Zu hohe Kosten! Immobilienverkauf als letzter Ausweg

Immer mehr Immobilien müssen verkauft werden.
Immer mehr Immobilien müssen verkauft werden.Getty Images/iStockphoto
Steigende Kreditzinsen und Energiekosten treiben immer mehr Menschen in Österreich zum Verkauf ihrer Immobilien. Bewertungs-App soll weiterhelfen.

Die Misere rund um den Traum vom Eigenheim nimmt immer mehr zu. Angebot, Nachfrage und Preise für Immobilien in Österreich drehen sich derzeit rasant. Viele Niederösterreicher können sich ihr Haus aufgrund der Teuerungen und der steigenden Kreditzinsen nicht mehr leisten und müssen ihre Immobilie verkaufen.

Ein junges Paar aus dem Bezirk Melk kämpft gerade um ihren Traum vom Eigenheim. "Wir haben vor der Pandemie mit der Planung begonnen. Doch seither ist alles teurer geworden. Von den Materialkosten angefangen bis hin zu den Krediten", klagen sie. Denn mit 1. August wurden die Kreditvergabe-Richtlinien massiv verschärft – so darf die monatliche Rate nicht mehr als 40 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens ausmachen, die Laufzeit nur mehr 35 Jahre betragen und man muss Eigenmittel, also Bar-Reserven, in der Höhe von 20 Prozent des Kreditrahmens auf der hohen Kante haben.

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Doch nicht nur für Häuslbauer wurde es schwieriger. Auch schon langjährige Haus- oder Wohnungsbesitzer stehen vor einer Entscheidung: Kann ich mir meine Immobilie noch leisten oder verschlingen die steigenden Energiekosten mein gesamtes Vermögen? Ein Verkauf der Immobilie bzw. ein Umzug in eine kleinere Wohnung steht bei vielen im Raum. Makler erkennen einen gewissen Trend: „Wir merken derzeit in unserem Makler-Netzwerk, dass viel mehr Immobilien auf den Markt kommen als zuvor. Die Auswahl für Käufer wird somit größer und günstiger.“

Menschen können Kosten nicht abfedern

Als Hintergrund sieht Norbert Bauer, Inhaber der heimischen Immobilienbewertungs-App Immowert4You mit Sitz in der Gemeinde Grabern (Hollabrunn) einerseits die steigenden Zinsen, die Kreditrückzahlungen verteuern. Andererseits wären vor allem die kräftig wachsenden Energie- und Lebenshaltungskosten für viele Menschen schwer zu bewältigen. Nicht benötigte Objekte werden verkauft.

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„Mit dem Ausbruch der Pandemie sind die Preise schnell und stark gestiegen“, sagt Norbert Bauer. Und: „Da wurden auch Ladenhüter, die zwei bis drei Jahre lang niemanden interessiert haben, plötzlich spannend und verkauft.“ Das habe die Erwartungen der Verkäufer teils zu stark nach oben geschraubt. „Zuletzt sind wir wieder in einen normalen Bereich angekommen und die Aufschläge aus Corona-Zeiten sind vorbei“, weiß der Immobilienexperte

Umgekehrt ist die Nachfrage nach Immobilien eingebrochen. „Die potenziellen Käufer sind zurückhaltender geworden und warten ab“, merkt Norbert Bauer. Auch hier spielten höhere Zinsen bei Kreditfinanzierungen eine Rolle - und die allgemeine Unsicherheit, wie es mit der Inflation weitergehen wird. Aus dem langjährigen Verkäufermarkt entwickelt sich somit gerade ein Käufermarkt

Bewertungs-App Immowert4You soll ausgebaut werden

Dass Norbert Bauer die Lage so gut einschätzen kann, liegt nicht zuletzt an seinem Netzwerk: Bislang stehen rund 70 lokal verankerte Makler in Wien, NÖ, OÖ und dem Burgenland als Kooperationspartner hinter der heuer gelaunchten App Immowert4You. Die Experten bewerten die von potenziellen Kunden hochgeladenen Immobilien nach regionalen Kriterien persönlich. Der Ausbau in den übrigen Bundesländern und in anderen Ländern Europas soll schrittweise ab 2023 folgen.

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