Zipfelmützen-Goalie: "Bin nicht der Messi der Insel"

Zipfelmützen-Goalie Knudsen: "Fisch und Fußball sind mein Leben."
Zipfelmützen-Goalie Knudsen: "Fisch und Fußball sind mein Leben."PD
Der Zipfelmützen-Goalie! Jens Martin Knudsen fügte Österreich 1990 beim 0:1 gegen die Färöer die größte Fußball-Blamage zu. "Heute" sprach mit ihm.   

Am Samstag trifft Österreichs Fußball-Nationalteam in der WM-Quali auf die Färöer Inseln. Färöer? Da war doch was. 1990 verlor Österreich in der Quali für die EM 1992 mit Stars wie Toni Polster und Andreas Herzog 0:1.

Teamchef Pepi Hickersberger, von Medien "Färöer-Pepi" getauft, musste nach dem "Wunder von Landskrona" zurücktreten. "Normal g'winsst gegen die Färöer auch mit dem Journalistenteam", hatte er im Vorfeld der Partie gesagt.  

Zipfelmützen-Goalien Knudsen im "Heute"-Interview

Held im Amateur-Team der Färöer Inseln war Torhüter Jens Martin Knudsen, der den Sieg im ersten Bewerbsspiel festhielt. Der Goalie trug eine Zipfelmütze und brannte sich ins Gedächtnis heimischer Fußball-Fans ein. Die Färöer schrieben Geschichte: Sie gewannen das erste Pflichtspiel, wurden von 20.000 Fans gefeiert. Auf der Inselgruppe im rauen Nordatlantik leben nur 48.000 Menschen.  

Heute ist Knudsen der Chef einer Fischfabrik. "Heute" bat ihn vor dem Österreich-Match zum Interview. 

Österreich spielt am Samstag gegen die Färöer Inseln. Was geht ihnen da durch den Kopf? 

"Wir haben eine ganz gute Bilanz daheim gegen Österreich." (lacht) 

Das 0:1 im Jahr 1990 kostete Österreichs Teamchef Pepi Hickersberger den Job und machte weltweit Schlagzeilen. Hat es ihr Leben verändert?

"Verändert nicht. Ich bin nicht der Messi von der Insel. Das Leben hier ist rau, stark von der Natur geprägt. Das erdet. Ich bin kein Held, sondern einer von vielen. Aber der Sieg war besonders, auch weil es unser erstes Bewerbsspiel war. Diese Geschichte bleibt ewig.“

"Wir waren Fischer, Lehrer oder Postbeamte im Team, bereiteten uns zwei Monate auf das Match vor und zahlten alles selbst."

Was ist heute anders?

"Damals waren wir Fischer, Lehrer oder Postbeamte im Team. Wir waren Amateure, haben uns zwei Monate auf dieses Match gegen Österreich vorbereitet und alles selbst bezahlt. Heute sind die Spieler besser. Bei Österreich aber natürlich auch. Wenn wir zehn Mal spielen, verlieren wir acht Mal. Es liegen 31 Jahre an Entwicklung dazwischen. Wir sind aber weiter nur 50.000 Leute. Bei uns ist es immer noch 100 Mal einfacher ins Nationalteam zu kommen. Einen Spieler von den Färöer zu Real Madrid zu bringen, das wird noch 100 Jahre dauern.“

Blöde Frage: Wie ist das Wetter aktuell auf den Färöer?

"Wichtige Frage. Nicht gut für euch. Es ist regnerisch und windig. Für uns ist das Alltag."

Jens Martin Knudsen: Der Zipfelmützen-Goalie machte von 1988 bis 2006 insgesamt 65 Länderspiele für die Färöer. Er wurde zudem dreifacher Staatsmeister im Turnen und stand auch im Handball-Nationalteam bei zwei Länderspielen im Tor.
Jens Martin Knudsen: Der Zipfelmützen-Goalie machte von 1988 bis 2006 insgesamt 65 Länderspiele für die Färöer. Er wurde zudem dreifacher Staatsmeister im Turnen und stand auch im Handball-Nationalteam bei zwei Länderspielen im Tor.GEPA

Der Wind setzt vielen Gegnern bereits beim Anflug zu.

"Viele Teams jammern, wenn sie bei uns landen. Eine Mannschaft hat damit begonnen. Das war in den Medien eine große Geschichte, die sich seitdem ständig wiederholt. Ich halte das für psychologischen Blödsinn. Ja, es gibt Wind und es gibt Berge rundherum. Aber jeder landet sicher. Nur ein Team war in Gefahr."

"In Gefahr waren nur die Franzosen. Ihr Kapitän machte aber fast alles falsch. Er ist auf der falschen Seite des Flughafens gelandet."

Wer war das?

"Die Franzosen. Ihr Kapitän machte aber fast alles falsch. Er ist auf der falschen Seite des Flughafens gelandet. Das war knapp. Am Platz dann eher nicht. Die Franzosen haben 6:0 gewonnen."

Was arbeiten Sie heute?

"Ich bin der Chef einer Fischfabrik mit 100 Angestellten. Wir verarbeiten Kabeljau, verkaufen ihn nach Italien und Spanien."

Und der Fußball?

"Ist Immer noch mein Leben. Fisch und Fußball – wie bei vielen hier. Ich bin noch Co-Trainer bei meinem Klub Runavik, mit dem ich als Spieler vier Mal Meister geworden bin. Eine Tätigkeit im Nationalteam geht sich nicht aus, da wäre ich zu viel unterwegs."

Wo ist die Zipfelmütze?

"Ich setzte sie das erste Mal als 13-Jähriger auf. Ich hatte eine Kopfverletzung und wollte meine Mutter damit beruhigen. Eh ein Blödsinn. Nach meiner Karriere hatte ich die Zipfelmütze im Kofferraum meines Autos dabei. Wenn Touristen wollten, setzte ich sie für ein Foto auf. Die Mütze hat es bis ins FIFA-Museum nach Zürich geschafft. Sie ist irgendwo zwischen Beckenbauer und Pele ausgestellt – da liegt sie gut."

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