Wien

Zweitbestes Ergebnis bei Betriebsansiedlungen in Wien

225 ausländische Unternehmen ließen sich im Vorjahr in Wien nieder. Die Stadt sieht sich dadurch in ihren Maßnahmen bestätigt.

Louis Kraft
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    "Aufmarsch" für den Wirtschaftsstandort Wien: (v.l.n.r.:) Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Stadtchef Michael Ludwig und Wirtschaftsagentur-Chef Gerhard Hirczi präsentierten die Betriebansiedlungen 2021.
    "Aufmarsch" für den Wirtschaftsstandort Wien: (v.l.n.r.:) Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Stadtchef Michael Ludwig und Wirtschaftsagentur-Chef Gerhard Hirczi präsentierten die Betriebansiedlungen 2021.
    Denise Auer

    "Das internationale Interesse an Wien als Wirtschaftsstandort ist ungebrochen", freuen sich Bürgermeister Michael Ludwig, Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (beide SPÖ) und der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, Gerhard Hirczi bei der Präsentation der ausländischen Betriebsansiedlungen in Wien.

    Trotz Corona fuhr Wien 2021 mit der Ansiedlung von 225 internationalen Betrieben die zweitbeste Ansiedlungsbilanz der jüngeren Vergangenheit ein. Nur 2019, also vor Beginn der Pandemie, waren es mit 266 Unternehmen mehr. Die 225 neuen ausländischen Betriebe in Wien sind quer über alle Wirtschaftsbranchen verteilt. Der Großteil der Neuzugänge entfällt aber, wie schon in den Vorjahren, auf die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie und Life Science. 

    Neue Betriebe lösen 442 Millionen Euro an Investitionen aus

    Die Entscheidung der ausländischen Betriebe für Wien als neuen Standort habe für den Wirtschaftsstandort unmittelbare ökonomische Effekte: "Die 225 Ansiedlungen lösen in Wien 442 Millionen Euro an Investitionen aus und schaffen 2.673 Arbeitsplätze", so Ludwig. Im Vergleich zu 2020 seien die im Vorjahr bei den ausgelösten Investitionen die Vorjahreswerte um zwei Drittel (68 Prozent), die Zahl der gesicherten Arbeitsplätze um mehr als die Hälfte (56 Prozent) gestiegen. Die Stadt sieht sich in der Bilanz in ihren Maßnahmen zur Anziehung internationaler Unternehmen bestätigt.

    "Unternehmen schätzen stabile Kurssetzung"

    "Dieses klare Bekenntnis von 225 internationalen Betrieben zum Standort Wien zeigt, dass unsere vorausschauende und stabile Kurssetzung auch im Ausland als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg geschätzt wird", betonte der Stadtchef. Vor allem die hohe soziale Sicherheit, die Gesundheitssicherheit in der Coronapandemie, das gute Einvernehmen mit den Sozialpartnern und die aktive Unterstützung durch die Stadt, mache Wien besonders attraktiv.

    Damit Wien am Radar der internationalen Unternehmen konstant auftaucht, habe die Stadt gerade im letzten Jahr ihre Aktivitäten im internationalen Standortmarketing intensiviert. Als Beispiele wurden etwa die Wiederaufnahme persönlicher Besuche bei den Betrieben statt Videokonferenzen, die Schaffung des "Business Immigration Office" und das "Expat Center" der Wirtschaftsagentur Wien genannt. Hier bekommen internationale Fachkräfte Beratung zu rechtlichen Fragen, wie der Aufenthaltsbewilligung, aber auch individuelle Hilfestellung bei Themen rund um familiäre Veränderungen, Wohnen und Kindergärten oder Schulen für den Nachwuchs.

    "Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es umso wichtiger, möglichst viele Unternehmen davon zu überzeugen, dass Wien immer ein guter Nährboden für wirtschaftlichen Erfolg und internationalen Austausch ist", unterstreicht Hanke, der auf die "konstant gute Zusammenarbeit" der Wirtschaftsagentur Wien mit der Austrian Business Agency verweist.

    Deutschland bleibt an Spitze, USA erstmals unter Top 3

    Bei den Herkunftsländern der Unternehmen liegt Deutschland mit 41 Betrieben weiter an der Spitze. Dahinter folgen Italien mit 19 und die USA mit 17 Unternehmen. Auch "Neulinge" finden sich in der Ansiedlungsbilanz 2021: So befinden sich unter den Neuansiedlungen in Wien erstmals Betriebe aus Tunesien und Kamerun.

    Die international steigende Nachfrage am Wirtschaftsstandort Wien bedeutet aber auch einen zunehmenden Bedarf an Fachkräften. Schon jetzt macht sich der Mangel in manchen Branchen deutlich bemerkbar. Die Stadt will dem konkreten Maßnahmen begegnen. Als Beispiel nannte Hanke die Initiative "Jobs plus Ausbildung" des waff und die jüngst präsentierte Förderung von 300 Studienplätze für Frauen im technischen Bereich.

    Unterstützung bei der Ausbildung neuer Fachkräfte kommt auch seitens der Neuansiedlungen. So setzt die in Budapest gegründete Programmierschule Codecool auf Wien als neue wirtschaftliche Heimat. Zielgruppe von Codecool sind junge Erwachsene, die eine Karriere im IT-Bereich anstreben. "Wien ist für Codecool ein idealer Wirtschaftsstandort, denn die Nachfrage nach geeigneten IT-Fachkräften in Österreich ist enorm. Jeder 13. erwirtschaftete Euro in Österreich ist der IT-Branche zuzuschreiben, fast die Hälfte der gesamten Bruttowertschöpfung ist am Standort Wien konzentriert. Klassische akademische Studiengänge werden dabei den Bedarf allein niemals decken können", erklärt Sigrid Hantusch-Taferner, Country Manager bei Codecool Austria.

    Ukraine-Flüchtlinge könnten Jobs bei Stadt bekommen

    Da aber nicht jeder freiwillig nach Wien kommt, arbeitet die Stadt auch an der Unterstützung für diesen Personen. So stellt Hanke Ukraine-Flüchtlingen die Möglichkeit bei der Stadt zu arbeiten in Aussicht. "Jetzt geht es einmal darum, die Menschen hier willkommen zu heißen und zu versorgen", so der Stadt. Gemeinsam mit dem AMS und dem waff werde man sicher aber bestmöglich einbringen. So könnten Flüchtlinge nach erfolgreichem Abschluss der Genehmigungsverfahren im Bereich Daseinsvorsorge, also etwa bei Wien Energie oder den Stadtwerken einen Job bekommen.

    Die Wirtschaftagentur arbeitet derzeit an einem eigenen Coaching-Angebot für Ukraine-Flüchtlinge, die eine Karriere als Selbstständiger starten wollen.