Coronavirus

"Pandemie ist kein Sprint, sie ist ein Marathon"

Am Sonntag wurde bei "Im Zentrum" mit Claudia Reiterer über die anstehenden Weihnachtsfeiertage und die Lockerungen der Corona-Maßnahmen diskutiert.
07.12.2020, 07:50

Die Regierung hat sich für einen entschärften Lockdown entschieden. Bei Schulen und im Handel gibt es Lockerungen, Gastronomie und Hotellerie hingegen bleiben weiterhin zu. Grund sind die weiterhin hohen Infektionszahlen. Am Sonntagabend sprachen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP),  Vizebürgermeister Wiens Christoph Wiederkehr (NEOS), der stellvertretende Landeshauptmann Oberösterreichs Manfred Haimbuchner (FPÖ), Johannes Rauch (Grüne - Landesrat Vorarlberg), die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) und Politikwissenschaftler Peter Filzmaier über die derzeitige Lage. Unter anderem ging es um die Lockerung der Maßnahmen, die beschlossenen Reisebeschränkungen sowie die Massentests. 

Schramböck und Filzmeier erklärten, wie wichtig die Massentests seien. Ernüchternd sei jedoch die mangelnde Bereitschaft, sich auch tatsächlich testen zu lassen. Filzmeier bezog sich auf eine Studie der Uni Wien, laut welcher sich viele nur dann testen lassen würden, sofern sie Kontakt mit einer infizierten Person gehabt hätten. Wiederkehr sagte, er verstehe zwar, dass ein gewisser Corona-Frust da sei, es aber wichtig sei, dass die Bevölkerung sich testet.

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Haimbuchner wiederum war der Meinung, dass das Testen die falsche Strategie sei und, dass das Geld in andere Ansätze investiert gehöre. Weder Experten noch Virologen hätten die Massentestungen empfohlen, merkte er an. Derzeit sei keine Strategie erkennbar und man fahre die Wirtschaft gegen die Wand, so Haimbuchner. Weder in der Gastronomie noch in der Hotellerie gab es Infektionsherd - wozu also die Schließungen, wunderte sich der FPÖ-Politiker.

Wie geht es weiter?

"Wir bewegen uns da auf sehr dünnem Eis und auf unbekanntem Terrain", schilderte Rauch. Die große Herausforderung sei derzeit, die bevorstehenden Feiertage sicher abwickeln zu können. Man müsse - wie die Bayern - zwischen Weihnachten und Silvester differenzieren. Zum Jahreswechsel sollten die Regeln dann wieder strenger sein, so Rauch. Die Zahlen würden derzeit zwar sinken, aber das Risiko bleibe bestehen, im Jänner wieder einen Anstieg zu erleben. 

Wiederkehr erklärte daraufhin: "Es geht darum, dass die schrittweise Öffnung auch nachvollziehbar ist." In Österreich wirke das ganze jedoch wie eine "politische Lotterie". Die Setzung der Maßnahmen hänge von Expertenmeinungen und der Ampelkommission ab. Jene haben beispielsweise zu Beginn erklärt, wie wichtig es sei, die Schulen offen zu halten, sowohl vom Bildungs-Aspekt her, aber auch was die berufstätigen Eltern anbelangt. Wieso wurden jene also geschlossen? Es fehlen nachvollziehbare Gründe für, unter anderem, die Schließung der Schulen.

Auch Haimbuchner schloss sich der Meinung Wiederkehrs an: es brauche einen klaren Plan, eine nachvollziehbare Strategie. Er verstehe nicht, warum beispielsweise Gastronomie oder Theater geschlossen werden mussten, obwohl es dort nachweislich keine Infektionsherde gegeben habe. "Es geht darum zu sagen, wo gibt es nachgewiesene Infektionsherde. - In den Schulen gibt es sie nicht." Was wurde getan - die Schulen wurden geschlossen, was jedoch unverständlich sei. In Wahrheit muss man mit dem Virus leben und jene schützen, die zur Risikogruppe gehören, merkte Haimbuchner noch einmal an.

Reiserückkehrer

Das Thema der Reiserückkehrer sorgte für erhitzte Gemüter bei der Diskussionsrunde. Insbesondere der NEOS-Politiker hatte absolut kein Verständnis für den Kurz-Sager, die Balkan-Rückkehrer hätten das Virus im Sommer nach Österreich geschleppt. Schramböck hingegen stand klar hinter der Meinung des Bundeskanzlers und meinte, die Zahlen würden genau das belegen. In Wien seien jedoch "nur sieben Prozent darauf zurückzuführen gewesen", entgegnete Wiederkehr. Laut ihm sei das der falsche Ansatz. Die Menschen würden nur gegeneinander ausgespielt werden. 

Summa summarum spalteten sich die Meinungen der "Im Zentrum"-Gäste hinsichtlich der Maßnahmen beziehungsweise auch der Lockerungen. Auch über den Nutzen der Massentests war man sich uneinig. Wie sich die neu beschlossenen Maßnahmen und die Regelung für die Feiertage auf die Zahlen auswirken werden, bleibt weiter abzuwarten.