbindung war vorher nicht vorhanden, "durch eine Laune der Natur getrennt", beschreibt es der Arzt.
Viel Risiko
Das Münchner Herzzentrum ist eines der größten Zentren für angeborene Herzfehler in Europa. Man forschte dort schon länger an der Methode, doch es gab dennoch ein "nicht ganz kleines Risiko".
"Lebenswerte Zukunft"
Der erst neun Monate alte Faustus hat schon zwei schwere Herzoperationen hinter sich. Eine zu Ostern, die zweite im Juni. Es geht ihm gut - und es kommt noch besser. Laut den Ärzten hat er eine "lebenswerte Zukunft" vor sich.
Durch seine Krankheit wird er schnell müde und schläft mehr als andere Kinder in seinem Alter. Auch motorisch ist er durch das monatelange auf dem Rücken liegen etwas hinterher. Doch seine Eltern sind optimistisch und wollen ihn im Herbst in eine integrative Kindertagesstätte schicken, die auch schon sein großer Bruder besucht. (red)