2018

06. Dezember 2018 07:11; Akt: 06.12.2018 09:22 Print

Wort des Jahres: Kurz ist der "Schweigekanzler 2.0"

Das Wort des Jahres 2018 steht fest. Und es ist ein wiederkehrendes: Auch während der ersten ÖVP/FPÖ-Koalition war es "en vogue".

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) (Bild: picturedesk.com)

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) (Bild: picturedesk.com)

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Das österreichische Wort des Jahres 2018 ist gekürt. Es bezeichnet Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und lautet: "Schweigekanzler".

Wem das bekannt vorkommt: zu recht. Denn auch schon 2005 war das Wort "Schweigekanzler" zum Wort des Jahres gewählt worden. Die Jury bezeichnet es deshalb als "terminologischen Wiedergänger".

Begründung

Der Kanzler, für den das Wort erfunden wurde, war Wolfgang Schüssel. Auch er führte die ÖVP in eine Koalition mit der FPÖ. Die Bezeichnung "Schweigekanzler" verdiente Schüssel sich damals mit wochenlanger Funkstille in der Öffentlichkeit.

Auch Kurz verdiene diese Bezeichnung, begründete die Jury. Denn wiederholt habe er jedwede Reaktion auf für ihn unangenehme Themen vermieden. Auch zu Handlungen und Äußerungen der FPÖ, bei denen die Öffentlichkeit eine klärende Aussage des Bundeskanzlers erwarten durfte, habe er nichts gesagt, so die Jury.

"Schweigekanzler" landete mit Abstand auf Platz 1 des Votings, dahinter auf Rang 2 "Nichtrauchervolksbegehren" und auf Rang 3 "#MeToo".

Kickl und die "Ponyzei"

Besonders originell und deshalb extra erwähnenswert fand die Jury auch Platz vier und fünf des Rankings: "Ponyzei" und "Gaulreiter" beziehen sich beide natürlich auf das Vorhaben von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), eine berittene Polizei anzuschaffen.

Unwort des Jahres

Das Unwort des Jahres wurde gewählt, weil es so sperrig ist und dadurch von einem eigentlich gut gemeinten Vorhaben ablenkt, so die Jury: "Datenschutzgrundverordnung".

Platz Zwei des Unwort-Rankings belegt ein Sager von Innenminister Kickl. Die Formulierung "konzentrierte Unterbringung", mit der er Asylwerber "konzentriert an einem Ort halten" wollte und Asylverfahren zu verkürzen. Für die Jury hat Kickl den Anklang an die "Konzentrationslager" der Nazis in Kauf genommen.

Rang Drei der Unwörter des Jahres geht an die "Arbeitszeitflexibilisierung", so heißt der 12-Stunden-Tag offiziell. Dieser Ausdruck würde das Vorhaben verhüllen - außerdem entstünde durch die Maßnahme ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitgeber, so die Jury.

Spruch des Jahres

Der mittlerweile aus der Politik ausgeschiedene Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz sorgte heuer für den Spruch des Jahres. Im Rahmen einer Parlamentsdiskussion zum Nichtraucherschutz richtete er die ungläubige Frage an Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ): "Frau Minister, was ist mit Ihnen?!"

Unspruch des Jahres

Auch das Gegenteil, der Unspruch des Jahres hat mit der Gesundheits- und Sozialministerin zu tun: "Man kann sicher von 150 Euro im Monat leben", sagte Hartinger-Klein in einem TV-Interview.

Ganz genau lief die Konversation so ab: Der Interviewer bemerkte im Zusammenhang mit der Kürzung der Mindestsicherung: "... wenn man von 150 Euro leben kann." Hartinger-Klein kommentierte das mit: "Wenn man die Wohnung auch noch bekommt, dann sicher."

Jugendwort des Jahres

Beim Jugendwort des Jahres hat es "Oida" an die Spitze geschafft. Das gar nicht so neue Wort habe in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen, so die Jury. Platz Zwei bei den Jugendwörter geht an "nice".

"Oida" könne alles und nichts heißen. Vom erstaunten Ausruf mit verschiedenen Bedeutungen bis hin zu einer wenig verhüllten Drohung ist alles möglich. Auch musste heuer ein junger Mann 100 Euro Strafe zahlen, weil er "Oida" zu einem Polizisten sagte. Auch diese unverständliche Strafe habe zur Kür beigetragen.

Wir haben damals 10 ganz legale Arten, "Oida" zu sagen, zusammengetragen:

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leo Brei am 06.12.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Besser als einen Dampfplauderer wie die letzten Jahre zuvor!

    einklappen einklappen
  • Si Vis Pacem am 06.12.2018 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenteiljahr der Opposition

    Kurz meldet sich fast täglich über Social Media zu Wort. Passt halt der Opposition nicht, dass er ihre gleichgeschaltenen Medien mit deren selbstverliehenen Deutungshoheit umgeht.

  • Unsitte am 06.12.2018 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Um ehrlich zu sein

    einer der schweigt ist 100 mal besser als einer der nur Schwachinn verzapft wie dieser Kern oder wie der geheissen hat....

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Querdenkerin. am 09.12.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Sebastian Kurz.

    In Zeiten wie diesen, alles richtig gemacht.

  • Renate Maria am 08.12.2018 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht einen Moderator

    Moderatoren gibt's beim Fernsehen. Ein Kanzler hat zu arbeiten und das erledigt Kurz zu meiner Zufriedenheit! Die verschwurbelten Kommentare seiner Vorgänger waren absolut entbehrlich!

  • Epi am 07.12.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    ,,Ein würdiger Titel, mehr gibts dazu nicht zu sagen!

  • Bimbo am 07.12.2018 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigekanzler

    Weil ihm ganz einfach an der Bildung und Erfahrung im Beruf abseits der Politik fehlt, leider. Alles ist von den Spins vor formuliert.

  • Censorship am 07.12.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sitzt in diesem Gremium?

    Interessant, wieso kleben seine Gesprächspartner, welche Kurz ans Bein pinkeln wollen, am Ende der Diskussion immer an der Wand, wenn er doch schweigt... Es ist unglaublich, wie eine antidemokratische, untergehende, rassistische Partei (SPÖ) immer noch so viel Einfluss hat, um die Medien zu manipulieren...