Planktonsterben

26. Dezember 2018 17:00; Akt: 08.01.2019 09:06 Print

"Uns bleiben zehn Jahre, um die Meere zu retten"

Während vor Kanada das Plankton um die Hälfte zurückgegangen ist, warnt ein schottischer Forscher vor dem Kollaps der Meere. Die Folgen wären dramatisch.

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Die kanadische Fischerei- und Meeresbehörde DFO hat in den Gewässern vor Neufundland und Labrador ein besorgniserregendes Planktonsterben festgestellt. Laut dem DFO-Forscher Pierre Pepin ist dort die gesamte Biomasse des Zooplanktons in den letzten drei bis vier Jahren um 50 Prozent zurückgegangen. Neben dem Absterben des Zooplanktons, also dem tierischen Plankton, hat Pepin auch einen Rückgang des Phytoplanktons, des pflanzlichen Planktons, festgestellt, wie CBC berichtet.

Plankton ist die Grundlage der gesamten Nahrungskette der Ozeane. Fische, Seevögel, Wale und Seehunde: Sie sind alle vom Plankton abhängig. Was der Rückgang bedeutet, veranschaulicht Pepin mit einem Vergleich: Es sei, als ob man in einen Lebensmittelladen gehe und alle Regale nur halbvoll wären. Er befürchtet, dass sich in der Nahrungskette der Ozeane etwas grundlegendes geändert hat.

Zuerst das Meer, dann das Land

Pepins Besorgnis teilt der schottische Meeresbiologe Howard Dryden. Er warnt in einem Bericht der Umweltorganisation Global Oceanic Environmental Survey, dass die Ozeane bis 2045 so vergiftet sein werden, dass innerhalb fünf Jahren die meisten Fische, Vögel und Meeressäuger aussterben werden. Das hätte laut Dryden auch für das Leben an Land verheerende Folgen.

"Wenn wir es zulassen, dass das Ökosystem der Meere zerstört wird, wird auch das Ökosystem auf dem Festland wenige Jahre später versagen", sagte Dryden zu Express.co.uk. "Uns bleiben nur etwa zehn Jahre um eine Wende herbeizuführen und nicht nur Plastik zu eliminieren, sondern auch giftige Chemikalien, wie sie in tausenden Produkten von Lippenstift bis Sonnencremes enthalten sind." Schaffe man das nicht, werde es zu einem Kollaps des gesamten marinen Ökosystems kommen.

Giftige Chemikalien

Dryden hält fest, dass nicht in erster Linie die Industrie für das Planktonsterben verantwortlich ist, sondern die Menschen, die Kosmetik und andere Produkte verwenden, die voll von giftigen Chemikalien sind. Dazu gehört Oxybenzon, das sich nicht im Wasser löst, sondern sich an kleinere Objekte wie Plankton heftet, dieses langsam tötet und andere Organismen, die sich von Plankton ernähren, vergiftet.

Mehr lesen: Das ist die offiziell größte Todeszone der Welt >>>

Die Gefahr für das marine Leben, die von Oxybenzon ausgeht, hat unter anderem auch der US-Bundesstaat Hawaii erkannt. Dort ist der Einsatz der Verbindung in Sonnencremes ab dem 1. Januar 2021 verboten. Ein Jahr früher will der pazifische Inselstaat Palau ein ähnliches Verbot umsetzen.

Darüber hinaus fordert Dryden bis 2020 ein Verbot, Holz zu verfeuern, ein umfassendes Verbot von Einwegplastik und ein Geräte-Recycling ohne Schadstoffemissionen. Zudem müssten bis 2030 alle Industrien frei von giftigen Abfällen sein.

Nur wenn das alles erreicht werde, könnten sich die Meere bis 2050 erholen, so Dryden. Gelingt das nicht, sieht er schwarz. "Um es unverblümt zu sagen: Wenn wir nichts unternehmen, um die Situation zu verbessern, sind wir geliefert."

Wichtigster Sauerstofflieferant

Der Verlust des Planktons hätte nicht nur wegen des Ausfalls einer wichtigen Nahrungsquelle im Meer dramatische Folgen. Denn Phytoplankton produziert auch 50 bis 80 Prozent des Sauerstoffs der Erdatmosphäre und beseitigt den Großteil des Kohlendioxids. Dass das Plankton durch den Einfluss des Menschen seit den 1950er-Jahren weltweit um über 40 Prozent zurückgegangen ist, ist für Dryden denn auch einer der Hauptgründe für den Klimawandel. Vor diesem Hintergrund erscheint das verstärkte Planktonsterben vor Neufundland und Labrador noch dramatischer.

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(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kathi am 27.12.2018 04:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungswachstum stoppen

    Um die Welt zu retten, wäre für mich die Massnahme Nummer 1 zu verbieten, sich wie Kaninchen zu vermehren. Zumal ja alles nach Europa rennt, bei denen zu hause wird überhaupt nicht auf die Umwelt geschaut

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  • Kannitverstan am 26.12.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir retten schon die Welt

    Es wird Alles wieder gut, haben wir uns doch die Einkaufsplastiksackerln, Trinkhalme und Wattestäbchen verboten. Japan macht eben mit Walfang weiter und im Bereich des indischen Ozeans und des Pazifiks wird sich auch nichts ändern. Weder an der Wasserqualität der Flüsse noch mit dem ins Meer verfrachteten Mülls.

  • Ewald am 26.12.2018 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ifgolöjgd

    Wahrscheinlich der nächste Schmäh um uns degenerierten Westler auszusackeln. Vom Baumsterben, saurem Regen und Ozonloch hört man heute auch nichts mehr.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • harald am 27.12.2018 05:36 Report Diesen Beitrag melden

    sehr viel sehr verlogen

    selbst schuld wenn man über Jahrzehnte die Meere zumüllt und womögl. Industrieabfälle/-abwässer dort reinleitet, ....de facto geht es wahrscheinl. aber nur ums Geld; Hier hätte man so gerne eine EU-weite Plastiksteuer eingeführt zur direkten Ablieferung an die EU-Zentrale zur "eigenen" Finanzierung des Haushaltes..Oben steht "Holzverfeuerungsverbot" - nur in Ö hat man nur das Heizölheizen ab 2020 in neuen Häusern verboten, das weit weniger Feinstaub produziert u. weniger giftig als der Holzrauch stinkt...sehr eigen u. womögl. diskriminierend

  • Kathi am 27.12.2018 04:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungswachstum stoppen

    Um die Welt zu retten, wäre für mich die Massnahme Nummer 1 zu verbieten, sich wie Kaninchen zu vermehren. Zumal ja alles nach Europa rennt, bei denen zu hause wird überhaupt nicht auf die Umwelt geschaut

    • Lisa am 27.12.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      hmm

      wenn eh alle hierher rennen, ist es dann nicht egal wie dort auf die umwelt geschaut wird?

    • Heimatland am 27.12.2018 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lisa

      Nein, weil die ihre "kulturelle Eigenart" wahren möchten und dann ist es bei uns genauso wie jetzt dort (vgl. die neue Messerkultur!)

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  • Herr K. am 27.12.2018 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    VdB's Märchenstunde

    Früher hams die Leute mit der Angst vor dem Fegefeuer gefügig gemacht. Heute erfolgt die grosse Manipulation per Öko-Klimawandel-Dogma. Letztlich geht es immer nur um Macht und Geld. Aber immer mehr Leute durchschauen diese dreisten Lügen.

    • Crashcar am 27.12.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Herr K.

      Ganz sicher nicht. Ein kleiner Teil des Klimawandels geht auf das Konto der natürlichen Schwankungen. Aber dazu gehören mit Sicherheit keine Gifte, die vom Menschen erzeugt werden und ausschließlich zum menschlichen Komfort gedacht sind. Ohne jedoch zu wissen was das anrichtet, oder das evtl. vorhandene Wissen aus Bequemlichkeit oder Profitgier negiert wird. Jeder, der auch nur über ein klein wenig Allgemeinbildung verfügt, kann das derzeitige Geschehen nicht mehr als Humbug abtun. Und Wissenschaftern, die aufzeigen was wirklich los ist, geht es nicht um Geld oder Macht sondern ums wachrütteln

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  • Klarname am 27.12.2018 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ökoschwindel

    Die einzigen, die sich am Ende über die geplante NGO-gesteuerte Verbotsorgie freuen werden sind die Chinesen und ein paar superreiche "Philantropen".

  • Heimatland am 26.12.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht ernst zu nehmen

    ... fordert ein Verbot Holz zu verbrennen: Sollen wir seiner Meinung nach vielleicht gleich kollektiven Selbstmord begehen - so was gab es ja schon bei Sekten.

    • Karl am 26.12.2018 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heimatland

      Irgendwie hört sich das aber plausible an wenn das Futter für andere Lebewesen weg ist dann wird unser Futter auch bald weg sein ich glaube der kollektive Selbstmord hat schon begonnen aber wir werden es erst begreifen wenns nicht mehr zu reparieren ist

    • Heimatland am 26.12.2018 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl

      Das stimmt alles, es geht mir ja nur um das Verbot Holz zu verbrennen: jahrelang hat man gesagt, bloß keine fossilen Brennstoffe, Holz ist gut, da es kurzfristig gebundenes CO2 ist, und jetzt will einer das auch verbieten - irgendwie muss man ja heizen!

    • Korbi am 26.12.2018 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heimatland

      das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. oder glauben sie, Holz ist die einzige Form zum heizen?

    • Heimatland am 26.12.2018 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Korbi

      brav jetzt, Korbi, wenn die Großen reden!

    • Trollator am 27.12.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Heimatland,

      sie halten sich für einen 'Großen'? Wir wissen schon..

    • Heimatland am 27.12.2018 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Trollator

      Nein, umgekehrt, ich halte mich für einen Durchschnittsbürger, aber KORBIs Widerspruchsgeist ist ähnlich der Trotzphase bei Kindern.

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