Schuld am schrecklichen Zugunfall in der Nähe von Bad Aibling im Kreis Rosenheim (Bayern) am Dienstagmorgen dürfte ein Fahrdienstleiter sein, der das automatische Signalsystem kurz ausgeschaltet hat, um einen verspäteten Zug "händisch durchzuwinken. Die Folge: Die beiden Züge krachten frontal ineinander, über 100 Menschen wurden verletzt, zehn getötet.
Schuld am schrecklichen Zugunfall in der Nähe von Bad Aibling im Kreis Rosenheim (Bayern) am Dienstagmorgen soll ein Fahrdienstleiter sein, der das automatische Signalsystem kurz ausgeschaltet hat, um einen verspäteten Zug "händisch durchzuwinken, schreiben deutsche Medien. Die Polizei dementiert. Die Folge: Die beiden Züge krachten frontal ineinander, über 100 Menschen wurden verletzt, elf getötet. Ein Handy-Video zeigt die ersten Horror-Momente nach dem Crash.
Update : Nach aktuellem Stand rund 100 Verletzte, darunter Schwerverletzte und auch Todesopfer zu beklagen.
— PolizeiOberbayernSüd (@polizeiOBS)
Mehrere Waggons zweier Meridian-Züge der Bayerischen Oberlandbahn sind am Dienstag kurz vor 7 Uhr in der Früh entgleist. Die beiden Züge krachten frontal auf einer eingleisigen Strecke ineinander. "Der eine Zug hat sich formlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zugs komplett auseinander gerissen", sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt in einer Pressekonferenz.
Bremssystem abgeschaltet
Laut der Deutschen Presseagentur soll es zu dem Unfall gekommen sein, weil ein Fahrdienstleiter im Stellwerk einen verspäteten Triebwagen "händisch durch zu winken". Der andere Zug hatte allerdings schon grünes Licht und fuhr. Das dürfte der Fahrdienstleiter übersehen haben. Grund soll eine Verspätung gewesen sein, die der Fahrdienstleiter aufholen wollte. Ein Polizeisprecher nannte das aber reine „Spekulation“ und dementierte diese Berichte Mittwochfrüh gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Mit den Ermittlungen sei man noch ganz am Anfang.
Mehrere Tote und Schwerverletzte
In den beiden Zügen befanden sich etwa 150 Fahrgäste. Viele wurden beim Unfall eingeklemmt, die Bergung der Verletzten ist äußerst aufwändig. Etwa 18 Menschen sind schwerst verletzt. Bisher wurden elf Tote bestätigt, darunter auch die beiden Lokführer. Ob Österreicher bei dem Unglück ums Leben kamen, konnte noch nicht gesagt werden, da die Identifizierung der Opfer noch nicht abgeschlossen ist.
Feuerwehr nach 3 Minuten vor Ort, fast 700 Helfer
Der Unfallbereich ist weiträumig abgesperrt. Da die Unfallstelle neben einem Gewässer liegt, müssen die Verletzten per Boot oder Hubschrauber ins Spital gebracht werden. Zehn Hubschrauber fliegen die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser. Zahllose Rettungswagen sind im Einsatz. Die Unfallstelle ist einerseits von bergigem Wald und andererseits von Wasser umgeben, so konnten die über 650 Einsatzkräfte nicht direkt zufahren, sondern mussten einen Hubschrauber- oder Boot-Shuttledienst einrichten.
Hilfe aus Österreich
Auch aus Österreich kamen Einsatzkräfte und Hubschrauber zu Hilfe. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter hat dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann weitere Unterstützung zugesagt. Medien sprechen von einem der schwersten Zugunglücke der deutschen Geschichte.
Ungebremst mit hoher Geschwindigkeit
Bei einer Pressekonferenz von Politikern und der Polizei sprach der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt davon, dass die beiden Züge mit hoher Geschwindigkeit aufeinandergeprallt sein müssen. Auf dieser Strecke können Züge bis zu 100 km/h fahren, der Unfall geschah in einer Kurve. Man geht daher davon aus, dass die Zugführer keinen Blickkontakt hatten und somit fast ungebremst aufeinander getroffen sind.
Ein deutschlandweit eingesetztes Zugssicherungssystem sollte eigentlich automatisch verhindern, dass Züge aufeinandertreffen. Ein funktionierendes System bremst einzelne Züge sogar automatisch, wenn eine solche Gefahr droht. Ob dieses System versagt hat, oder es eine andere Unfallursache gibt, soll nun auch die Auswertung der drei Blackboxen zeigen, die aus den Zügen geborgen wurden. Eigentlich wurde das System aber erst eine Woche vor dem Unfall kontrolliert.
Die Bahnlinie Rosenheim-Holzkirchen ist nach wie vor unterbrochen. Auch die Rosenheimer Straße und der Pullacher Kreise sind gesperrt.
Der Zugbetreiber hat eine eingerichtet.
Wie das City-Management Rosenheim mitteilte, wurde das Faschingstreiben in Rosenheim für Dienstag abgesagt.
Rosenheim-Holzkirchen, sowie Rosenheimer Straße und Pullacher Kreisel gesperrt.
— PolizeiOberbayernSüd (@polizeiOBS)
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Vor knapp zwei Jahren - am 27. Februar 2014 - mussten Passagiere wegen einer technischen Panne einen tonnenschweren Meridian-Zug zwischen Kufstein und Kiefersfelden anschieben - hier das Video: