Wurde Kim Jong-un wirklich operiert?

Das Staatsoberhaupt soll sich derzeit von einer Operation erholen. Ein Asien-Experte hält dies für glaubwürdig. Die Berichte dazu stiften jedoch Verwirrung.
Was ist mit Kim Jong-un los?

Laut dem südkoreanischen Onlineportal Daily NK, das auf Nachrichten rund um Nordkorea spezialisiert ist, soll sich Kim Jong-un einer Operation unterzogen haben. Das Portal beruft sich dabei auf einen Informanten in Nordkorea. Der Eingriff habe am 12. April stattgefunden. Auch der Nachrichtensender CNN meldet, dass der Diktator nach einer Operation in ernsthafter Gefahr sei. Dies will der US-Sender von einem Regierungsbeamten erfahren haben.



Der Direktor des ICONS Think Tanks der Universität von Maryland und Asien-Experte Devin Hayes Ellis hält die Berichte für zuverlässig, wie er gegenüber der "Bild"-Zeitung sagt: "Die Gesundheit von Kim Jong-un war lange Zeit ein Problem und er wurde in den letzten zwei Wochen zweifellos wegen eines größeren medizinischen Eingriffs betreut."

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Laut dem Informanten soll die Operation aus mehreren Gründen nötig gewesen sein. Ursachen sollen Kims Übergewicht und seine Rauchgewohnheiten sein. Auch "Überarbeitung" soll ein Grund sein.

Wo ist Kim Jong-un jetzt?

Das Staatsoberhaupt soll sich in einer Villa nordöstlich der Hauptstadt befinden. Diese befindet sich nahe des Krankenhauses, in dem Kim Jong-un operiert worden sein soll. Mehrere Ärzte kümmerten sich um ihn. Die meisten Ärzte sollen inzwischen wieder nach Pjöngjang zurückgekehrt sein, nachdem sich der Zustand Kims verbessert haben soll. Am Tag der Operation sollen ein Helikopter und ein Auto, das nur vom Staatsoberhaupt benutzt werde, Pjöngjang verlassen haben. Es sei aber unklar, ob Kim im Auto oder im Helikopter gewesen sei.

Wann wurde Kim letztmals gesehen?

Am 11. April, einen Tag vor der vermuteten Operation, soll der Diktator noch ein wichtiges Parteitreffen in Pjöngjang geleitet haben. Bei den Feierlichkeiten zum Gedenken an Kims Großvater Kim Il Sung am 15. April war er nicht anwesend. Dass er nicht an der Feier teilnahm, sorgte für Spekulationen zu seinem Gesundheitszustand. Nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul in Südkorea war es das erste Mal seit seiner Machtübernahme Ende 2011, dass er einen Besuch des Mausoleums am Geburtstag Kim Il Sungs verpasste.

Was sagt Nordkorea dazu?

Das Land äußerte sich nicht zu den Berichten. Zwar zelebriert Nordkorea um seine Herrscher seit jeher einen Führerkult, doch kontrolliert die kommunistische Führung Informationen über Kim Jong-un und seine Familie äußerst streng.

Wer leitet die Geschäfte, wenn Kim Jong-un dazu nicht in der Lage ist?

"Die Frage ‹Wer würde regieren?› ist genau das, worüber wir uns alle Sorgen machen", sagt Asien-Experte Devin Hayes Ellis zu "Bild". Es gebe keine offensichtliche Abfolge und es sei unklar, wie die Macht in Pjöngjang verteilt sei. "Wenn er handlungsunfähig ist oder stirbt und konkurrierende Machtansprüche bestehen – etwa zwischen seiner Schwester und loyalen Familienmitgliedern gegen eine mächtige Persönlichkeit des Militärs –, besteht die Gefahr einer ernsthaften Instabilität – sogar eines Bürgerkriegs", so der Experte weiter.

Wie beurteilt Südkorea die Lage?

Südkorea hat mit Vorsicht auf die Berichte reagiert. Es könne nicht bestätigt werden, dass es Anzeichen für ernste Probleme mit der Gesundheit Kims gebe, teilte das Präsidialamt in Seoul am Dienstag mit. "Auch gibt es keine ungewöhnlichen Aktivitäten in Nordkorea." Das abgeschottete Land hüllte sich wie so oft zuvor in Schweigen, eine unabhängige Überprüfung der Informationen ist nicht möglich.



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