Zum ersten Mal seit Jahren: EZB passt Inflationsziel an

Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat die Europäische Zentralbank das Inflationsziel angepasst. (Archivbild)
Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat die Europäische Zentralbank das Inflationsziel angepasst. (Archivbild)Karl-Josef Hildenbrand / dpa / picturedesk.com
Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat die Europäische Zentralbank das Inflationsziel angepasst. Jene soll jährlich bei zwei Prozent liegen. 

Europas Währungshüter verschaffen sich beim Thema Inflation mehr Spielraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt künftig für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent an, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte. 

 Das ist zwar etwas höher als die bisher veranschlagten "unter, aber nahe zwei Prozent".

Zugleich jedoch wird die EZB bei ihrem Bestreben, mittelfristig Preisstabilität im Währungsraum der 19 Staaten sicherzustellen, künftig zumindest zeitweise "moderat über dem Zielwert" liegende Inflationsraten akzeptieren. Mit einem solchen "symmetrischen" Inflationsziel ist die Notenbank nicht mehr unmittelbar zum Reagieren gezwungen, sollten die Inflationsraten zeitweilig nach oben oder nach unten, von dem prozentualen Ziel, abweichen.

Überprüfung der geldpolitischen Strategie

Die Euro-Währungshüter empfehlen zudem, künftig auch die Preise für selbstgenutzte Wohnimmobilien mit in die Berechnung der Inflationsrate aufzunehmen, die für sie ein zentraler Gradmesser für ihre Geldpolitik ist. Dies sieht die EZB jedoch als längeren Prozess.

Das veränderte Inflationsziel ist ein Kernergebnis der Überprüfung der geldpolitischen Strategie, welche die seit 1. November 2019 amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde angestoßen hatte. In den vergangenen 18 Monaten ging es dabei um die Formulierung von Preisstabilität, das geldpolitische Instrumentarium und die Kommunikation der Notenbank.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde
EZB-Präsidentin Christine LagardeOLIVIER MATTHYS / AFP / picturedesk.com

Billiges Geld in die Märkte gepumpt

Hauptziel der Notenbank ist ein ausgewogenes Preisniveau – im Jargon der Währungshüter: Preisstabilität. Dies sieht die EZB am ehesten gewährleistet, wenn die Preise im Euroraum moderat steigen. 

 Daher wurde schon bei Gründung der EZB im Juni 1998 ein Inflationsziel mit Abstand zur Nullmarke gewählt.

Allerdings lag die Teuerungsrate im Euroraum seit 2013 oft deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke. Und das, obwohl die EZB seit Jahren gewaltige Summen billiges Geld in die Märkte pumpt und die Zinsen auf Rekordtief hält.

Kritiker werfen der EZB daher schon lange vor, sich mit ihrem starren Inflationsziel in eine Sackgasse manövriert zu haben und fordern mehr Spielraum.

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