Heftige Kritik

07. Januar 2019 13:01; Akt: 07.01.2019 20:35 Print

Post verkauft Daten über unsere Parteiaffinität

Die Post verkauft an Kunden Daten von Österreichern. Name, Adresse, Geschlecht, Alter und bei 2,2 Millionen Bürgern die Parteiaffinität sind dabei.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

"Die Österreichische Post hat von rund 2,2 Millionen Menschen Parteiaffinitäten abgespeichert und dieses Datenmaterial an politische Parteien für Wahlwerbung weiterverkauft. Datenschützer halten das für nicht legal", berichtet die Recherchplattform Addendum unter dem Titel "Wenn die Post Partei ergreift". Um was geht es? Die Post hat 2001 damit gestartet, über eine eigene Online-Plattform Daten zu verkaufen.

Umfrage
Finden Sie es gut, dass die Datenschutz-Grundverordnung eingeführt wurde?
34 %
16 %
45 %
3 %
2 %
Insgesamt 1121 Teilnehmer

"Bewusste Mutmaßung"

Unter "Daten" versteht man dabei die Namen, Adressen, Geschlechts- und Altersangaben der Österreicher. Die Post nutzt dabei Daten, die bei der Inanspruchenahme von Post-Leistungen wie dem Nachsendeauftrag angegeben werden – dass die Daten der Kunden zu Marketingszwecken verkauft werden, findet sich dabei in den Details. Für Kritik sorgt aber auch, dass bei 2,2 Millionen Österreichern eine "Parteiaffinität" mitverkauft werde.

Bei der "Parteiaffinität" handle es sich um eine statistische Hochrechnung, welche Partei ein Betroffener wahrscheinlich wählt und welche politischen Positionen er oder sie vertritt. "Es wird dem Dritten bewusst eine Mutmaßung über die politische Orientierung gegeben, damit dieser seine Werbemaßnahmen zielgerichtet ausüben kann", kritisiert der Jurist Axel Anderl gegenüber "Addendum". Datenschützer sehen dies als illegal an.

Auskunft verlangen

Die Post selbst gibt gegenüber der APA an, dass sie durch die Gewerbeordnung berechtigt sei, "Personen aufgrund von Marketinganalyseverfahren Marketinginformationen zuzuordnen". Die Datennutzung werde dabei "strikt" nur für Marketingzwecke eingeschränkt – und alle Betroffenen hätten zugestimmt. Drei Millionen Datensätze und Profile handelt die Post, berichtet Addendum, das über die Auskunft nach der Datenschutz-Grundverordnung auf den Sachverhalt stieß.

Alarmiert zeigt sich der Verein für Konsumenteninformation (VKI), die Gewerbeordnung beziehungsweise der Paragraf 151 decke "das schon einmal gar nicht ab, was die Post macht", so Chefjurist Thomas Hirmke zur APA. Doch auch datenschutzrechtlich sei der Vorgang bedenklich. Hirmek empfiehlt, ein Auskunftsbegehren an die Post zu richten. Sollten dabei persönliche Daten aufscheinen, kann man die Löschung beantragen.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(red)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pauli am 07.01.2019 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    DSGVO

    Die DSGVO schreibt vor, dass nur jene Daten gespeichert werden dürfen, welche für die Erledigung der beauftragten Tätigkeit (in diesen Fall Postversand) unbedingt erforderlich sind. Parteiangehörigkeit gehört sicherlich nicht dazu und darf somit auch nicht gespeichert werden. Die Datenschutzbehörde muss jetzt aktiv werden und nicht nur eine Verwarnung aussprechen!

  • Free am 07.01.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Post verkauft illegal Daten

    Meines erachtens ist es illegal bezogene Daten verkauft werden. Nach der DSGVO dürfen - nur Daten gespeichert werden - die für den Postversand erfordlich sind. Außerdem geht es der Post nichts an bzw. welcher Partei man zugehörig ist, das heißt das bleibt jeden selbt überlassen und ist eine Pivatangelegenheit. Auch hat die Wahlwerbung (Parteien) mit der Post nichts zu tun. So wie es aussieht macht sich - die Post nach der DSGVO strafbar!

  • Browser am 07.01.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Soviel

    zur Glaubwürdigkeit des Datenschutzes! Warum macht sich die Regierung überhaupt die Mühe neue Gesetze zu machen, wenn sie sowieso umgangen werden, bzw. völlig ignoriert...

Die neuesten Leser-Kommentare

  • 1002Himmelszelt am 09.01.2019 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Datenweitergabe ohne Einverständnis

    Aus meinem eigenen Leben: habe voriges Jahr viel für Tier- und Umweltschutz gespendet, entsprechende Rückmeldungen dieser Organisationen erhalten. Was fand ich vorige Woche im Postkasten? Unerwartete Werbung von den Grünen.

  • einleser am 08.01.2019 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Anonym bleibt, zahlt BAR.

    Jeder der mit Bankomat bezahlt, von dem kann man erstens Bewegungsprofile anlegen und zusätzlich auch Parteiaffinität herauslesen und noch viele andere Daten auch.

  • Korbi am 08.01.2019 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Alle verkaufen die Daten.

    Wer Schulden hat und bei Amazon bestellt kriegt auch Post vom Inkasso Verein. Datenschutz gibt es nur, wenn man wo anruft und etwas über sich selbst wissen will. Das dürfen wir nicht sagen, Datenschutz.

  • Alex am 08.01.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz-Grundverordnung

    nicht einmal "echte" rechtsexperten/-abteilungen sind sich sicher wie diese umzusetzen ist. aber bei dem artikel wird wieder einmal deutlich, dass die privatisierung daneben ging. POST/ÖBB/AUA sind sofort wieder zu verstaatlichen.

    • 1002Himmelszelt am 09.01.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

      Unethische Gesetzgebung

      Ich wurde von niemandem um mein Einverständnis für die Weitergabe von Daten durch die Post gebeten. (Von der Bank auch nicht.) Also hat keiner diese Daten zu verscherbeln und damit auf meine Kosten Profit zu machen! Gehts noch?! Das kommt davon, wenn man durch eine skrupellose geldgeile Regierung Beamte entlässt (in die Frühpension, auf Steuerzahlerkosten!) und dann den privaten Aktionärsgeiern alles überlässt. Egal, was dann mit der Bevölkerung passiert. POSTGEHEIMNIS, stand das nicht mal in unserer Verfassung?!

    einklappen einklappen
  • irgendwasistimmer am 08.01.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    alle Betroffenen haben zugestimmt

    Frage 1: wo kann man überprüfen, ob die eigenen Daten verkauft wurden Frage 2: im Fall ja, wann hat man dem zugestimmt Frage 2: im Fall nein, wann hat man dem nicht zugestimmt ich persönlich kann mich nicht erinneren, irgendwann mal einer derartigen Regelung zugestimmt zu haben.

    • Thomas am 08.01.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Nur so zur Info

      Ich habe der Verlängerung meines Kündigungszeitraumes bei einem Telefonanbieter zugestimmt, nur weil ich dem Kleingedruckten in irgendeiner Rechnung, wo dies drinnen stand, nicht widersprochen habe. Auf meine Anfrage wenn darin für Immer gestanden wäre ich jetzt ewig Kunde bleiben müsste, gab es natürlich nur Achselzucken beim Kündigen.

    einklappen einklappen