Zombies & Raketenmänner halten Cannes in Atem

Alles wartet aufs Elton-John-Biopic "Rocketman", Jim Jarmusch begeistert mit "The Dead Don't Die", und "Les Misérables" zeigt Palmen-Potential.
Dritter Festival-Tag in Cannes – und schon das zweite große Star-Event: Nach der Eröffnungs-Gala mit Jim Jarmusch und Bill Murray war am 16. Mai Elton John angesagt. Der Pop-Gigant spielt zwar in keinem Film mit, aber er ist der Protagonist einer großen Produktion. Die Biografie "Rocketman", die bereits am 29. Mai bei uns im Kino anläuft, schildert die frühen Jahre seiner Karriere.

Auf dem roten Teppich von Cannes ist Elton John quasi gleich doppelt vertreten. Einmal höchstpersönlich und einmal in Gestalt des britischen Jung-Stars Taron Egerton ("Kingsman"), der den Musiker auf der Leinwand verkörpert. In der Rolle von Elton Johns Texter und Partner Bernie Taupin ist Jamie Bell ("Billy Elliott") an Bord.

Neu in Cannes: Kein Presse-Screening vor der Premiere

Möglich, dass "Rocketman" in ähnliche Höhen abhebt wie letztes Jahr der Freddie-Mercury-Film "Bohemian Rhapsody". Dafür spricht zum Beispiel die Tatsache, dass Dexter Fletcher Regie führt. Der Engländer drehte "Bohemian Rhapsody" fertig, nachdem sich die Produktion im Streit von Regisseur Bryan Singer ("X-Men") getrennt hatte.

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Wie gut der Film geworden ist, lässt sich aktuell aber noch nicht beantworten: Die internationale Presse bekommt "Rocketman" in Cannes nämlich erst am 17. Mai, einen Tag nach der Weltpremiere, zu sehen. Das ist eine Folge der neuen Politik des Festivals, Presse-Screenings nicht mehr vor den Premieren anzusetzen. Der Hintergrund: In den letzten Jahren kam es öfters mal vor, dass misslungene Filme noch vor der Cannes-Gala von den Kritikern durch Sonne und Mond geschossen wurden. Die Möglichkeit solch einer Schmach will man den Stars nun ersparen.

Zombies im Jarmusch-Stil

Im Fall von "Rocketman" sind die Erwartungen von Presse und Fans freilich hoch. Und hoch ist auch das Niveau der ersten Filme, die im Wettbewerb um die Goldene Palme laufen.

Regie-As Jim Jarmusch zeigte mit dem Eröffnungsfilm "The Dead Don't Die", dass man in ein Zombie-Spektakel sowohl Witz als auch ernste Themen verpacken kann.



Bill Murray, Adam Driver und Chloe Sevigny schieben als hinreißendes Provinzpolizisten-Trio eine Pointe nach der anderen raus. Zugleich reitet der Film ironisch verbrämte Attacken gegen die Überfluss-Gesellschaft und gegen US-Präsident Donald Trump. Ein cooler Film im typischen, lakonischen Jarmusch-Stil: "The Dead Don't Die" startet am 13. Juni in Österreichs Kinos.



"Les Misérables" aus den Banlieues

Noch keinen Termin gibt's für ein Erstlingswerk, das in Cannes mit seinem Realismus und seiner Härte Furore machte. Der französische Regie-Novize Ladj Ly erzählt in "Les Misérables" (keine Neuversion des Romans von Victor Hugo oder des Musicals!) eine Geschichte aus den Banlieues, den Pariser Vorstädten, in denen sich immer wieder schwere soziale Konflikte entzünden – oft verbunden mit gnadenloser Gewalt.

"Les Misérables" zeigt, aus welch nichtigen Anlässen solche Situationen entstehen können: Ein Teenager klaut einem Zirkus ein Löwenbaby. Bald stehen sich etliche Fraktionen – Zirkusleute, Zuwanderer, Islamisten und Jugendliche – voller Aggression gegenüber. Mittendrin der aus Afrika stammende Bezirksbürgermeister, der schlichten will, und die Polizei, die lieber erstmal zuschlägt und später verhandelt.

Das Drama, das auf persönlichen Erlebnissen des Regisseurs beruht (Ladj Ly stammt selbst aus den Banlieues), ist ein rasanter und unbarmherziger Film, der das Publikum angesichts der Ausweglosigkeit der Konflikte erschüttert zurücklässt. Ein Happy End könnte es freilich in Cannes geben: "Les Misérables" wird als potenzieller Kandidat für einen Preis im Wettbewerb gehandelt.

Gunther Baumann, Film Clicks

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