Game Review

13. Februar 2018 09:00; Akt: 04.04.2018 13:23 Print

Das beste Rollenspiel seit der Witcher ausgehext hat

Kingdome Come: Deliverance entführt uns ins mittelalterliche Böhmen. Wir haben das gigantische RPG auf der PS4 auf Herz und Nieren getestet.

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Das Rollenspiel Kingdom Come: Deliverance entführt uns in die Welt des Mittelalters, nur ohne Trolle, Drachen und dunkler Magie. Es dreht sich vielmehr um das Erlernen von Kampftechniken, geschickten Handel und hin und wieder das ein oder andere Verbrechen. In allen Fällen sind die Charaktere sehr überzeugend umgesetzt, die Sprachausgabe und die Grafik sind vorzüglich. Die Bewohner von Dörfern und Burgen führen ein komplett eigenständiges Leben und gehen ihren Tätigkeiten nach. In manchen Situationen muss man dann auch abwarten, bis es dunkel wird, um ein Quest erfolgreich zu erledigen. Beeindruckend ist, dass sämtliche Angriffsbewegungen tatsächlichen historischen Kampfmanövern nachempfunden wurden. Am Rande erinnert die Technik an Ubisofts "For Honor", geht jedoch weiter in die Tiefe. Auch, weil die Bewegungen extrem präzise umgesetzt wurden. Toll umgesetzt sind die vielen Aspekte, die den Kampf, aber auch das ganze Spiel beeinflussen. Das beginnt bei den Waffen, wo sich die Äxte und Schwerter sehr unterschiedlich schwingen, über die Rüstungen, die Schwachpunkte offenbaren, bis hin zu den Umgebungen, die etwa durch Erhebungen Kampfvorteile bieten. Kingdome Come: Deliverance lädt uns auf ein grandioses Mittelalter-Abenteuer ein. Realismus wird ganz groß geschrieben und genau das ist die tolle Abwechslung zu anderen RPGs. Es scheint, als hätten die Entwickler alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Schwere Helme beeinflussen die Sicht massiv, gelegte Feuer am Schlachtfeld behindern mit ihrem Rauch Bogenschützen, Verletzungen sind im Kampf nicht behandelbar. Kingdom Come Deliverance ist ein Paradebeispiel von spielerischem Realismus. Auch deshalb, weil man sich einfach mal eine Kampfauszeit nehmen und stundenlang dem Leben mit all seinen Aufgaben als Gärtner, Priester oder Trunkenbold widmen kann. Wem schnell langweilig wird, der kann eine gewisse Zeitspanne nach vorne "spulen". Besonders fesselnd ist diese Abwechslung, die der Titel zu bieten hat, auch bei den übrigen Szenarien. Mal findet man sich auf gewaltigen Schlachtfeldern wieder, mal auf Spionagemission in einem Gebäude und dann wiederum wartet in Bossform ein Krieger mit beeindruckenden Attacken auf uns. Kingdome Come hat auf jeden Fall hohes Suchtpotential und fesselt auch mit coolen Cut-Szenes für Geschichtsliebhaber. So viel Liebe zum Detail, so viel Inhalt, so viel Abwechslung und eine so toll gemachte Story samt fesselndem Gameplay haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Selbst das Rollenspiel-Epos The Witcher 3 weiß Kingdom Come: Deliverance Konkurrent zu machen.

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Wir schreiben das Jahr 1403 in idyllischen Böhmen. Nach dem Tod des beliebten Königs Karl IV stürzt das Land in einen brutalen Bürgerkrieg. König Wenzel und sein Halbbruder Sigismund streiten sich mit ihren Armeen um die Krone. Mittendrin ist Heinrich, Sohn eines Schmiedes. Herzlich willkommen bei Kingdome Come: Deliverance!

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Das Rollenspiel entführt uns in die Welt des Mittelalters, nur ohne Trolle, Drachen und dunkler Magie. Es dreht sich vielmehr um das Erlernen von Kampftechniken, geschickten Handel und hin und wieder das ein oder andere Verbrechen. Welchen Weg die Figur des Heinrich schlussendlich einschlägt, das baut sich Stück für Stück durch die Entscheidungen des Spielers zusammen. Ob man nun ein ehrenhafter Bürger oder ein diebisches Schlitzohr erschafft, das bleibt einem völlig selbst überlassen.

Geduld ist gefragt

Der Einstieg in das Mittelalter-Epos wirkt zunächst ein wenig hölzern, auch die Menüführung wirkt sehr komplex. Doch schon nach ein wenig Spielzeit kommt man schnell hinein, man darf nur am Anfang nicht die Geduld verlieren. Zunächst geht es darum seine Grundtugenden zu lernen, auf denen baut sich später der Charakter auf. Es wird sofort klar, dass man im Verlauf des Spiels sehr viele Gespräche führen muss, um weiterzukommen.

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Hier ist die Gesprächsmechanik sehr interessant. Der Ruf beim Gegenüber, sozialer Status oder gefährliches Aussehen können zum Erfolg führen. Zur Not hilft auch immer ein wenig Bestechungsgeld. In allen Fällen sind die Charaktere sehr überzeugend umgesetzt, die Sprachausgabe und die Grafik sind vorzüglich.

Coole Kämpfe, Feilschen mit Händlern

Wenn es zum Kampf kommt, überzeugt auch die Schlag-Mechanik. Es gibt fünf Richtungen, in die man mit dem rechten Stick angreifen kann, entweder mit starken oder leichten Hieben. Zusätzlich sollte man immer in Bewegung bleiben, um selbst nicht zu angreifbar zu sein. Doch nicht nur der Kampf, sondern Redekunst und Handel sind essentielle Bestandteile von Kingdome Come: Deliverance. Besonders cool: Mit Händlern kann man um den Preis feilschen, das ist immer einen Versuch wert.

Beeindruckend ist, dass sämtliche Angriffsbewegungen tatsächlichen historischen Kampfmanövern nachempfunden wurden. Am Rande erinnert die Technik an Ubisofts "For Honor", geht jedoch weiter in die Tiefe. Auch, weil die Bewegungen extrem präzise umgesetzt wurden. Klar, gegen zwei Gegner auszuteilen und zu blocken ist schwer, aber dennoch sehr realistisch umgesetzt. Nicht nur, dass es durchwegs unterschiedlich angreifende Feinde wie in der Realität gibt. Auch die Bewegungen werden ohne Fehler vom Controller auf den Bildschirm übertragen. Wer scheitert, ist selbst verantwortlich, denn die Steuerung ist exzellent.

Ritterschnaps in der Taverne

Die Bewohner von Dörfern und Burgen führen ein komplett eigenständiges Leben und gehen ihren Tätigkeiten nach. In manchen Situationen muss man dann auch abwarten, bis es dunkel wird, um ein Quest erfolgreich zu erledigen. Als braver Bürger kommt man auch nicht immer zum Ziel, hin und wieder muss ein Verbrechen begangen werden. Die Wachen sind allerdings sehr streng und nehmen einen hart ran, wenn man erwischt wird. Allerdings kann man sich hier auch herausreden oder freikaufen – oder es zumindest versuchen.


Mittelalterliche Heldenreise: Kingdom Come Deliverance. (Quelle: Zoomin)

Natürlich kommen auch klassische RPG-Elemente nicht zu kurz. Rüstungen, Waffen und andere Gegenstände wollen gesammelt, verkauft und erbeutet werden. Einen neuen Aspekt bringt die Schlaf- und Hunger-Engine. Wenn man müde ist, hat man weniger Ausdauer zur Verfügung, mit zu leerem Magen sinkt der Gesundheitsbalken rapide ab. Also muss für das leibliche Wohl auch gesorgt werden. Ein Ritterschnaps in der Taverne oder ein Krug eiskaltes Kellerbier helfen da natürlich.

Viel Taktik gefragt

Toll umgesetzt sind die vielen Aspekte, die den Kampf, aber auch das ganze Spiel beeinflussen. Das beginnt bei den Waffen, wo sich die Äxte und Schwerter sehr unterschiedlich schwingen, über die Rüstungen, die Schwachpunkte offenbaren, bis hin zu den Umgebungen, die etwa durch Erhebungen oder Dickicht Kampfvorteile bieten. Gelevelt wird, wo es nur geht. Wer etwa viel mit der Axt kämpft, sammelt in dieser Tätigkeit Fertigkeitspunkte und schaltet neue Angriffe frei. Und je mehr man im Abenteuer fortschreitet, desto mehr Unterkategorien zum Hochleveln bekommt der Charakter.

"Verleveln" kann man sich dabei kaum, denn es gibt keine Charakterklassen, sondern die verschiedenen Fertigkeits- und Profilwerte, aus denen man seinen ganz eigenen Kämpfer je nach Geschmack zaubert. Wie gigantisch das Rollenspiel ist, zeigen die immensen Möglichkeiten. Man muss nicht wie ein Berserker ein Lager des Feindes stürmen und aufräumen. Stattdessen wartet man die Nacht ab, schleicht sich unerkannt ins Lager und zerstört die Waffen der Feinde oder meuchelt sie mit Gift dahin. Steht am Morgen die Schlacht an, findet sich eine schwach bewaffnete oder stark dezimierte Gegner-Armee vor. Nur eines der hunderten Szenarien, die Kingdom Come: Deliverance so gigantisch macht.

Unser Fazit

Kingdome Come: Deliverance lädt uns auf ein grandioses Mittelalter-Abenteuer ein. Realismus wird ganz groß geschrieben und genau das ist die tolle Abwechslung zu anderen RPGs. Es scheint, als hätten die Entwickler alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Schwere Helme beeinflussen die Sicht massiv, gelegte Feuer am Schlachtfeld behindern mit ihrem Rauch Bogenschützen, Verletzungen sind im Kampf nicht behandelbar.

Kingdom Come Deliverance ist ein Paradebeispiel von spielerischem Realismus. Auch deshalb, weil man sich einfach mal eine Kampfauszeit nehmen und stundenlang dem Leben mit all seinen Aufgaben als Gärtner, Priester oder Trunkenbold widmen kann. Wem schnell langweilig wird, der kann eine gewisse Zeitspanne nach vorne "spulen".

Besonders fesselnd ist diese Abwechslung, die der Titel zu bieten hat, auch bei den übrigen Szenarien. Mal findet man sich auf gewaltigen Schlachtfeldern wieder, mal auf Spionagemission in einem Gebäude und dann wiederum wartet in Bossform ein Krieger mit beeindruckenden Attacken auf uns. Von der Story wollen wir nicht zu viel verraten, die Erfahrung müsst ihr schon selbst machen.

Kingdome Come hat auf jeden Fall hohes Suchtpotential und fesselt auch mit coolen Cut-Szenes für Geschichtsliebhaber. So viel Liebe zum Detail, so viel Inhalt, so viel Abwechslung und eine so toll gemachte Story samt fesselndem Gameplay haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Selbst das Rollenspiel-Epos The Witcher 3 weiß Kingdom Come: Deliverance Konkurrenz zu machen. Also rauf auf's Pferd und auf nach Böhmen!

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(pip/rfi)

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