Eine Reaktionsfähigkeit, wie sie manche 18-Jährige nicht haben, bewies eine 91-Jährige Deutsche am Freitag: Sie wollte mit ihrem Rollator eine Abkürzung über Gleise nehmen, da brauste ein Intercity heran. Die Frau warf sich zwischen die Schienen - und überlebte. Experten meinen: Unmöglich!
Der Intercity von Bremen nach Hannover muss bei der Ortschaft Langwedel über eine Brücke fahren. Bei 160 km/h ist es laut Polizei im Wechsel von Licht und Schatten durch die Brückenpfeiler fast unmöglich, Personen oder Wild zu erkennen. Als der Lokführer des IC deshalb unter dem Zug einen Schlag bemerkte, glaubte er, ein Reh oder Ähnliches erwischt zu haben.
In der nächsten Station ging der Mann nachschauen - und bekam den Schreck seines Lebens, als er die Reste eines Rollators von der Lok klaubte. Der Lokführer stand unter Schock und musste abgelöst werden. Er glaubte, einen Pensionisten getötet zu haben.
Zweiter Lokführer entdeckte "Tote" auf Gleisen
Das Gleiche glaubte auch ein Kollege, der mit einem anderen Zug in die Gegenrichtung unterwegs war und auf den Gleisen bei Langwedel eine alte Frau liegen sah. Er schickte die Rettung zum Unfallort. Bei den Sanitätern war die Überraschung deshalb groß, als sie eine 91-jährige Pensionistin mit einigen Prellungen, aber ansonsten putzmunter vorfanden. Ins Spital wurde sie nur zur Kontrolle gebracht.
91-Jährige warf sich zwischen die Gleise, Zug ratterte drüber
Die Pensionistin erklärte, dass sie seit Jahren die IC-Strecke mit ihrem Rollator überquert. Der Weg sei eine Abkürzung. Dazu muss die alte Frau über zwei Gleise. Züge sind auf dieser Strecke mit 160 km/h unterwegs. Das sind 44,44 Meter in der Sekunde! Laut Experten hat man nur zwei Sekunden Zeit um zu reagieren, nachdem man den Zug erkannt hat. Der Seniorin reichte das. Sie warf sich zwischen die Gleise und ließ den IC über sich hinwegrattern.
Normalerweise saugt Zug Kleidung an, Opfer stirbt
Auch das versetzte die Experten in Erstauen. Anders als im Film überlebt man solche Situationen normalerweise nämlich nicht. Durch die Sogwirkung wird die Kleidung in den Zug gesaugt und verfängt sich an der Eisenbahn. Doch auch das passierte nicht.
Trotzdem werden die Polizisten der Frau wohl davon abgeraten haben, ihre "Abkürzung" noch einmal zu benützten. Auf der hochfrequentierten IC-Strecke sei es verwunderlich, dass die Frau nicht schon früher vom Schnellzug erwischt wurde.