Presseschau

25. Oktober 2018 17:37; Akt: 25.10.2018 17:39 Print

Tester feiern Red Dead Redemption 2

Am Freitag erscheint Rockstar Games’ Wildwest-Epos. Die ersten Testberichte loben das Open-World-Game in höchsten Tönen.

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Red Dead Redemption 2 ist einfach nur absurd. Absurd groß, absurd detailreich, absurd ambitioniert. Die Entwickler haben die Technik unter der Haube ordentlich aufpoliert. Das soll bessere Animationen, mehr Interaktionsmöglichkeiten und eine lebendigere Spielwelt zur Folge haben. Rockstar dürfte das nicht einfach daher sagen, denn die Welt wurde vor der Handlung gebaut, soll selbst als Charakter auftreten. Gleichzeitig ist Red Dead Redemption 2 aber interaktiver als alle Rockstar-Spiele zuvor. Mit beinahe jedem Charakter kann man in Kontakt treten. Das neue Interaktionsmenü erlaubt das freundliche Grüßen, Beleidigen oder sogar Ausrauben von Reisenden, Dorfbewohnern und zwielichtigen Gestalten am Straßenrand. Wie die Figuren reagieren ist schwer abzuschätzen - wie im echten Leben auch. Hat man eine Vorgeschichte mit einer Person oder eine negative Reputation, kann das natürlich die Möglichkeiten beeinflussen. Jemanden zu grüßen, mit dem man sich zuvor heftig gestritten hat, ist eben nicht logisch. Im Jahr 1899 neigt sich die Zeit der Outlaws in Amerika ihrem Ende zu. Als Arthur Morgan zieht man mit der berüchtigten Van-der-Linde-Gang raubend und mordend durch das Land. Die Ansammlung von Ausgestoßenen wird im Laufe der Handlung immer wieder einen neuen Lagerplatz suchen - ein zentraler Bereich des Spiels. Nicht jede Aktion treibt die Story voran, aber verleiht der Welt eine Lebendigkeit, die bei den meisten Open-World-Spielen einfach fehlt. Laut Rockstar soll sich alles so organisch wie möglich anfühlen - ohne plumpe Markierungen, die genau anzeigen, welche Charaktere Missionen bereithalten. Stattdessen ist man angehalten, auffälligen Personen zuzuhören, denn man stolpert entweder in Missionen - die Grenze zwischen Haupt- und Nebenaufgaben ist fließend - oder wird auf Geheimnisse aufmerksam. Dass man auch alleine gegen eine Überzahl bewaffneter Feinde bestehen kann, liegt nicht zuletzt am bereits aus dem Vorgänger bekannten Deadeye-System. Per Knopfdruck wird die Zeit verlangsamt, man kann Gegner markieren und sie anschließend der Reihe nach abknallen. Und das mit fünf Aufbaustufen, denn später zeigt das Spiel sogar Schwachstellen bei Feinden an. Das soll aber nicht heißen, dass es kinderleicht wäre. Deckung ist essenziell, um nicht im eindrucksvoll gestalteten Schlamm zu landen. Doch auch bei einer gewonnenen Schießerei gegen die Sheriffs muss man sich hüten, denn Straftaten ziehen ein Kopfgeld nach sich. Es verschwindet auch mit der Zeit nicht, kann aber beim Postmeister beglichen werden. Da ist man im Wilden Westen ganz unbürokratisch. Red Dead Redemption 2 ist gespickt mit Mechaniken, die ähnlich beeindruckend ineinander greifen wie Physik und Objekte in The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Waffen verrosten, wenn sie nass werden, bei kaltem Wetter benötigt Arthur wärmere Kleidung, Zeugen von Verbrechen können mundtot gemacht werden, Kadaver von Tieren verwesen und ziehen andere Tiere an - in Summe wirkt das Spiel viel durchdachter als die meisten anderen Game-Blockbuster! Sogar das Pferd ist bedeutender, als man es je hätte ahnen können. Tier und Reiter bauen eine Beziehung auf, die sich direkt auf das Gameplay auswirkt, etwa durch eine präzisere Steuerung. Die Satteltaschen dienen als Inventar-Erweiterung, denn man kann immer nur eine realistische Menge an Waffen am Körper tragen. Im Stall wird der treue Begleiter mit neuen Sätteln oder Frisuren ausgestattet. Red Dead Redemption 2 ist Rockstars erstes Spiel, das vollends auf die aktuellen Konsolen ausgelegt ist. Und das sieht man dem Titel an. Es ist beinahe unheimlich, was die Entwickler aus der PlayStation 4 Pro herauskitzeln - auf dieser Plattform wurde für diesen Artikel gespielt. Egal ob Gesichter, Landschaften oder auch nur der Schlamm auf der Straße - alles wird atemberaubend in Szene gesetzt. Neben enorm detaillierten Texturen begeistern Lichteffekte, Partikelsysteme und ein dynamisches Wettersystem. Und: Das Game kann komplett aus der Egoperspektive gespielt werden. Ein Umschalten zu verschiedenen Schulterperspektiven ist jederzeit möglich. Der Soundtrack verändert sich dynamisch. Möglich machen das 192 separate Stücke Instrumentalmusik, die sich dem Geschehen anpassen. So kommt immer die passende Stimmung auf - egal ob man über eine weite Ebene reitet oder sich wilde Schießereien in einem Banditen-Unterschlupf liefert. Rockstar Games legt die Latte für offene Spielwelten einmal mehr deutlich höher und dürfte einen der besten Titel der letzten Jahre abliefern. Riesig, komplex, erwachsen: Ein neues FIFA oder Call of Duty gibt es jedes Jahr, doch ein Red Dead Redemption 2 kommt nur einmal pro (Konsolen-)Generation.

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Es dürfte eines der größten Spiele des Jahres werden: Red Dead Redemption 2 von Rockstar Games. Der Nachfolger zum Western-Hit aus dem Jahr 2010 erhielt bereits viel Lob in Vorschauen, unter anderem von "Heute".

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Wann ist RDR2 hierzulande erhältlich?

In Österreich haben es Gamer schwer: Am Veröffentlichungstermin, dem 26. Oktober, ist Nationalfeiertag. Offiziell heißt es seitens Rockstar Games, dass der Verkaufsstart sich dadurch auf den Samstag verschiebt. Doch es gibt Auswege: Manche Shops verkaufen das Spiel bereits und die Download-Version aus den digitalen Stores von PlayStation 4 und Xbox One wird um Punkt 0 Uhr freigeschaltet.

Doch wie ist das Spiel nun?

Sehr gut, wenn man nach den ersten Testberichten geht. Im Review-Aggregator Metacritic erreichte das Spiel am Donnerstagabend einen Durschnittswert von 97 Prozent.

Die deutsche Gamepro schreibt in seinem Fazit etwa: "RDR2 wirft keine Videospielnormen über den Haufen oder macht irgendetwas revolutionär anders. Es hebt allerdings die Messlatte in fast allen Bereichen auf einen neuen Level, der wahrscheinlich für alle Wettbewerber zumindest in dieser Generation unmöglich zu überbieten sein wird. "

Game Informer lobt das Spiel für seine "tiefgehende Darstellung" des Endes von Dutch Van der Lindes Verbrecherbande, "die sich nahtlos in das erste Spiel einfügt". Die Tiefe und Breite der offenen Welt sei ein technischer Triumph, den jeder Spieler erleben sollte.

Neben der hochgelobten Spielwelt erhält vor allem das Interaktionssystem viel Zuspruch – denn jeder Charakter in der Spielwelt kann in kleine Gespräche verwickelt werden. "Wo andere Open-World-Titel nach außen gerückt sind, weil Hardware-Beschränkungen weniger ein Problem darstellen, zielt Red Dead Redemption 2 stattdessen auf Tiefe in Form von Interaktivität ab", schreibt Push Square.


(Video: Rockstar Games)

Ein bisschen Kritik

Die bisher negativste Rezension stammt vom Slant Magazine. Dort moniert der Autor die politische Ebene der Spielwelt: "Eine Frau zieht schließlich eine Hose an, eine Figur erklärt Rassismus, ein anderer sagt, dass die amerikanischen Ureinwohner 'schlecht behandelt' wurden, und alle schaudern vor den Schrecken des Rassismus und die Folgen der Sklaverei. Und stundenlang wird keines dieser Ungerechtigkeiten in irgendeinem Detail näher beleuchtet."

In seinem Fazit bezeichnet IGN Red Dead Redemption 2 neben Grand Theft Auto V als eines der "besten Spiele der Neuzeit". Und weiter: "Es ist ein Game von seltener Qualit mit einer pedantisch polierten offenen Welt, die eine Ode an die Ära der amerikanischen Outlaws ist."


(Video: Rockstar Games)

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(red)

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