Zugbegleiterin belohnt Fahrgast für nettes "Hallo"

Eine Zugbegleiterin der Schweizer Bahn schenkte einem Pendler einen Gutschein, weil er sie gegrüßt hatte. Auch andere Zugbegleiter wünschen sich mehr Höflichkeit.
Im ersten Moment dachten die Freunde von A. S.*, er wolle sie auf den Arm nehmen. Die Info in seiner Instagram-Story klang wie ein schlechter Scherz: Er habe von der Schweizer Bundesbahn (SBB) soeben einen Gutschein erhalten, weil er freundlich gegrüßt habe, schrieb er. "kein Witz", wie er betonte. Stolz präsentierte er dabei einen Gutschein von 6 Franken (umgerechnet 5,60 Euro), ausgestellt vom SBB-Kundendienst.

Noch müde von seinem Rückflug aus Abu Dhabi sei er am 20. Januar morgens im Regionalzug gesessen, sagt der 28-Jährige. "Irgendwann kam die Zugbegleiterin und sagte 'guten Morgen'. Ich grüßte recht enthusiastisch zurück und zeigte ihr mein Ticket", so S.

Danach hätten sie noch zwei Worte gewechselt. "Als ich mich wieder meinem Handy zuwandte, druckte sie etwas aus, drückte es mir in die Hand und meinte, ich solle mir damit einen Kaffee im Speisewagen gönnen. Ich sei der Einzige gewesen, der sie heute gegrüßt habe." Er habe sich über den Bon gefreut und sich bei ihr bedankt.

CommentCreated with Sketch.11 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Alle Kunden sollten grüßen"

SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt, es sei schön, dass sich der Reisende über die nette Geste der Kundenbegleiterin gefreut und dies in den sozialen Medien geteilt habe. Auf die Frage, ob es üblich sei, freundliche Passagiere mit Gutscheinen zu belohnen, sagt er: "Selbstverständlich darf das Zugpersonal Reisende positiv überraschen. Man freut sich immer über jedes nette Wort von Kundinnen und Kunden, auch wenn natürlich nicht jeder Gruß mit einem Kaffeegutschein belohnt wird."



Zugbegleiter treffen bei ihrer Arbeit jedoch immer wieder auf Passagiere, die nicht grüßen. Er könne die Kollegin verstehen, die den Bon ausgestellt habe, sagt Jordi D'Alessandro, Zugbegleiter und Vizepräsident des Zugpersonals bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. "Auch ich wünschte mir, dass uns alle Kunden morgens grüssen." Es sei bedauerlich, wenn einen Personen nicht grüssten, auf die man mit einem Lächeln und der Motivation, das Beste zu bieten, zugehe.

Oft seien die Passagiere auf ihr Smartphone konzentriert oder hätten Kopfhörer in den Ohren. "Dadurch sind sie manchmal weniger höflich", so D'Alessandro. Unhöfliche Passagiere wolle er aber nicht verurteilen. "Ich weiß ja nicht, was sie gerade beschäftigt." Zudem sei die Mehrheit der Kunden höflich. "Deshalb mache ich auch diesen Job."

"Selbstverständliches wird schon belohnt"

Babette Sigg Frank, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, lobt das Verhalten der Zugbegleiterin, die dem Pendler fürs Grüssen einen Gutschein ausstellte. "Es ist fantastisch, dass das Zugpersonal auch reagiert, wenn ihm etwas Außergewöhnliches auffällt." Gleichzeitig sei es aber sehr bedenklich, dass es im ganzen Zug offenbar nur einen einzigen Passagier gegeben habe, der die Zugbegleiterin gegrüsst habe. "Nun sind wir offensichtlich so weit, dass etwas so Selbstverständliches wie Höflichkeit belohnt wird."

Laut Sigg hat die Kundenfreundlichkeit aber tatsächlich eher abgenommen. "Ob im Zug oder im Laden – Kunden grüssen das Personal kaum mehr zurück." Betrete sie einen Laden, gehe sie hingegen immer gleich selbst in die Offensive. "Ich sage dann 'Grüezi mitenand' – und werde von den anderen Kunden schräg angeschaut."

Gutscheine für Info und Ehrlichkeit

Auch andere Pendler kamen im Zug schon unverhofft zu einem Gutschein. "Im Dezember gab mir ein Zugbegleiter im Intercity zwischen Basel und Zürich als Dank für meine Ehrlichkeit einen Gutschein fürs Bistro", sagt T. K.* Er habe den Zugbegleiter zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass er ihm nach dem Lösen eines Klassenwechsels statt 7 über 30 Franken Rückgeld gegeben habe.

Ähnliche Erfahrungen machte ein weiterer Fahrgast. Sie habe vor rund einem Jahr beim Einsteigen in den Zug eine halboffene Abdeckung bemerkt und die Zugbegleiterin informiert. "Als Dank für die Mitteilung gab sie mir einen Gutschein für den Speisewagen."

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