Balkan-Blog

23. Januar 2019 07:00; Akt: 28.01.2019 14:49 Print

Fünf Dinge, die jedes Balkan-Kind kennt

Klar, nicht alle Balkaner sind gleich. Aber es gibt ein paar Dinge, an denen kommst du als Spross einer Familie aus Ex-Jugoslawien schlicht nicht vorbei.

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Die Legenden unserer Eltern

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Es fängt meist mit einer Kleinigkeit an. Einer kleinen Jammerei meinerseits über irgendetwas ohne Belang. Und es endet fast immer in einem epischen Monolog von Mama oder Papa, bei dem selbst J.R.R. Tolkien den Atem angehalten hätte. Denn Mordor ist ein Ponyhof im Vergleich zum Balkan in den Siebzigern. Zumindest, wenn es nach den Erzählungen von Jugo-Eltern geht.

Laut meiner Mutter litt der Balkan vor meiner Geburt unter einer noch nie dagewesenen Eiszeit. Die Schule war ungefähr drei Kontinente entfernt. Und Schuhe gab es generell keine. Aus diesem einfachen Grund hätte ich keinerlei Berechtigung, auch nur einen Gedanken ans Jammern zu verschwenden. Mache ich es doch, wird mir die Legende erneut vorgetragen. Und mit jedem Mal wird sie ein Stück epischer.

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Vegeta

Einem Balkaner schmeckt grundsätzlich nichts. Außer man streut etwas Vegeta darüber. Die Würzmischung ist ein wahres Wundermittel. Salz und Pfeffer können einpacken gegen dieses kulinarische Feuerwerk.

Was da genau drinnen steckt, hat sich wohl bis heute noch kaum ein Jugo durchgelesen. Dennoch werden Tonnen von dem Zeug über alle möglichen Speisen geschüttet. Hauptsache, es schmeckt.

3
Jede spanische Telenovela

Die Balkan-Sender haben ein ziemlich einseitiges Programm. Zumindest hatten sie das in den Neunzigern. Ich muss gestehen, ich habe mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr getraut, auf einen Jugo-Kanal zu switchen. Und das hat einen guten Grund: Ich wurde für mein Leben geschädigt. Und zwar von spanischen Telenovelas.

Ich war nie ein Fan von ihnen, aber wer kann schon wegsehen, wenn Esmeralda mit Esteban kurz vorm Durchbrennen ist, obwohl ihr Alejandro gerade die Liebe gestanden hat. Richtig: Niemand!

Hinzu kommt noch, dass am Balkan der Job des Synchronsprechers offenbar nicht wirklich angesehen war. Aus diesem Grund gab es auch einfach keine. Das heißt, die Serien wurden auf Spanisch gezeigt. Aber mit Jugo-Untertiteln. Nur reden die Protagonisten halt so schnell, dass man mit dem Lesen nie wirklich mitkam. Trotzdem wollte man wissen, was da in den Villen der Latinos so abgeht. Ich musste mich irgendwann zu einem echten Entzug zwingen. Für viele meiner Verwandten kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Sie sind für immer Gefangene ...

4
Es lebe der Sport

Zur Fußball-WM 1998 lag ich mit hohem Fieber im Bett. Doch an Ausruhen war nicht zu denken. Kurz bevor Davor Suker auf den Platz lief, wurde ich jeweils geweckt. Erst nach 90 Minuten Daumen drücken durfte ich mich weiter auskurieren. Und zwar mit einem g'sunden Stamperl.

Die Episode zeigt, wie außerordentlich wichtig der sportliche Erfolg für uns Balkaner ist. Wir werden von Klein auf darauf getrimmt, die Sport-Stars unserer Heimat zu bejubeln.

Wie gut wir darin sind, stellten etwa die Kroaten unter Beweis, als ihre "Vatreni" als WM-Zweite aus Russland in Zagreb ankamen:

Oder nehmen wir die Bosnier: Als es im November in Wien zum Duell gegen Österreich kam, feierten die Fans ihre Nationalmannschaft bis zum Umfallen:

Dabei beschränkt sich die Sport-Manie selbstredend nicht nur auf den Fußball – sie erfasst uns zuverlässig, wenn eine Nationalmannschaft in irgendeiner Sportart zum Wettkampf antritt.

5
"Sag mal was"

Du outest dich bei neuen Bekannten als Jugo? Dann bekommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb von Millisekunden die Aufforderung zu hören: "Sag mal was".

Und jedes Mal frage ich mich: Wozu? Mein Gegenüber versteht mich doch ohnehin nicht. Häufig folgt dann ein peinlicher Dialog im folgenden Stil:

"Was soll ich denn sagen?"
"Irgendwas."
"Sag doch einfach, was ich sagen soll."
"Ja, egal was."
"Nein."
"Komm. Sag irgendwas."

Zu den weiteren Blogs

>>>> Teil 1: Fluchen mit Balkan-Mama – ein Crash-Kurs

>>>> Teil 2: Balkan-Mamas größte Angst: Ich, unverheiratet

>>>> Teil 3: Meine Freundin, ein Svabo – für Mama ein Skandal

>>>>Teil 4: Der Balkan – die Hölle für Veganer

>>>>Teil 5: Die Balkaner, ihre große Liebe zu Rakija – und ich

>>>>>Teil 6: Weshalb wir Balkan-Kinder so auf Rap abfahren

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kannitverstan am 23.01.2019 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich da die falsche Einstellung?

    Da wird ein Blog vom Balkan angezeigt. Wo kann man da wieder die Wiener Einstellung setzen?

  • Kerstin am 23.01.2019 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frechheit dieser Block

    1.Die Vorteile der Familienbeihilfe 2.Die Vorteile der E-Card 3.Den Vorteil der Mindestsicherung 4.Den Vorteil in Schulen und Parks die Mehrheit zu sein 4.Den Vorteil die Österreichische Staatsbürgerschaft zu haben aber nicht Deutsch sprechen zu müssen

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  • Kurt am 23.01.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Wichtige Nachrichten/Schlagzeilen? Oder bin ich nun endgültig in einem Gossip-Blatt angelangt??? Ernsthaft?

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Toni Maroni am 23.01.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Satire

    Wir sind gekommen um zu bleiben wir gehen hier nicht mehr weg... nicht mehr weg... wir sind gekommen um zu bleiben liebe Ösis suchts euch doch ein Versteck!

  • Öster Reicher am 23.01.2019 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kroate

    Cooler Bericht danke Heute Team

  • Sonja am 23.01.2019 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    An @ Suzi Wie verbietert müssen Sie sein. Ich sage Sie das Sie sehen das es auch Menschen gibt die gutes Deutsch können und das Geld Dinar gar nicht kennen. Also wirklich immer diese Vorurteile. Vielleicht sollten sie auch eine andere Seite der Welt kennenlernen. Wahrscheinlich fahren sie in Urlaub nach Kroatien und glauben das sie genug am Meer Geld verdienen. Aber das sind 6 Monate wo man durcharbeitet und schaut das man mit dem Geld bis zur nächsten Saison halbwegs durchkommt.

    • Suti am 23.01.2019 22:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ah was?

      Sorry der Text ist mehr als unverständlich. Dinar kenn ich, Arbeit auch, also? Versteh den Sinn des Textes nicht. Und verbietert schreibt man richtig so verbittert. Nein bin nicht verbittert, danke der Nachfrage, bin eigentlich sehr weltoffen und harmonisch.

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  • Vegeta am 23.01.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Oh mein Gott

    Wer ist Esmeralda? Ich kenn nur Kasandra. Oh mein Gott was für Zeiten, kaum war man unten, haben alle nur von Kasandra gesprochen als wäre sie ein Familienmitglied und man konnte nicht mitreden da man ja die Serie nicht kannte.

  • Suzi am 23.01.2019 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Recht

    Ich find es immer wieder lustig, dass wir alle gut waren, als wir alle Hilfsarbeiter waren. Da hat man über uns lachen können und hinterrucks reden, natürlich haben wir uns weitentwickelt und unsere Kinder ins gute Schulen geschickt damit sie es besser haben. Jetzt haben es unsere Kinder besser als wir und jetzt kommt die Eifersucht und die Herzerei gegen uns. Ja wir haben die Sprache gelernt und lassen uns nicht mehr alles gefallen und sind vielleicht inzwischen eure Chefs, aber wir haben dafür gekämpft u gelernt. Also bitte alle haben die gleiche Chance. Hört auf mit Hetzerei

    • Mitch am 23.01.2019 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Suzi

      ich glaube nicht das in euren Land ein Österreicher die Chancen bekommen hätte wir ihr bei uns oder ? Wenn dort unten alles so toll ist warum sind allein aus Serbien 42% der Bevölkerung ausgewandert ? Achso Schilling,Mark und Euro haben gelockt Dinar nix gut können nix bauen Haus dafür

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