Bei einem schweren Zugunglück in Indonesien sind laut dem staatlichen Bahnunternehmen KAI 14 Menschen ums Leben gekommen und dutzende weitere verletzt worden. Insgesamt 84 Personen mussten nach dem Unfall im Bahnhof Bekasi Timur, der nahe der Millionenstadt Jakarta liegt, ins Spital gebracht werden. Das teilte die Bahn am Dienstag mit. Anfangs hatten die Behörden in Jakarta noch von sieben Todesopfern gesprochen.
Das Unglück passierte in der Nacht auf Dienstag. Laut Franoto Wibowo, einem Sprecher von KAI, dürfte ein Taxi den Pendlerzug bei einem Bahnübergang gestreift haben. Dadurch blieb der Zug auf den Gleisen stehen. Kurz darauf wurde er von einem heranfahrenden Fernzug erfasst.
Mehrere Menschen wurden "aufgrund der Wucht des Aufpralls" in den Waggons eingeklemmt, erklärte die Such- und Rettungsbehörde von Jakarta. Die Bergungsarbeiten sind laut Behördenleiter Mohammad Syafii mittlerweile abgeschlossen. "Ich bin sicher, dass keine weiteren Opfer mehr gefunden werden."
Jakartas Polizeichef Asep Edi Suheri sagte, der Fernzug sei in den letzten Waggon des Pendlerzuges gerast. Dieser Waggon war ausschließlich für Frauen reserviert. Alle Opfer befanden sich im Pendlerzug. Die rund 240 Fahrgäste des Fernzuges konnten laut KAI-Sprecherin Anne Purba sicher evakuiert werden.
Am Bahnhof herrschten nach dem Unfall chaotische Szenen: Rettungskräfte forderten Sauerstoffflaschen an, während die Rettungsautos mit Blaulicht in einer Schlange bereitstanden. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurden Verletzte auf Tragen aus dem Wrack geholt und in die wartenden Rettungsautos gebracht. Zahlreiche Menschen standen dabei unter Schock und beobachteten das Geschehen. An der umfangreichen Rettungsaktion beteiligten sich das Bundesheer, die Feuerwehr, die nationale Such- und Rettungsbehörde sowie das Rote Kreuz.
Eine Überlebende des Pendlerzuges schilderte der AFP die dramatischen Minuten nach dem Unfall. "Ich dachte, ich würde sterben", sagte die 29-jährige Sausan Sarifah aus ihrem Krankenbett in Bekasi. Sie hatte einen gebrochenen Arm und eine tiefe Schnittwunde am Oberschenkel. Sausan war am Heimweg von der Arbeit, als ihr Zug im Bahnhof Bekasi Timur gehalten hatte. "Alle waren bereit auszusteigen, und dann war plötzlich dieses extrem laute Geräusch der Lokomotive", erzählte sie. "Es blieb keine Zeit, hinauszukommen, und am Ende lagen alle im Zug übereinander, zerquetscht." Sie wisse nicht, wie es jener Person gehe, die unter ihr gelegen sei.
Verkehrsunfälle sind in Indonesien leider keine Seltenheit. Busse, Züge und Flugzeuge sind oft alt und schlecht gewartet. Erst im Jänner 2024 starben bei einem Zugunfall in einer anderen Region von Westjava vier Bahnmitarbeiter, rund zwei Dutzend Menschen wurden verletzt. Im Jahr 2015 kamen 16 Menschen ums Leben, als ein Pendlerzug an einem Bahnübergang in Jakarta mit einem Kleinbus zusammenstieß.